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Brauereien in der Krise: Ein Kulturgut ist bedroht

Kommentar Von Michael Kerler
08.02.2021

Bayerns mittelständische Brauereien leiden in der Corona-Krise unter Umsatzeinbrüchen. Die Politik muss zeigen, was sie von einem Kulturgut hält.

Bayern und sein Bier, das ist eine besondere Beziehung, fast eine Liebesbeziehung. Im Freistaat ist man stolz auf seine Vielfalt an regionalen Brauereien, hinter denen meist Familienbetriebe stecken. Rund 40 Prozent der deutschen Brauereien liegen in Bayern. Kaum eine andere Region auf der Welt, heißt es, weist auf so engem Raum eine ähnliche Dichte alteingesessener Betriebe auf. Doch jetzt bedroht die Corona-Krise dieses Kulturgut.

Als Mischbetriebe bekommen regionale Brauereien oft keine Corona-Hilfe

Gasthäuser haben geschlossen. Große Braukonzerne gleichen diesen Absatz-Nachteil durch Mehrverkäufe im Supermarkt aus. Kleinere Brauereien können hier nicht so leicht punkten. Ihr Problem verschärft sich, wenn sie eine Brauereigaststätte betreiben. Als Mischbetriebe profitierten sie zunächst nicht von den staatlichen Hilfen an die Gastronomie. Trotz Nachbesserungen fallen viele mittelständische Brauereien noch immer durch das Förderraster.

Es wäre tragisch, wenn sie vom Markt verschwänden oder sich so hoch verschulden müssten, dass kein Raum für Investitionen bleibt. Bundes- und Landespolitik können beweisen, wie ernst sie es mit dem Schutz eines Kulturguts meinen.

Lesen Sie dazu auch: Brauerei-Chef Priller-Riegele: "Gastronomie müsste im März öffnen"

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09.02.2021

Bei aller Liebe zur Hausmusik:

Irgendwann muss mit dieser Alimentierungspolitik Schluss sein, denn irgendeiner muss die Zeche auch bezahlen.
Mein Mitleid mit den Brauereien hält sich sehr stark in Grenzen, weil sie meistens viele Grundstücke besitzen und sie ihre Angestellten zu 100 Prozent in Kurzarbeit schicken und sich somit der Lohnkosten entledigen können. Zudem können sie immer noch Umsätze in den Supermärkten generieren. Außerdem gehe ich davon aus, dass in den vergangenen Jahrzehnten Rücklagen gebildet wurden.
Ehrlich, das ist für mich jammern auf allerhöchstem Niveau.

Die Angestellten, die in einer Gaststätte arbeiten und zu 100 Prozent in Kurzarbeit geschickt werden, tun mir viel mehr leid, weil Einkommenseinbußen verkraften müssen, aber die laufenden Kosten nicht gekürzt werden dürfen. Zudem darf das Kurzarbeitergeld auch noch versteuert werden. Denkt jemand an diese Menschen, die vor dem finanziellen Ruin stehen?

In diesem Sinne

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09.02.2021

Sie kennen die Fixkosten einer Brauerei, insbesondere von solchen die höchstens 1000 hl / Jahr produzieren? Das dürften in etwa 50% aller Brauereien in Bayern sein.

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10.02.2021

@Wolfgang B.

Sie möchten nicht wirklich diese Büchse der Pandora öffnen. Denn wenn Ihnen die Fixkosten der Brauereien wichtig sind, stelle ich Ihnen folgende Fragen:

1. Hinterfragen Sie die Fixkosten der Gastronomie, die durch den Lockdown besonders leiden und die Staatshilfen sehr zögerlich fließen? Neben der Pacht kommt oftmals hinzu, dass sie durch Knebelverträge eine Mindestmenge an Hektoliter von ihren Brauereien abnehmen müssen, obwohl sie so gut wie nichts verkaufen können.

2. Denken Sie auch an die Fixkosten eines Kellners, der zu 100 Prozent in Kurzarbeit ist?

3. Denken Sie auch an die Fixkosten der Unternehmer und Mitarbeiter in der Unterhaltungsindustrie?

Auch wenn wir in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft haben, aber es bleibt eine Marktwirtschaft.

Es stößt mir bitter auf, wenn Konglomerate wie TUI oder die Lufthansa mit Staatsgelder gerettet werden, sie aber ihre Mitarbeiter trotzdem vor die Tür setzen. Dann hat es in meinen Augen die Firma nicht verdient, vom Staat gerettet zu werden.

Zurück zu den Kleinbrauereien:

Es ist ganz nett, wenn Franken sich rühmen kann, mit 265 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt zu besitzen. Aber wenn es sich für einen Landgasthof sich nicht mehr lohnt, eigenes Bier zu brauen, sollte es sein Geschäft überdenken.

Das nennt man unternehmerisches Risiko.

In diesem Sinne

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