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Beim Naturschutz reicht Freiwilligkeit nicht, Regeln müssen her

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Kommentar Von Lea Thies
30.01.2019

Durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wird endlich im großen Stil über Naturschutz gesprochen. Warum das höchste Zeit und eine Chance auf Veränderung ist.

Wer mit wachen Augen unterwegs ist, der bemerkt die beängstigenden Veränderungen in der Natur sofort. Durch die Gärten fliegen weniger Vögel, auf den Windschutzscheiben kleben im Sommer deutlich weniger Insekten als früher. Dafür: verdichtete Orte, mehr Maisfelder und weniger Blumenwiesen, aufgeräumte Feldränder und Grundstücke, immer größere Maschinen für immer größere Felder und durch den Normalo-Garten fährt nun ein Mähroboter, der jedes Blümchen kappt, ehe es Nahrung für Insekten liefern kann.

Die Zahlen zum Artensterben sind erschreckend

Dennoch waren und sind die Zahlen, die der Entomologische Verein Krefeld im Oktober 2017 veröffentliche, erschreckend: 76 Prozent weniger Fluginsekten als 1989 sind unterwegs. Es gibt nur noch halb so viele Schmetterlinge wie 1990. Von den 506 heimischen Wildbienenarten sind bereits 40 ausgestorben, jede zweite Art ist bedroht, stark gefährdet oder gefährdet. Diese Woche kam zudem heraus: Auf den Feldern gibt es nur noch halb so viele Vögel wie 1980. Nicht nur deren Nahrungskette ist durch das Insektensterben gestört, auch unsere ist auf krabbelnde Bestäuber angewiesen.

Das Volksbegehren Artenschutz ist ein wichtiges Signal

Es besteht also dringend Handlungsbedarf – und zwar im großen Stil. Weil die Bayerische Staatsregierung das als Gesetzgeber bisher allerdings anders sah und stark auf die Arbeit freiwilliger Umweltschutz-Initiativen setzte, ist es wichtig und richtig, dass nun das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ angestrengt wird, das eine Ergänzung des Bayerischen Naturschutzgesetzes im Sinne der Artenvielfalt als Ziel hat.

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Durch das politische Instrument „Volksbegehren“ können Bürger nicht nur dem Parlament eine andere Richtung aufzeigen. Dadurch werden etablierte politische Strukturen durchgerüttelt. Es ist ein Signal von unten. Und als positiven Nebeneffekt regt es zudem einen Diskurs an und schafft ein breiteres Bewusstsein für eine Thematik.

In Sachen „Rettet die Bienen“ diskutieren und streiten Politiker, Landwirte, Verbraucher, Interessenverbände gerade in neuem Ausmaß über das Problem. Interessanterweise argumentieren beide Lager mit den „kleinen Höfen“, die mal als benachteiligt gelten und mal als Profiteure. Klar ist: Die Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft ist der Hauptfeind der Artenvielfalt. Logischerweise setzt das Volksbegehren auch dort an. Aber das kann nur der Anfang sein. Natürlich muss sich die Staatsregierung einen weitreichenderen Masterplan überlegen. Einen, in dem Bauern, die sich für Naturschutz und Nachhaltigkeit engagieren, belohnt werden. Einen, in dem auch Kommunen mehr für die Artenvielfalt und gegen den Flächenfraß tun müssen. Und warum nicht auch in Privatgärten den Chemieeinsatz stärker reglementieren? Wo Freiwilligkeit nicht genug fruchtet, da müssen Regeln her, an die sich jeder halten muss – zum Wohl aller.

Die Teilnahme allein reicht nicht: Alle müssen etwas tun

Das Volksbegehren ist eine Chance auf Veränderung. Bis 13. Februar können sich die Bürger noch eintragen. Eines aber hat die Initiative schon bewirkt: Ministerpräsident Markus Söder spricht bereits von einem „größeren Wurf“ in Sachen Naturschutz.

Es ist aber auch klar: Die Teilnahme am Volksbegehren allein reicht nicht, um etwas zu bewegen. Wir alle müssen aktiv dazu beitragen, dass es der Natur wieder besser geht. In unseren Gärten wie auch an der Supermarktkasse. Wir müssen zum Beispiel unser Konsumverhalten ändern: weniger billig, dafür mehr bio und regional. Das ist ein Signal von unten für mehr Nachhaltigkeit, Naturverträglichkeit und gegen Massenproduktion. Solche Nachfrage schafft neue Angebote – und so auch Artenvielfalt in der Landwirtschaft.

Lesen Sie dazu auch: Leere Supermärkte, keine Rosen mehr: Was passiert, wenn die Bienen sterben (Plus+)

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Die Diskussion ist geschlossen.

02.02.2019

Wenn in Bayern ein massenhaftes Artensterben stattgefunden hat dann ist es auch richtig, nachzudenken warum das passiert ist und wie man es stoppen oder rückgängig machen kann. Wobei man ausgestorbenen Arten nicht mehr zurückholen kann. Sehr traurig. In jedem Fall hat die Politik versagt denn es ist die Aufgabe der Politik eine verantwortungsvolle Politik zu machen und die Natur zu erhalten. Es müssen Wege gefunden werden sowohl die Landwirtschaft als auch die Natur zu erhalten. Das ist euer Job CSU und andere. Den habt ihr aber nicht gut gemacht. Deshalb PRO Unterschreiben. Hab schon unterschrieben.

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31.01.2019

Man merkt beim Lesen des Kommentars ganz schnell - es geht um viel mehr als Bienen.

Und genau darum ist dieses Volksbegehren nicht fair. Es instrumentalisiert die Bienen für umfangreiche Änderungen, welche die Grünen auf politischem Weg nicht erreichen können.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/rettet-die-bienen-pro-und-contra-zum-volksbegehren,RGf24G8

>> Das Volksbegehren fordert 30 Prozent ökologischen Landbau in Bayern bis 2030. Aktuell bewirtschaften etwa zehn Prozent der Landwirte ihre Flächen ökologisch.

Tatsache ist: Gerade der bayerische Bio-Milchmarkt ist aktuell nicht weiter aufnahmefähig. Fast alle Molkereien weisen interessierte Biomilch-Produzenten ab, da ihr Bedarf bereits gedeckt ist. <<

Darum keine Unterschrift unter dieses Volksbegehren - verlangen wir mehr Ehrlichkeit und auch, dass der Staat Bürgern auch genug Geld für mehr Bioprodukte, mehr Kohleausstieg, mehr Elektroauto und höhere Wohnkosten durch Flächenverknappung gibt.

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01.02.2019

"verlangen wir mehr Ehrlichkeit und auch, dass der Staat Bürgern auch genug Geld für mehr Bioprodukte, mehr Kohleausstieg, mehr Elektroauto und höhere Wohnkosten durch Flächenverknappung gibt"

Diese Zeilen könnten aus dem Parteiprogramm der chinesischen KP stammen und nur mit purer Verzweiflung über die Resonanz, auf die grüne Politikansätze in Bayern stoßen, zu erklären.

Darum möglichst viele Unterschriften für unser schönes Bayern, mit seinen Bienen, Insekten, Vögeln, Feldhecken, Blumen und Kräutlein - und gegen Glyphosat, Neonicotinoide, Tierquälerei und Brunnenvergiftung mit Gülle.

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31.01.2019

Danke, Frau Thies, für diese wichtigen guten Aussagen!
Raimund Kamm

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