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Luftverkehr

21.03.2013

Die Tage von Augsburg Airways sind wohl gezählt

Eine Maschine der Lufthansa-Tochter Augsburg Airways vom Typ Embraer startet vom Flughafen München.
Bild: Stephan Görlich, imago

Die Tage der Regionalfluggesellschaft Augsburg Airways scheinen gezählt zu sein: Bis Ostern sollen Cockpit- und Kabinenpersonal ihre Kündigungen erhalten. Im Oktober droht das Aus.

Die Tage von Augsburg Airways scheinen gezählt zu sein: Nach Angaben der Vereinigung Cockpit haben der Gesellschafter der Regionalfluggesellschaft und Arbeitnehmervertreter am Montag mit Sozialplanverhandlungen begonnen. "Verhandlungsgrundlage, die uns vom Gesellschafter mitgeteilt wurde, ist die Einstellung des Flugbetriebs und vollständige Schließung des Unternehmens zum 31. Oktober dieses Jahres", sagt der Vorsitzende der Personalvertretung Ralph Schönfelder im Gespräch mit augsburger-allgemeine.de.

Bis Ostern sollen die rund 360 Cockpit- und Kabinenmitarbeiter ihre Kündigungen erhalten. Ähnliche Mitteilungen an die rund 100 Mitarbeiterin Technik und Verwaltung sollen folgen.

Lufthansa beendet Zusammenarbeit mit Augsburg Airways

Überaschend kommt die Nachricht nicht: Augsburg Airways war durch die Umstrukturierung bei der Lufthansa in Existenznöte gekommen. Ende vergangenen Jahres hatte Deutschlands größte Fluggesellschaft angekündigt, dass der Vertrag mit dem Regionalpartner nicht verlängert wird. Die Zusammenarbeit läuft damit nach 17 Jahren mit dem Ende des Sommerflugplans am 26. Oktober 2013 aus.

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Einen Ersatz für die Lufthansa zu finden, ist den Gesellschaftern bislang offenbar nicht gelungen. Über Verhandlungen mit Nachfolgern sei nichts bekannt, so Schönfelder.

Augsburg Airways bestätigte auf Anfrage von augsburger-allgemeine.de zwar, dass zusätzlich zum regulären Betrieb von 1. April an eine Dash 8-400-Maschine der Fluggesellschaft für die Lufthansa Tocher Swiss auf der Strecke von Nürnberg nach Zürich im Einsatz ist. Das Engagement endet aber ebenfalls mit dem Sommerflugplan im Oktober. Wie es danach weitergeht, dazu macht das Unternehmen keine Angaben. Man kommentiere weder laufende Verhandlungen noch innerbetriebliche Vorgänge, teilte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage von augsburger-allgemeine.de mit.

"Es fehlt ein rentables Geschäftsmodell"

Auf Arbeitnehmerseite jedenfalls ist der Glaube an eine Zukunft bei Augsburg Airways nicht mehr allzu groß. "Bislang sehen wir keinerlei Anzeichen dafür, dass es nach dem 26. Oktober weitergeht. Es fehlt schlichtweg ein rentables Geschäftsmodell", sagt Jörg Handwerg, Sprecher bei Cockpit. Ohne Partner und auf eigene Faust gegen die großen Airlines anzufliegen, sei für eine kleine Regionalgesellschaft nahezu unmöglich.

Augsburg Airways wurde 1981 in Augsburg von der Papierfabrik Haindl unter dem Namen Interot Airways gegründet, um firmeninterne Flugverbindungen zwischen Augsburg und Düsseldorf durchzuführen. 1989 nahm die Gesellschaft den Linienflugverkehr auf; Ziele waren unter anderem Düsseldorf, Hamburg und Berlin. Ab 1996 flog Augsburg Airways dann für die Lufthansa Ziele in Europa an - bis Anfang des Jahrtausends vom Flughafen Augsburg aus, ab 2002 dann ab München.

Seit 2008 ist die Aton GmbH, die Beteiligungsgesellschaft der Familie Helmig mit Sitz in Hallbergmoos, alleiniger Gesellschafter von Augsburg Airways. Im Jahr 2011 weist das Unternehmen für die Fluggesellschaft einen Umsatz von 101,8 Millionen Euro aus. Augsburg Airways sei in den vergangenen Jahren höchst profitabel geflogen, sagt Handwerg. "Wir erwarten daher, dass die Konsequenzen für die Mitarbeiter so gut wie möglich abgefedert werden."

Kritik vor allem an der Rolle der Lufthansa

Kritik gibt es vor allem aber an der Rolle der Lufthansa. So hatte Augsburg Airways in den vergangenen Jahren massiv seine Kapazitäten ausgeweitet - nicht zuletzt auf Wunsch der Lufthansa, wie es heißt. Unter anderem wurden neue Flugzeuge angeschafft und das Personal um rund 40 Prozent aufgestockt, so Schönfelder. Entsprechend unverhofft kam dann die Aufkündigung der Zusammenarbeit.

Der Lufthansa machen zunehmend Billigfluglinien zu schaffen. Deutschlands größte Fluggesellschaft hat sich daher ein Sparprogramm mit Stellenabbau auferlegt. Zudem zieht sich die Airline von vielen zuletzt defizitären Kurz- und Mittelstrecken zurück. Diese sollen im Laufe des ersten Halbjahres 2013 nach und nach von der eigenen Billig-Tochter "Germanwings" bedient werden.

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