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Krise

20.02.2019

Chinesen übernehmen Tom Tailor

Durchhänger: Tom Tailor steckt in der Krise.
Bild: dpa

Warum sich die Modefirma in Schwierigkeiten verstrickt hat und wie der Großaktionär jetzt die ganze Macht an sich reißen will

Die angeschlagene Modekette Tom Tailor soll komplett chinesisch werden. Der Großaktionär Fosun will das Hamburger Unternehmen kaufen. Die Tom-Tailor-Aktionäre sollen ein Angebot von mindestens 2,26 Euro je Aktie erhalten. Die Offerte liegt damit knapp fünf Prozent über dem Aktienkurs vom Montag.

Kurz vor der Übernahmeofferte hatte Tom Tailor bekannt gegeben, dass Fosun seinen Anteil über die Ausgabe neuer Aktien von knapp 29 Prozent auf gut 35 Prozent erhöht hatte. Dafür mussten die Chinesen knapp 9 Millionen Euro auf den Tisch legen. Sollten alle Aktionäre ihre Anteile im Rahmen der Übernahmeofferte anbieten, müsste Fosun weitere gut 60 Millionen Euro zahlen.

Tom Tailor kämpfte zuletzt mit einer Reihe von Problemen – sowohl mit strukturellen in der Branche, als auch mit individuellen. Zum einen ist das Unternehmen in einem Marktsegment aktiv, das von Überangebot und folglich hartem Konkurrenzdruck geprägt ist. In den vergangenen Jahren sind etliche Modeunternehmen und Filialisten in die Krise oder sogar in die Insolvenz gerutscht, darunter prominente Namen wie Gerry Weber, Esprit, Escada, Strenesse, Zero und Steilmann. Auch H&M geht es nicht so gut, nur Zara behauptet sich neben Billig-Anbietern wie Primark.

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Der Super-Sommer 2018 hat die Geschäfte der Modeketten zusätzlich belastet. Die Verbraucher hatten bei der Hitze einfach wenig Lust auf Shopping. Und als die Herbst- und Winterware kam, blieb sie angesichts der hohen Temperaturen lange in den Läden hängen. Zudem spielt nach Ansicht von Branchenanalysten auch eine gewisse Marktsättigung eine Rolle. Bei vielen potenziellen Kunden sind die Schränke ohnehin schon voll. Und speziell die Modemarken im mittleren Preissegment, wo sich Tom Tailor tummelt, tun sich mitunter schwer, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und sich klar von der Konkurrenz abzugrenzen.

Tom Tailor hatte zudem ganz eigene Probleme, als 2016 der langjährige Vorstandschef Dieter Holzer gehen musste. Er hatte mit einer überzogenen Expansion auf Pump das Unternehmen an den Rand der Verlustzone geführt. Die Nachfolger unter dem heutigen Vorstandschef Heiko Schäfer strichen das Filialnetz kräftig zusammen, modernisierten die IT und verstärkten ihre Online-Aktivitäten, wo Tom Tailor deutlich zurücklag.

Trotz einiger Erfolge der Kernmarke hing Tom Tailor vor allem die Marke Bonita, die man 2012 übernommen hatte, wie ein Mühlstein am Hals. Es handele sich um zwei verschiedene Unternehmen ohne viele Überschneidungen und daher auch ohne große Synergieeffekte, räumte Schäfer ein. Bonita, spezialisiert auf Mode für Frauen ab 50, verschlingt die Sanierungserfolge von Tom Tailor. Das Management hat angekündigt, alle Optionen für Bonita zu prüfen. Das heißt nichts anderes, als dass die Marke zum Verkauf steht.

Fosun, ein Industrie- und Handelskonglomerat mit Sitz in Hongkong, war 2014 bei Tom Tailor eingestiegen. (dpa)

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