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Coronavirus

28.01.2020

Bayerische Unternehmen wappnen sich gegen das Coronavirus

Die regionalen in China tätigen Unternehmen wappnen sich gegen die Ausbreitung des Coronavirus.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Die Infektion mehrerer Deutscher mit dem Coronavirus verunsichert auch die Wirtschaft. Viele Firmen aus der Region sind in China tätig. Wie sie reagieren.

Wegen des Coronavirus treten bayerische Unternehmen bei Dienstreisen nach China auf die Bremse. BMW, Audi, und Siemens erklärten am Dienstag auf Nachfragen, dass nur noch zwingend notwendige Dienstreisen nach China angetreten werden.

Der Automobilzulieferer Webasto, bei dem ein Mitarbeiter in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert ist, stoppte Dienstreisen nach China und innerhalb Chinas komplett. Das Unternehmen hatte am Dienstag bestätigt, dass die am Coronavirus erkrankte Person aus dem Landkreis Starnberg ein Mitarbeiter der Unternehmenszentrale in Stockdorf ist. Bereits am Montag hatte Webasto bekannt gegeben, dass ein Mitarbeiter aus China vergangene Woche in Stockdorf war und nach seiner Rückkehr nach China positiv auf den Coronavirus getestet worden war. Inzwischen ist klar: Es gibt noch weitere Fälle im Umfeld des Mannes in Deutschland.

Webasto-Mitarbeiter können nach Coronavirus-Fall im Homeoffice arbeiten

In einer Mitteilung des Unternehmen, das auch einen Standort in der Region, in Utting am Ammersee hat, erklärt Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender der Webasto Gruppe: „Die Gesundheit und der Schutz der Mitarbeiter stehen für uns an erster Stelle. Den beiden Kollegen geht es den Umständen entsprechend gut. Sie sind beide stationär in ärztlicher Behandlung. Wir sind mit ihnen in Kontakt.“ Ferner sei man in engem Austausch mit den relevanten Behörden und informiere die Mitarbeiter regelmäßig über die nächsten Schritte. „Uns ist es wichtig, alle Mitarbeiter transparent und umfassend zu informieren“, so Engelmann weiter. Den Mitarbeitern am Standort Stockdorf habe das Management freigestellt, diese Woche im Homeoffice zu arbeiten. Man stehe ferner in engem Austausch sowohl mit den chinesischen als auch den hiesigen Behörden.

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Wie eine Unternehmenssprecherin von Webasto auf Anfrage mitteilte, sei nicht bekannt, ob Mitarbeiter vom Standort Utting Kontakt mit den beiden Erkrankten - dem Deutschen und der Chinesin - am Standort Stockdorf hatten.

Bei der IHK Schwaben rät man in Sachen Corona-Virus dazu, nicht „in Panik zu verfallen“. Das sagte Wei Li vom China Competence Center der Industrie- und Handelskammer. „Wir müssen abwarten und die Situation beobachten.“ Über 500 Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben – vom Autozulieferer bis zum Finanzberater – sind China tätig. Man habe ein paar Anfragen, die Unternehmen versuchten so wenig wie möglich nach China zu fliegen. Die IHK rechne mit „einer gewissen Auswirkung“ des Virus. Aber: Für eine abschließende Einschätzung sei es „zu früh, wir warten noch ab“, sagt Li. Durch das chinesische Neujahr und die damit verbundenen Feiertage ist der Geschäftsverkehr in China ohnehin eingeschränkt. In China ist Urlaubszeit.

Beim Roboterbauer Kuka sind bisher keine Coronavirus-Fälle bekannt

Der Roboterbauer Kuka, der in China rund 1400 Mitarbeiter hat, wappnet sich ebenfalls. Soweit bekannt ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers niemand infiziert. Das Unternehmen teilte auf Anfrage weiter mit: „Auch wenn das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland zurzeit als gering eingeschätzt wird, nehmen wir die gegenwärtige Situation rund um das Coronavirus sehr ernst.“ Kuka verfolge die Lage intensiv, halte die Mitarbeiter auf dem Laufenden und orientiere sich hierbei an den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes. Sprich: Nicht notwendige Reisen nach China würden verschoben. Mitarbeiter könnten zudem „jederzeit von bereits gebuchten oder geplanten Reisen nach China zurücktreten“. Die Kuka-Gruppe habe zudem ein Reiseverbot nach Wuhan und die Region Provinz Hubei ausgesprochen. Von den im Ausland tätigen Mitarbeitern des Unternehmens befinde sich dort derzeit allerdings niemand. Wer aus China heimfliegen wolle, könne das „auch kurzfristig“ tun.

