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01.10.2019

Deutsche Post will zwei Milliarden Euro in Digitalisierung stecken

Die Deutsche Post investiert in die Zukunft.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa (Symbolbild)

Die Deutsche Post ist auch international gut aufgestellt. Aber wie geht es für das Unternehmen im kommenden Jahrzehnt weiter?

Ob Roboter in Lagerhäusern oder neue Technik zur Datenauswertung: Die Deutsche Post will ihre Investitionen in die Digitalisierung deutlich erhöhen. Bis 2025 sollen rund zwei Milliarden Euro ausgegeben werden, um die "digitale Transformation" zu beschleunigen, wie der Konzern am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Eine Vergleichszahl liegt nicht vor, nach Post-Angaben ist es aber wesentlich mehr als bisher. Durch automatisierte Abläufe soll die Arbeit effizienter und Routen auf öffentlichen Straßen oder in riesigen Depots werden verbessert. Zudem will die Firma verstärkt auf Roboter setzen. "Technologie wird unsere Effizienz verbessern", sagte Konzernchef Frank Appel.

Deutsche Post plant mit deutlich langsameren Wachstum

Als Beispiel nannte er neue Technik, mit der Briefe zukünftig nicht nur nach Hausnummern, sondern auch nach Lage der Briefkästen an Hochhäusern vorsortiert werden - dadurch soll leichter zugestellt werden und die Zahl falsch einsortierter Briefe soll sinken. Zudem könnte die Ladung von Frachtfliegern bei internen Berechnungen besser prognostiziert werden, wodurch Kosten sinken sollen.

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Zweiter Eckpunkt der Langfristplanung ist ein neues Gewinnziel. Bisher peilt die Deutsche Post DHL ein Betriebsergebnis (Ebit) von mindestens fünf Milliarden Euro pro Jahr an - so sieht es die alte, 2014 festgelegte Strategie mit dem Zieljahr 2020 vor. Damals kam der Konzern auf ein Betriebsergebnis von nur drei Milliarden Euro - in sechs Geschäftsjahren sollte das Ebit also um zwei Milliarden Euro wachsen. Als neues Ziel werden 5,3 Milliarden Euro angepeilt, und zwar im Geschäftsjahr 2022. Die Post plant also mit einem wesentlich langsameren Wachstum. 

Post-Aktienkurs sinkt nach Mitteilung der neuen Strategie an der Börse

Finanzvorstand Melanie Kreis sprach von einer "eher vorsichtigen Annahme" mit Blick auf die globale Konjunkturentwicklung - trübt die sich noch mehr ein und schwelen Handelskonflikte weiter, würde das auch den Bonner Konzern treffen. "Wir sind nicht komplett immun zu dem, was um uns herum passiert", sagte Kreis. Die Zeiten des kräftigen Wirtschaftswachstums seien zwar vermutlich vorbei. "Aber wir sind noch immer überzeugt, dass es ein sehr gesundes Wachstum gibt in unseren Kerngeschäften", fügte sie hinzu.

An der Börse sorgte die Strategie für keine große Begeisterung, der Post-Aktienkurs sank etwas. Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research bewertete die Maßnahmen und Ziele des Logistikkonzerns eher als "Evolution" denn als "Revolution". Die US-Investmentbank Goldman Sachs bewertete die Post-Zukunft positiv - die Bank geht von einem operativen Ergebnis von 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 aus und damit deutlich mehr als der Bonner Konzern als Mindestziel anpeilt. 

Post-Chef Frank Appel trat bei der Präsentation mit breiter Brust auf. "Dieses Unternehmen hatte noch nie so eine gute Position wie heute", sagte er. Man habe ein "sehr ausgewogenes Portfolio". Neben dem Brief- und Paketgeschäft in Deutschland bietet der frühere Staatsmonopolist unter anderem Frachtgut-Transporte und Express-Zustellungen, bei letzten handelt es sich vor allem um zeitkritische Dokumenten für Firmen. Von seinen weltweit rund 550.000 Mitarbeitern des Konzerns sind 222.000 in Deutschland tätig.

Die Deutsche Post hat starke Konkurrenz

Die Logistikbranche ist im Umbruch: Das Briefgeschäft schrumpft, weil im Internetzeitalter immer weniger Menschen zum Stift greifen und Briefmarken brauchen. Die Paketbranche hingegen boomt wegen des Online-Handels, viele Menschen kaufen im Internet ein statt in der Innenstadt. Das ist ein Wachstumstreiber für die Paketzusteller. 

Der Konkurrenzkampf ist aber hart: Wettbewerber wie Hermes und DPD mischen kräftig mit, im Expressgeschäft sind Fedex und UPS harte Konkurrenten. Kopfschmerzen bereitet den Firmen der Arbeitsmarkt - die Branche sucht händeringend nach Fahrern. Zudem nimmt der Großkunde Amazon inzwischen die Zustellung auch in die eigene Hand, teilweise mit eigenen Fahrern. Post-Chef Appel gibt sich beim Thema Amazon gelassen - er rechne damit, dass der US-Riese auch 2025 noch ein großer Kunde seines Konzerns sein werde, sagte er.

Und was ist mit Streetscooter, dem Elektro-Transporter aus eigener Herstellung? Das 2014 gekaufte Start-up aus Aachen wird in der Strategie nicht erwähnt. Seit längerem ist bekannt, dass die Post ihre Tochterfirma verkaufen oder mit einem Partner weiterbetreiben will. "Wir wollen uns auf unsere Kern-Logistikaktivitäten konzentrieren", sagte Finanzvorstand Kreis. Man wolle nicht zu einem großen Hersteller von leichten Nutzfahrzeugen werden. "Deswegen suchen wir nach dem richtigen Setup, um die Streetscooter-Geschichte erfolgreich weiterzuschreiben." (Von Wolf von Dewitz, dpa, und Nadine Klees, dpa-AFX)

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