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Corona-Krise

15.07.2020

Deutsche fahren immer ältere Autos: Potential für neuen Schwung?

Bild: Bernd Wüstneck, dpa (Symbol)

Das Durchschnittsalter deutscher Autos liegt bei fast zehn Jahren. Experte Ferdinand Dudenhöffer sagt, warum hier ein neues Konjunkturprogramm ansetzen sollte.

Methusalem, dieser wirklich steinalte Urvater, soll es laut Bibel auf beachtliche 969 Jahre gebracht haben. Vielleicht, die Quellen unterscheiden sich hier, schaffte er auch nur 720. Man kann jedenfalls sagen, dass M. ein ziemlich sehr betagter Herr gewesen sein muss. Und gemessen an seinen ans Jahrtausend reichenden Jahrhunderten sind die ältesten noch fahrenden Oldtimer mit ihren über 125 Jahren nachgerade juvenile Karren.

Was soll dieser vorsintflutlich-automobile Exkurs? Er führt nach dem milliardenschweren Wumms-Paket der Bundesregierung direkt in die auch schon wieder ewig dauernde Debatte um die Förderung der deutschen Autoindustrie in Zeiten von Corona. Hier hat sich nun Deutschlands bekanntester Experte, Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research (Car), zu Wort gemeldet. Die jüngst von ihm veröffentlichte Studie läuft unter dem Titel „Methusalem-Effekt für Konjunktur nutzen“.

Dudenhöffer: Förderung von Elektroautos ignoriert 90 Prozent des Automarktes

Was damit gemeint ist: Die Autos der Deutschen sind vergleichsweise alt, entsprechend groß wäre das Erneuerungspotenzial, entsprechend groß wären die Wachstumschancen für die Autobauer. Mit der fast ausschließlichen Förderung von Elektroautos durch die Bundesregierung seien allerdings „mehr als 90 Prozent“ des Automarktes „ignoriert“ worden, erklärt Dudenhöffer.

 

In Zahlen: Das Durchschnittsalter der Autos auf Deutschlands Straßen liegt laut Dudenhöffer mit 9,6 Jahren „auf Rekordhoch“. Seit der Wiedervereinigung seien die Autos hierzulande nicht so betagt gewesen wie derzeit. Wie „angegraut“ die Autos seien, zeige auch ein Blick über die Grenzen. So betrage etwa das Durchschnittsalter des Luxemburger Auto-Bestands 6,4 Jahre, in England 8, in Österreich 8,2, in Italien 8,4 Jahre. Selbst in Frankreich seien die Autos nicht so alt wie in Deutschland. Nur in osteuropäischen Ländern, wie etwa in Litauen, gebe es „noch ältere“ Exemplare.

Dudenhöffer will mehr Nachfrage für deutsche Autowerke generieren

Der olle Methusalem ist zwar nicht so für Automobil-Expertise bekannt, würde sich angesichts dieser „Alterszahlen“ allerdings wohl seinen schlohweißen Bart zupfen und milde-erstaunt vor sich hinmurmeln. Dudenhöffer allerdings schreibt: „Die Autonation Deutschland ist zur Oldtimer-Nation geworden. Genau dieser überalterte Fahrzeugbestand wäre ein perfekter Ausgangspunkt, um mit staatlichen Prämien Kaufimpulse auszulösen. Statt 3 Prozent Mehrwertsteuer-Rabatt auf alles, wäre ein Ansatz mit 0 Prozent Mehrwertsteuer auf alles, was mehr als 10.000 Euro oder 15.000 Euro kostet für sechs Monate mit weniger staatlichen Budgets verbunden gewesen und hätte nicht nur im Automarkt einen großen Impuls ausgelöst.“ Derzeit würden Händlerbetriebe mit staatlichen Liquiditätshilfen am Leben erhalten, anstatt „Nachfrage für Autos aus deutschen Autowerken zu generieren“. Dudenhöffer findet, das ist eine „sehr suboptimale Lösung“.

Er liefert weitere Zahlen: 9,7 Prozent der 47,7 Millionen Wagen in der Bundesrepublik sind älter als 20 Jahre. Macht 4,6 Millionen Autos. Selbst wenn man alles, so analysiert Dudenhöffer weiter, was älter ist als 30 Jahre als echten Oldtimer herausrechne, blieben noch 3,7 Millionen Wagen im Alter von 20 bis 30 Jahre übrig. 23,4 Prozent der Autos seien älter als 15 Jahre. Das entspreche 11,2 Millionen Wagen. Dudenhöffer sieht darin eine „große Chance“ mit einem „echten Konjunkturprogramm einen starken Impuls im deutschen Automarkt zu setzen“.

Höhere private Nachfrage könnte gegen Corona-Wirtschaftskrise helfen

Dudenhöffers Fazit: „Liquiditätshilfen sind schön, aber sie bringen die Wirtschaft nicht in Gang, sondern sie schieben das Überlebensproblem nur in die Zukunft. Die Lösung kann nur in der Stimulierung der Nachfrage durch private Autokäufer liegen und den kann man in wirtschaftlich schwierigen und unsicheren Zeiten mit spannenden Incentives animieren. Dass man Verbrenner aus dem Förderrahmen genommen hat, war falsch. Damit ist man weder dem Klimawandel noch der Erholung aus der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wirksam entgegengetreten.“

Ob Dudenhöffer damit recht hat? Methusalem ist nie Auto gefahren.

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