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Jubiläum
16.01.2021

„Wir wollten unbedingt einen Kracher“

Mit diesem Flyer warb der TCW 1996 für sein großes Turnier.
3 Bilder
Mit diesem Flyer warb der TCW 1996 für sein großes Turnier.

Vor 25 Jahren schaute die Tennis-Welt auf Wertingen. Erinnerungen an ein außergewöhnliches Turnier des TCW auf dem Judenberg

Wer ein Jubiläum feiert, der sucht das Besondere, es soll eine Veranstaltung (oder Party) sein, an die sich die Leute noch lange erinnern. Das könnte in diesem Jahr beim Tennis-Club Wertingen allerdings ganz anders sein. Der Verein begeht zwar sein 50-jähriges Jubiläum, doch wie oder sogar, ob das gefeiert wird, bestimmen höhere Virus-Mächte. In Zeiten der Corona-Pandemie wird ans Feiern vorerst nicht gedacht. „Wir würden ja gerne feiern, am liebsten öffentlich mit unseren Mitgliedern und Freunden aus nah und fern, aber was möglich ist, kann momentan ja niemand sagen“, stöhnt der erste Vorsitzende Silvester Anton und traurig blickt er auf die vergangene Saison zurück: „Aus Sicht der Sportvereine war 2020 ein verlorenes Jahr.“

Vor 25 Jahren war die Stimmung eine ganz andere, da hatte sich der damalige Vorstand auch Gedanken gemacht, wie das Jubiläum gefeiert werden könnte, der erste Vorsitzende Rainer Späth und seine Kollegen waren sich dabei einig: „Wir wollten unbedingt einen Kracher“. Bereits zwei Jahre zuvor waren Späth die Gedanken gekommen, man müsse zum 25-Jährigen doch neben einem Festabend ein besonderes Turnier veranstalten und hatte dies zuerst mit seinem Sportwart Norbert Weiser besprochen. Der war Feuer und Flamme, eine fordernde, anstrengende und am Ende erfolgreiche Arbeit begann. Schließlich betraten alle Beteiligten Neuland. Im Verein aber machten alle mit, einige Helferinnen und Helfer nahmen für das Turnier sogar Urlaub.

Doch zunächst hieß es „aller Anfang ist schwer“. Norbert Weiser nahm erst einmal Kontakt mit den Verbänden auf, mit dem Deutschen Tennis-Bund, dem bayerischen Verband und dem Tennis-Bezirk Schwaben. Was muss gemacht werden, welche Bestimmungen gelten und wie kommt man überhaupt zu einem attraktiven Turnier? Wie meist im Leben, Grundlage ist das Geld. Attraktiv wird ein Turnier durch ein hohes Preisgeld – „und da hat die Firma Creaton für uns die Weichen gestellt“, ist Rainer Späth heute noch dem Sponsor dankbar. Für die „Creaton Open“ wurden 8000 Mark Preisgeld ausgelobt, damals ein hoher Betrag, der dazu führte, dass beim Jubiläumsturnier in Wertingen sogar Punkte für die Weltrangliste vergeben wurden. Ein besonderer Anreiz für manche Spieler, im Mai 1996 nach Wertingen zu kommen.

Der spätere Sieger Bertrand Madsen erzählte, wie er in das für ihn natürlich vollkommen unbekannte Wertingen kam. „Ich saß mit meinem Freund Frank Dennhardt in Frankfurt zusammen, am punktspielfreien Wochenende wollten wir ein Pfingstturnier spielen. Doch wo? Wir suchten im Turnierkalender und in Wertingen gab es das höchste Preisgeld. Dann haben wir auf der Landkarte geschaut, wo Wertingen liegt und haben angerufen und uns angemeldet.“ Beim TCW waren sie in diesen Tagen nervös, denn die besten Spieler machten es wie Madsen, sie meldeten sich kurzfristig an. Aber das Zittern hat sich gelohnt, fünf Spieler aus der Weltrangliste meldeten sich für das Turnier vom 24. bis 26. Mai an und verbrachten Pfingsten im schmucken Schwabenstädtchen, das Teilnehmerfeld von 32 Spielern war komplett (erst kurzfristig sagten vier ab, was dem Erfolg nicht schadete). Der Verein hatte in der Anmeldung auch Vorschläge für die Übernachtung, die Spieler organisierten die Übernachtung jeweils selbstständig.

