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Jobs für Mütter

25.08.2019

Als Mutter erfolglos auf Jobsuche? Sie will das ändern

Sandra Westermann hat das Start-up Superheldin gegründet, eine Plattform für familienfreundliche Jobs.
Bild: Superheldin

Plus Sandra Westermann hat 15 Jahre lang gearbeitet. Dann wurde sie Mutter und fand keinen Job mehr. Nun hat sie eine familienfreundliche Jobbörse gegründet.

15 Jahre lang hat Sandra Westermann fürs Fernsehen gearbeitet. Sie war Controllerin bei einer Produktionsfirma. Hatte also alle Kosten im Überblick. Dann wurde sie schwanger, Mutter einer Tochter und gekündigt. Kein Problem, dachte sie damals noch. Mit der Berufserfahrung wäre es bestimmt einfach, etwas neues zu finden. Falsch gedacht. Die Jobsuche wurde für die junge Mutter zur Herausforderung.

Weil sie Mutter ist, galt Westermann als schwervermittelbar

Bei der Arbeitsagentur teilte ihr die Betreuerin ohne Umschweife mit, dass sie als Mutter „schwervermittelbar“ sei. „Das hat ihr selbst nicht gepasst, weil sie auch Kinder hatte“, erinnerte sich Westermann. Und doch war es ein Etikett, das an der heute 39-Jährigen klebte.

Je schwieriger sich die Jobsuche für die Münchnerin gestaltete, desto mehr keimte in ihre eine Idee: Es müsste doch möglich sein, eine Jobplattform nur für familienfreundliche Jobs zu schaffen, auf der Arbeitgeber gezielt nach Müttern oder Vätern suchen können. „Ich selbst habe während meiner Stellensuche genau das im Internet gesucht: Unternehmen, die flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten anbieten“, sagt Westermann. Gefunden habe sie nichts. Also entschloss sie sich, selbst zu handeln. Und gründete die Job-Börse Superheldin.

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Nur ein Drittel der Mütter von kleinen Kindern arbeitet

Sie versucht damit Müttern zu helfen, die in einer ähnlichen Situation feststecken wie sie. Sobald das erste Kind da ist, tun sie sich auf dem Arbeitsmarkt zusehends schwer. Der Grund: Mutterschaft ist im Gegensatz zu Vaterschaft immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet. Mütter seien weniger belastbar, fielen ständig aus, kämen ungern ins Geschäft. Die Folge: Arbeitenden Frauen mit Kindern werden schnell in die Kategorie „Teilzeit-Mami“ gesteckt. Aufstiegschancen ziehen an ihnen vorbei, genauso wie Gehaltserhöhungen.

Zwar zeigen Statistiken der Hans-Böckler-Stiftung, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der berufstätigen Frauen zugenommen hat, allerdings vor allem unter den 45- bis 64-Jährigen. Bei jungen Frauen lässt sich trotz Elternzeit, Elterngeld Plus und sonstigen Bemühungen kaum eine Verbesserung spüren. Von den Müttern, die ein Kind haben, das höchstens drei Jahr alt ist, arbeitet gerade mal ein knappes Drittel. Bei Vätern sind es 80 Prozent. Immerhin: Ist das jüngste Kinder in der Familie zwischen 15 und 17 Jahren alt, arbeiten gut drei Viertel der Mütter. Bei den Vätern sind es 84 Prozent. Dazu kommt noch etwas anderes: Es haben nicht nur weniger Mütter als Väter einen Job, sie arbeiten auch kürzer und verdienen deutlich weniger. Vor allem im Rentenalter wird das für viele Frauen ein Problem.

Im Mai hat Westermann das Online-Portal Superheldin gestartet

All das ist gut dokumentiert. Und doch tun sich laut Westermann immer noch viele Frauen schwer, einen Job zu finden, der zu ihren Vorstellungen passt. Ihrer Erfahrung nach ist es so, dass sich viele Mütter in der Arbeit unterfordert fühlen. Sie sind unzufrieden mit den Aufgaben, die ihnen zugewiesen werden. Viele würden gerne länger arbeiten, ihnen wird aber die Möglichkeit nicht geboten. Oder sie sind auf Jobsuche, bekommen aber wegen ihrer Kinder nur Absagen.

Im Mai ist ihre Onlineportal Superheldin gestartet. Eigentlich eine klassische Jobbörse. Mit der Ausnahme, dass dort nur familienfreundliche Stellen angeboten werden. „Wenn ich mich über gängige Plattformen beworben habe, hatte ich noch ein anderes Problem. Mich begleitete stets ein ungutes Gefühl und die Frage: Wie spreche ich an, dass ich Mama bin?“, sagt Westermann. „Oder muss ich das überhaupt?“ Wer auf Superheldin inseriert, weiß hingegen was er bekommt: eine Mutter oder einen Vater. Und der Zuspruch, den das Start-up von Unternehmen erfährt, ist enorm. Viele Firmen bieten genau solche familienfreundlichen Jobs an oder haben spezielle Qualifizierungsprogramme für Mütter. Bisher wurde dieses Angebot nur kaum gefunden.

Die bayerische Wirtschaft will mehr Mütter in Arbeit bringen

Tatsächlich ruhen auf Müttern große Hoffnungen. Im April haben die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und das Wirtschaftsministerium eine Initiative zur Fachkräftesicherung vorgestellt. Darin heißt es: Dem Freistaat droht bis zum Jahr 2025 eine Lücke von 350.000 Fachkräften. Um diese Lücke zu schließen, schielen die Arbeitgeber auch auf Mütter, die gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten. Allerdings: Genaue Zahlen dazu, wie viel Prozent dieser Mütter gerne überhaupt oder mehr arbeiten möchten, gibt es fast nicht. Auch Schätzungen dazu, wie viele Stellen so besetzt werden könnten, gibt es nicht.

Dennoch liegt dort ein großes Potenzial, das schätzt auch der Wirtschaftswissenschaftler Wido Geis-Thöne. Er beschäftigt sich für das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit dem Thema Familienpolitik. Und sagt: „Wir müssten es schaffen, Frauen, die längere Zeit nicht gearbeitet haben, wieder zu qualifizieren.“ Denn Wissen veralte sehr schnell. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft will deshalb zusammen mit den Arbeitsagenturen ein Programm auf den Weg bringen – auch, um die schon beschriebene Fachkräftelücke zu schließen. Aber reicht das?

Ist ein Unternehmen familienfreundlich, kommen Mütter schneller wieder

Bislang sind viele Stellen, die auf Westermanns Portal angeboten werden, in Teilzeit ausgeschrieben. Doch Westermann sagt: Das muss gar nicht unbedingt sein. „Hauptsache ist eigentlich, dass der Arbeitgeber flexibel ist.“ Sie selbst arbeite auch oft noch abends, wenn ihre Tochter schläft. Bei vielen Unternehmen hätte auch schon ein Umdenken stattgefunden – und davon profitieren sie am Ende selbst.

Wie eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg herausfand, kehren Müttern nämlich schneller und lieber zu Arbeitgebern zurück, die sie als familienfreundlich wahrnehmen. Was das genau heißt? Westermann macht ein Beispiel: „Es inseriert ein Unternehmer bei uns, bei dem keine Meetings mehr am Nachmittag stattfinden. Das ist ein wichtiger Schritt für Mütter“, findet die Gründerin. Und sie sagt: „Mütter einzustellen lohnt sich: Sie sind effektiver, hoch motiviert und organisiert.“

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