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Autobranche

03.02.2019

Auto-Krise: Wie steht es um die Zulieferbetriebe in der Region?

Von den Absatzproblemen in der Autoindustrie sind auch die heimischen Zulieferbetriebe betroffen.
Bild: Armin Weigel, dpa (Symbolbild)

Plus 59.000 Menschen arbeiten in der Region in der Autoindustrie. Aber die Autobauer schwächeln. Was das für die Zulieferbetriebe bedeutet.

Über kaum eine Branche wird gerade so heftig diskutiert wie über die Autoindustrie. Zum einen ist da die Diesel-Schummelei. Eng damit verknüpft sind die Luft-Probleme vieler Großstädte. Es drohen Fahrverbote, oder sie sind schon verhängt. Das wirft die Frage nach der Mobilität der Zukunft auf. Braucht jeder ein eigenes Auto? Ist der Elektromotor besser als der Verbrenner?

Ein weiterer Punkt: Der neue Abgastest WLTP hat vielen Autobauern Probleme bereitet. Sie kommen mit den Zulassungen nicht hinterher, verlangsamen die Produktion. Und wegen der Verunsicherung vieler Verbraucher sinkt der Autoabsatz insgesamt. Eine schwere Gemengelage, die nicht nur die großen Hersteller trifft, sondern auch viele Zulieferer.

Swoboda zählt zu den wachstumsstärksten Betrieben Bayerns

Alleine in Schwaben arbeiten etwa 59.000 Menschen in diesem Bereich – das heißt, rund acht Prozent aller Beschäftigten sind in der Autobranche tätig. Der gesamte Zweig erwirtschaftet in Bayern etwa 8,3 Prozent der Wertschöpfung. Einer dieser Zulieferer ist die Firma Swoboda. Sie sitzt in Wiggensbach, im Landkreis Oberallgäu. Nur wenige Kilometer von Kempten entfernt.

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Seit mehr als 70 Jahren arbeitet das Familienunternehmen mit der Autoindustrie zusammen. Die 4000 Mitarbeiter fertigen an zwölf Standorten in sechs Ländern etwa Sensoren, die kontrollieren, ob der Gangwechsel im Automatikauto richtig funktioniert. Bisher liefen die Geschäfte ausgezeichnet.

In der Vergangenheit ist die Firma im Schnitt jedes Jahr um zehn Prozent gewachsen. Sie erwirtschaftet einen Umsatz von fast einer halben Milliarde Euro und zählt zu den 50 wachstumsstäksten Unternehmen im Freistaat. Aber es wird schwerer, erzählt Christian Göser. Er gehört zum Vorstand der Firma und ist zuständig für den Vertrieb.

Er sagt: „Die Situation ist angespannt. Seit einigen Monaten werden weniger Autos gebaut. Das spüren auch wir.“ Zwar sind die Auftragsbücher gut gefüllt, aber sie waren schon mal praller. Die Firma hat deshalb in ihre Entwicklungsabteilung investiert. Sie stellt sich breiter auf, produziert in einem Joint Venture Antriebe für E-Bikes und ist in der Medizintechnik tätig.

Schon jetzt gehen die Aufträge bei den Zulieferern zurück. Und bald?

Aber Göser warnt: Man sollte die Autoindustrie nicht schlecht reden. „Sie ist in Deutschland der Innovationstreiber. 80 Prozent der Patentanmeldungen kommen aus der Branche“, sagt er. Genauso sieht es Matthias Köppel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben. „Die Autoindustrie ist eine Leitindustrie“, sagt er. „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht den Ast, auf dem wir sitzen, absägen. Denn diesen Ast wieder aufzubauen, wird sehr schwer.“

Aber im Holz sind schon Risse zu erkennen: Bei der Konjunkturumfrage der IHK, schätzten die Auto-Unternehmen ihre Lage schlechter ein als die restlichen Unternehmen. Eine Erhebung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) zeigt: Die Produktion der Autoindustrie ist zwischen Juli und November 2018 um 8,4 Prozent gesunken, die Exporte um 16,2 Prozent. VBW-Chef Bertram Brossardt fordert: „Es ist an der Zeit, damit aufzuhören, die Autoindustrie kaputt zu reden.“

Auch Göser weiß nicht, was in diesem Jahr auf Swoboda zukommt. Denn wie sich der Berxit gestaltet, oder ob Donald Trump Zölle auf deutsche Autos verhängt, ist unklar. Und dann ist da ja noch die Frage nach der Mobilität der Zukunft. Zumindest darauf hat der Allgäuer eine klare Antwort: „Ich glaube es wird eine bedarfsgerechte Mobilität geben“, sagt er.

Und meint: In der Stadt sind E-Autos praktisch, für weite Strecken setzen die Menschen auf Leihfahrzeuge, die vermutlich erst mal weiter mit Verbrennermotoren fahren. Wird das zum Problem für den Zulieferern? „Nein. Unsere Technik funktioniert in allen Autos.“ Und deshalb sagt er auch: „Wir blicken optimistisch in die Zukunft.“

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