Hirschbach Das Thema Jagd ist in die Schlagzeilen geraten, weil in der Region Wertingen Jägerstände brannten. Ob es sich dabei um einen Protest gegen die Jägerschaft handelt, ist noch nicht klar. Auf der anderen Seite sind die Jagdkurse der Jägervereinigung Dillingen voll ausgebucht. Wir haben eine frischgebackene Jägerin gefragt, was sie dazu sagt. Außerdem wollten wir von Nicole Deisenhofer aus Hirschbach wissen, wie sie zur Jägerei kam, was ihr Umfeld dazu sagte und was sie begeistert.Frau Deisenhofer, Sie kommen aus keiner typischen Jagdfamilie. Wie kam es, dass Sie sich für den Wald und die Wildtiere interessierten?
Nicole Deisenhofer: Ich bin nicht mit der Jägerei groß geworden. Es war mein Sohn, der mir klarmachte, wie viele interessante Themen es rund um den Wald gibt. Er ging damals in den Wertinger Waldkindergarten und erzählte ganz begeistert, was er bei den Förstern und Jägern und bei Ausflügen gelernt hatte. Das fand ich spannend und mir wurde klar, dass ich in dem Bereich noch einiges lernen kann. Außerdem war ich schon immer gerne draußen, habe Pilze und Moos im Wald gesammelt. Eines Tages hatte ich dann den Geistesblitz, dass ich den Jagdschein machen will.
Doch es dauerte noch einige Jahre, bis Sie diesen Gedanken in die Tat umsetzten. Warum?
Deisenhofer: Ja, damals war mein Sohn noch klein und ich hatte einfach nicht genügend Zeit. Allerdings war ich so begeistert von dieser Idee, dass ich meinen Mann damit ansteckte. Er machte dann vor mir den Jagdschein.
Fünf Jahre später waren Sie dran und haben nun seit kurzem den Jagdschein in der Tasche. Wie lief die Ausbildung?
Deisenhofer: Man spricht ja vom grünen Abitur und man muss wirklich viel lernen. Ich war froh, dass trotz Corona Präsenzunterricht möglich war. Mir war es wichtig, mir nicht nur Wissen anzueignen, sondern auch ein Gefühl für das Gelernte zu bekommen. Das geht am besten im Austausch mit den Lehrern und den Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Die Ausbildung umfasste eine große Bandbreite, angefangen vom Waldumbau bis hin zum Naturschutz, der Hege und Pflege der Wildtiere, Recht, Waffen, Munition, Optik, Wildbiologie, Jagdpraxis oder der Zusammenarbeit mit den Landwirten und Landwirtinnen. Dabei muss man einiges lernen, seien es die einzelnen Verordnungen hinsichtlich des Naturschutzes, die verschiedenen Greifvogelarten oder welcher Baum welche Wurzeln hat.
Wer saß denn gemeinsam mit Ihnen im Jagdkurs?
Deisenhofer: Das war eine bunte Mischung. Da gab es zum Beispiel einen Teilnehmer mit 17 Jahren, der unbedingt Jäger werden wollte, weil sein Vater auch einer ist. Daneben waren auch Ältere dabei, die noch was für Gedächtnis tun und Neues lernen wollten. Die 20-köpfige Gruppe war wirklich bunt gemischt. Auch vier Frauen waren dabei.
Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie nun Jägerin werden wollen?
Deisenhofer: Das war sehr unterschiedlich. Einige sagten, sie könnten es gar nicht fassen, dass ich mich dazu entschieden habe. Andere hingegen meinten, dass es gut zu mir passen würde.
In so einem Jagdkurs geht es auch um Waffen. War das ein Problem für Sie?
Deisenhofer: Vor den Waffen hatte ich sehr großen Respekt. Ehrlich gesagt, war es schon ein bisschen krass, dass ich Angst vor den Waffen hatte und trotzdem unbedingt den Jagdschein machen wollte.
"Es war schon ein bisschen krass, dass ich Angst vor den Waffen hatte und trotzdem unbedingt den Jagdschein machen wollte"
Doch ich wurde mit meinen Bedenken ernst genommen. Und ich merkte schnell, dass beim Schießen Sicherheit an erster Stelle steht. Man muss etliche Fragen im Kopf durchgehen, ehe man abdrückt. Für mich steht jetzt aber fest, dass ich mir eine Waffe anschaffen werde. Mit dieser werde ich dann zunächst auf dem Schießstand üben. Für mich ist Jagen so viel mehr als Schießen. Es ist einfach schön, auf einem Jägerstand zu sitzen und zu beobachten.
Wie schwierig ist es für Sie, ein erlegtes Reh zu zerteilen?
Deisenhofer: Wir haben zu Hause Schafe und Lämmer, die wir schlachten und verzehren. Mir geht es darum, dem Tier eine Wertschätzung gegenüber zu bringen. Das bedeutet auch, möglichst alles von dem erlegten Tier zu verwerten. Ich bin ein Genussmensch und Rehfleisch ist sehr hochwertig. Ich schätze und genieße es.
Es gibt auch die Kritik, dass die Jägerschaft nicht so viele Rehe schießen müsste, wenn man die Tiere im Winter nicht füttern würde. Was sagen Sie dazu?
Deisenhofer: Mir geht es vor allem um die Hege und Pflege. Das bedeutet für mich auch, Wildtiere zu füttern, die ansonsten verhungern würden. Das wäre ein elendes Verenden. Die Fütterung ist übrigens in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, weil die Winter nicht mehr so kalt waren. Ich helfe auch bei der Kitzrettung mit und gehe gemeinsam mit anderen Frauen aus dem Dorf durch die Wiesen, ehe sie gemäht werden. In der vergangenen Saison fanden wir rund 28 Kitze, die wir nach dem Mähen sofort wieder zurückbringen. Manchmal helfen uns die Kinder dabei. Das ist einfach schön. Auch die Zusammenarbeit mit den Landwirten funktioniert dabei sehr gut. Ich denke, es ist immer wichtig, im Gespräch zu bleiben und auch die Argumente der anderen anzuhören. So kann man beispielsweise als Jäger oder Jägerin den einen oder anderen Landwirt oder die eine oder andere Landwirtin überzeugen, eine Grün- oder Wurzeläsung für die Wildtiere stehen zu lassen. Es geht darum, auszuloten, was möglich ist und sensibel und achtsam mit den Menschen und der Natur umzugehen.
Vor kurzem wurden in der Wertinger Region Jägerstände angezündet. Wurden Sie selbst auch schon einmal angefeindet?
Wie geht es nun bei Ihnen weiter, nachdem sie erst kürzlich Ihren Jagdschein abgeholt haben?
Deisenhofer: Zu Beginn braucht man jemanden, der einem erklärt, wie man all das Erlernte umsetzt. Ich habe glücklicherweise jemanden, der mich unterstützt – und ich freue mich schon riesig darauf.