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Anleihen

13.10.2019

Anleger stürzen sich auf Papiere aus Griechenland

Finanzkrise? War da was? Anleihen aus Griechenland sind derzeit heiß begehrt.
Bild: Samuel B., stock.adobe.com

Viele wollen plötzlich dort Geld investieren, die Anleihen-Zinsen sinken. Doch der Reformbedarf ist noch hoch.

Wie schnell sich die Zeiten ändern können: Noch zum Jahresbeginn lag die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe bei fast 4,3 Prozent. Wer dem Land also Geld lieh, ließ sich das teuer bezahlen. Die Rendite spiegelt das wahrgenommene Risiko wider, von dem Investoren ausgehen, dass es mit der Anlage verbunden ist. Doch vergangene Woche konnte die griechische staatliche Schuldenagentur PDMA Zehnjahrespapiere im Volumen von 1,5 Milliarden Euro mit einer Emissionsrendite von 1,5 Prozent platzieren. Das war der niedrigste Zins seit der Einführung des Euro in Griechenland.

Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise im Februar 2012 erreichte die Rendite des zehnjährigen Bonds fast 40 Prozent. Bei den kürzer laufenden Geldmarktpapieren gehört Griechenland sogar inzwischen zum wachsenden Klub der Schuldner, die Negativzinsen in Rechnung stellen: Am vergangenen Mittwoch refinanzierte die Schuldenagentur Dreimonatspapiere im Volumen von 488 Millionen Euro zu einem Zins von minus 0,02 Prozent. Erstmals zahlen damit Anleger sogar dafür, Griechenland Geld leihen zu dürfen – eine erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Athen noch im Juni 2015 vor dem Staatsbankrott und dem Ausscheiden aus der Eurozone stand.

Die Rendite griechischer Staatsanleihen sinkt

Von den fallenden Renditen der griechischen Staatsanleihen profitiert nicht nur der Athener Finanzminister, der beim Schuldendienst spart. Auch griechische Unternehmen kommen günstiger an Geld. So konnte die Hellenic Telecom jetzt eine Anleihe über 500 Millionen Euro am Markt unterbringen. Das Unternehmen zahlt den Anlegern einen Zins von 0,875 Prozent. Im vergangenen Jahr musste Hellenic Telecom noch 2,4 Prozent zahlen, 2013 sogar fast acht Prozent.

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Für die Wende gibt es zwei Gründe. Erstens gehören die griechischen Staatsanleihen zu den wenigen Bonds in der Eurozone, die überhaupt noch positive Renditen abwerfen. Deshalb ist die Nachfrage groß. Dass die Renditen der griechischen Bonds in den vergangenen Monaten stark gesunken sind, signalisiert aber auch wachsendes Vertrauen der Anleger in das Land. Athen hat zwar die mit Abstand höchste Schuldenquote aller Euro-Staaten, aber die Schuldentragfähigkeit gilt auf Sicht der kommenden zwei Jahrzehnte als gesichert.

Neuer Premierminister setzt auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs

Überdies ist das Land dank eines Liquiditätspuffers von rund 34 Milliarden Euro bis Ende 2022 durchfinanziert und hat aktuell keinen Geldbedarf. Die im Juli gewählte konservative Regierung geht überdies mit einem wirtschaftsfreundlichen Programm an den Start. Der neue Premierminister Kyriakos Mitsotakis will das Land mit Steuersenkungen, Privatisierungen und Strukturreformen auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen.

Bis Griechenland die Krise wirklich hinter sich lässt, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Das zeigt die jüngste Rangliste des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit. In diesem Jahr rutschte Griechenland unter 140 bewerteten Ländern von Platz 57 auf Platz 59 ab. Absolut hat sich das Land zwar gegenüber 2018 leicht verbessert, aber andere Länder machten größere Fortschritte. Zu den Schwächen Griechenlands gehören das Bankensystem, das unter einem Riesenberg fauler Kredite ächzt, der unflexible Arbeitsmarkt und die schwache Innovationskraft.

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