Die Kuka-Produktion werde durch das Virus nicht eingeschränkt, heißt es weiter, wirtschaftlicher Schaden sei nicht entstanden.

Klebstoffproduzent Delo streicht Dienstreisen wegen Coronavirus

Ein weiteres Beispiel aus der Region: Der Klebstoffproduzent Delo aus Windach (Landkreis Landsberg) hat „bis auf weiteres Dienstreisen nach China aufgehoben“. Diesen Beschluss der Geschäftsführung teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit. Das Unternehmen hat in China Standorte in Shanghai und Shenzhen. Rund 30 Mitarbeiter seien dort tätig, die meisten davon seien Einheimische. Drei dauerhaft dort entsandte deutsche Kollegen seien vor Ort und blieben dort auch. Anfang Februar wolle die Geschäftsführung die Lage neu bewerten.

Der Maschinenbauer Grob aus Mindelheim (Landkreis Unterallgäu) unterhält drei Standorte in China und versucht derzeit, die rund 70 deutschen Mitarbeiter zurückzuholen. „Wir haben schließlich eine Fürsorgepflicht“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung, German Wankmiller. Weil so viele ausreisen wollten, sei es derzeit allerdings schwer, Flüge zu bekommen. Für die weiteren rund 800 chinesischen Beschäftigten an den drei chinesischen Standorten hat das hiesige Betriebsarzt-Team in Mindelheim Leitlinien für den Umgang mit Kollegen und Kunden erstellt, um einer Ansteckung vorzubeugen. Besuche chinesischer Mitarbeiter und Kunden in Mindelheim wurden vorsorglich abgesagt. Wankmiller rechnet – nach den Erfahrungen mit dem Sars-Virus vor sieben Jahren – damit, dass das Virus auch das Geschäft beeinflussen wird. „Wir lassen da jetzt ja die Arbeit stehen und liegen“, sagt er. „Aber die Kunden brauchen die Maschinen.“

Wie schaut es im restlichen Bayern aus? Beim Autozulieferer Schaeffler gilt bereits seit vergangener Woche ein Reiseverbot nach und aus China. Vom Autozulieferer Brose hieß es am Dienstag aus Coburg, man nehme „von Dienstreisen nach China Abstand“, Einzelfälle würden geprüft.

Eine Siemenssprecherin sagte: „Wir empfehlen den Mitarbeitern, dringend zu überlegen, ob sie wirklich aktuell nach China reisen müssen, auf Telefonkonferenzen oder virtuelle Meetings zurückzugreifen oder die Reise zu verschieben“. Der Konzern hat in der betroffenen chinesischen Stadt Wuhan einen Standort mit rund 900 Mitarbeitern. Derzeit seien dort keine Erkrankungen bei Mitarbeitern bekannt. Auch bei Brose sind keine Erkrankungen in China bekannt, der Konzern hat in Wuhan ein Joint Venture mit rund 300 Mitarbeitern.

Coronavirus: Handelskonzern Metro richtet Körpertemperatur-Kontrollpunkte ein

Der Handelskonzern Metro indes hat in seinen vier Großmärkten in der abgeriegelten chinesischen Metropole Wuhan Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ergriffen. In allen vier Märkten seien Körpertemperatur-Kontrollpunkte eingerichtet worden, berichtete der Handelsriese am Dienstag. Für die Mitarbeiter seien Schutzartikel bereitgestellt worden. Außerdem sei die Häufigkeit der Reinigung und Desinfektion in allen Bereichen der Märkte erhöht worden. Bisher habe es unter den Mitarbeitern noch keine Infektionen gegeben, sagte eine Metro-Sprecherin. In einem Reisehinweis empfahl das Unternehmen  allen Mitarbeitern, die sich momentan in Asien aufhalten, an öffentlichen Orten einen Mundschutz zu tragen, keine Märkte oder Bauernhöfe zu besuchen, den direkten Kontakt mit Tieren und ihrer Umgebung zu vermeiden und sicherzustellen, dass Lebensmittel gründlich gekocht werden. (mit dpa)

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