In Wertingen war also alles für ein großes Turnier bereit. Den Turnierausschuss bildeten Rainer Späth, Josef Wagner und Norbert Weiser, die Turnierleitung hatten Norbert Weiser, Max Miller und Achim Dittmann inne. Dass alle mit Turnieren dieser Größenordnung aber keine Erfahrung hatten, zeigte sich am Schiedsrichter. Nachdem vom Verband ein Oberschiedsrichter kam, war allen beim TCW klar, dass dieser auch den Stuhlschiedsrichter macht und die Spiele leitet. Pustekuchen. Dirk Schöll aus Betzigau und Hans Baumgartner aus Ehekirchen wechselten sich ab, aber sie hatten nur die Oberaufsicht, dass alles in geordneten Regeln abläuft, doch den Stuhlschiedsrichter musste der Ausrichter stellen. Doch woher nehmen?

Da war es wieder ein gütiges Schicksal, dass ein Vereinsmitglied gerade einen Schiedsrichter-Lehrgang bestanden hatte. Ulli Bacher, heute immer noch die gute Seele im Verein, war gerade mal zwei Jahre in Wertingen und eher noch ein unbeschriebenes Blatt, jetzt aber die Rettung.

Es war sein erster Einsatz als Schiedsrichter und dann gleich Weltklassespieler beaufsichtigen. „Ich hatte so meine Probleme“, gesteht er noch heute, „das war ja wahnsinnig schnell und Linienrichter hatte ich auch keine.“ Bacher musste einiges ertragen, vor allem bei der Final-Niederlage motzte Rene Nicklisch aus Karlsruhe laufend, doch Bacher blieb cool: „Der jammerte schon die ganzen drei Tage rum.“

So gingen die Spiele und vor allem das ganze Turnier gut über die Bühne, die „Creaton Open“ waren ein großer Erfolg, 600 Zuschauer drängten sich auf der schon damals tollen Anlage mit Extra-Tribünen auf dem Judenberg, 250 waren beim Finale begeistert. Auch das Wetter spielte mit, obwohl manche bange Blicke gen Himmel gingen und am Samstag wegen Regen einige Spiele in die Tennishalle verlegt werden mussten. Am Sonntag herrschte aber in allen Belangen eitel Sonnenschein.

Dies vor allem auch bei dem 24-jährigen Bertrand Madsen. Er hatte mit Wertingen die richtige Wahl getroffen. Der Weltbürger brachte die weite Welt nach Schwaben, geboren in Haiti, für das er auch im Davis-Cup spielte, studierte er später in New York und spielte zwei Monate im Jahr für Mutterstadt in der Punktrunde. Er beeindruckte vor allem mit seinen Kanonenaufschlägen (rund 200 km/h, 14 Asse im Finale) und hatte nur im Viertelfinale gegen seinen Freund Frank Dennhardt aus Dinslaken einige Probleme beim 3:6, 7:6, 6:4. Im Finale hatte er Nicklisch besser im Griff, wurde beim 6:3, 7:5 nur am Ende ein bisschen nachlässig und nahm 2500 Mark Preisgeld mit. Der Verlierer kassierte 1500 Mark und verriet hinterher mit einem Lächeln seinen Traum: „Einmal erfolgreich sein wie Boris Becker“. Das schaffte er dann nicht.

Über Wildcards waren auch einige Tennis-Asse aus der Region 1996 am Start. Am weitesten kam Jan Vacek aus Meitingen, der erst im Halbfinale am späteren Sieger Madsen scheiterte (4:6, 3:6). In der ersten Runde hatte er noch Lokalhero, Tennislehrer Viktor Krupica mit 6:0, 6:2 ausgeschaltet. Robert Vukusic (Höchstädt) schaffte es in die zweite Runde, dann war Endstation gegen Nicklisch (2:6, 2:6). Die Lauinger Vertreter aus dem Landkreis Dillingen schieden in der ersten Runde aus. Fabian Baptist unterlag Madsen 0:6, 2:6, Tommy Riesenegger hatte gegen Axel Puhlmann (Ulm) beim 0:6, 1.6 keine Chance. Was die Veranstalter freute: Sie bekamen von allen großes Lob, es war ein rundum gelungenes Turnier und mancher forderte, „das könnte man doch jedes Jahr machen“. Es blieb aber eine einmalige Angelegenheit.

Rainer Späth freut sich noch heute, „das Turnier hat sich für den Verein wirklich gelohnt, wir konnten rund um die Tennisplätze einige Verbesserungen vornehmen, die bis heute ausstrahlen.“ Eine Wiederholung wird es zum 50-jährigen Jubiläum allerdings wohl nicht geben. Silvester Anton, der seit 2010 an der Spitze des Vereins steht, hat einen ganz bescheidenen Wunsch: „Ich wäre ja schon froh, wenn wir wieder ganz normal Tennis spielen könnten“.

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