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Vöhringen

24.01.2019

Eurowings lässt 93-Jährige im Rollstuhl am Gate sitzen

Edmund Poppe mit seiner Mutter Katharina, die sich an einem Rollator festhält.
Bild: Alexander Kaya

Plus Rollstuhlfahrerin Katharina Poppe verpasste ihren Flug, da sie niemand in den Flieger geschoben hatte. Ihre Familie ist empört. Das sagt Eurowings dazu.

Noch heute kommt der Ärger in Edmund Poppe, 68, aus Vöhringen hoch, wenn er an den 11. September vergangenen Jahres denkt: An diesem Dienstag sollte seine Mutter mit der Fluggesellschaft Eurowings von Stuttgart nach Hamburg zu ihrer Tochter fliegen. Doch ihre gebuchte Maschine mit dem reservierten Platz startete ohne sie. Der Grund: Niemand hat Katharina Poppe in den Flieger geschoben. Alleine einsteigen, das schaffe die 93-Jährige nicht mehr, sagt ihr Sohn Edmund Poppe. „Man kann doch eine alte Frau nicht einfach so stehen lassen“, sagt er. „Und mit dem Flieger abhauen.“

Dass Rollstuhlfahrer nicht mitgenommen werden, passiert häufiger als gedacht: In Nordrhein-Westfalen etwa wurde ein 19-Jähriger abgewiesen, aus Angst eines Ryanair-Mitarbeiters, dass der elektrische Rollstuhl explodiere. Und in Kroatien sollte ein zehnjähriger Passagier einer Billigfluglinie im Rollstuhl erst seine Behinderung nachweisen, bevor er an Board dürfe.

Der Betreuungsservice hat Poppe abgeholt

Anders als Edmund Poppe will sich Katharina Poppe nicht dazu äußern – es sei zu lange her. Doch der Mann aus Vöhringen will den Vorfall nicht auf sich sitzen lassen. Eurowings habe sich nämlich nie erklärt. Trotz mehrfacher Beschwerden. „Keine Meldung. Kein Anruf. Nichts.“

An diesem Dienstag im September habe er sie zum Flughafen gefahren. „Dort hat der Betreuungsservice sie abgeholt“, sagt Poppe, und in einen Rollstuhl gesetzt. Denn zu Fuß wäre der Weg für die Rentnerin nicht zu schaffen. Sie wurde zum Gate geschoben. Während er nach Hause fuhr, begann für seine Mutter das Warten. Das Gate öffnete sich, Passagiere gingen an Bord. Katharina Poppe nicht, es kam keine Hilfe. Das Personal schob Rollstuhlfahrer an ihr vorbei in die Maschine. Nur sie nicht. Zwei Mal habe sie nachgehakt: „Was ist mit mir?“ Niemand konnte es ihr sagen. Das Gate schloss. Die Maschine hob ab – ohne die 93-Jährige.

Sie habe dann Umstehende um ein Telefon gebeten. Um ihre Tochter, die sie in Hamburg abholen sollte, zu informieren, dass sie eben nicht wie abgemacht mittags ankommt. „Sie hat ja kein Handy“, sagt Poppe. Vor Ort habe ihr niemand erklärt, was nun passiert. Stattdessen schleusten Mitarbeiter die Rentnerin erneut durch die Sicherheitskontrolle. Und schoben sie zweieinhalb Stunden später dann tatsächlich in eine Maschine nach Hamburg.

Der Sohn will eine Entschuldigung

Von dem Vorfall erfuhr Poppe erst am Abend. Umgehend beschwerte er sich bei Eurowings. Der Mitarbeiter habe ihn aber lediglich vertröstet. Gesagt, dass eine Antwort vier bis sechs Wochen dauere. Poppe wurde das Warten leid. Forderte per Einschreiben eine Erklärung sowie eine Entschädigung.

Was schiefgelaufen ist, kann sich Poppe noch immer nicht erklären: Er habe alles gemacht wie immer – seine Mutter fliegt dreimal im Jahr. Jedes Mal bucht er das Ticket etwa acht Wochen im Voraus, gibt auf der Webseite der Fluggesellschaft akribisch an, dass seine Mutter einen Rollstuhl braucht. „Wir hatten noch nie Probleme“, sagt er.

Jedenfalls nicht bis zu diesem Dienstag im September. Wie seine Mutter damals behandelt wurde, findet er nicht richtig. Deshalb will er eigentlich nur eines: eine Entschuldigung. Doch eine Antwort hätten weder er noch seine Mutter je erhalten, den Rückschein des Einschreibens hingegen schon. Eurowings, so glaubt er, sind Passagiere wie seine Mutter egal.

Eurowings kann den Fall nicht aufklären

Die Fluggesellschaft widerspricht Edmund Poppes Version. „Poppe hat eine Antwort erhalten“, kommentiert eine Sprecherin der Fluggesellschaft, und zwar Ende November. Beschwere sich ein Kunde wie Poppe mehrfach, „wird das Anliegen nur einmal bearbeitet“. Eine Entschädigung für den verpassten Flug sei zudem nicht vorgesehen, der Betreuungsservice sei schließlich kostenlos. Aber man habe sich „in aller Form entschuldigt“. Und: „Wir haben Katharina Poppe kostenlos auf einen Flug umgebucht, der später abflog.“

Wie es überhaupt dazu kam, dass die Rentnerin nicht ins Flugzeug geschoben worden ist, lasse sich rückblickend nicht im Detail aufklären. „Poppe ist abgeholt und zum Gate gebracht worden. In den Unterlagen ist seitens des Betreuungsservices vermerkt worden, dass sie keine weitere Hilfe benötigen würde.“

Die EU-Flugverordnung stärkt Rechte von Fluggästen mit Behinderung. „Wenn also auf der Buchungsbestätigung ein Mobilitätsservice vermerkt ist, haben Passagiere prinzipiell auch einen Anspruch darauf“, sagt eine Sprecherin des Fluggastrechte-Portals Flightright. Jedoch sei darin nicht explizit festgelegt, worauf Passagiere wie Katharina Poppe im Sinne einer Entschädigung Anspruch haben.

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24.01.2019

Sorry, aber wegen sowas kommt man in die Zeitung? Sie wurde ja noch am selben Tag nach Hamburg geflogen und 2 1/2 Stunden später ist jetzt auch nicht die Welt. Ja blöd gelaufen, ABER es gibt viele andere Situationen wo Familien mit kleinen Kindern aus Versagen der Airline nicht mitgenommen werden. Selber erlebt und der Urlaub am Flughafen schon zu Ende war. Verspätungen,... da wird auch nicht geschrieben...

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25.01.2019

ja was bist du den für ein Egoist ? hat ein alter mensch mit 93 Jahren den deiner Meinung nach keinen Anspruch mehr auf ein Lebensrecht mit Achtung ?? aber die Fluggesellschaft mit dem Kranich meide ich schon seit vielen Jahren !!! Überheblich und sehr unhöflich gegenüber Passagieren die was wissen wollen oder nach einer bezahlten Leistung fragen die nicht erbracht worden ist . Halt ein deutscher Staatsbetrieb

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25.01.2019

Was hat das mit Egoist und Lebensrecht zu tun? Ich habe nur geschrieben, dass der Weg in die Presse, was der Sohn der Dame gemacht hat, für mich übertrieben ist. Zumindest wenn wir hier von einer Verzögerung von wenigen Stunden sprechen und die Airline sich offenkundig für den Vorfall entschuldigt hat. Nach europäischen und damit deutschen Recht gibt es nun mal erst nach 3 Stunden eine Entschädigung. Mit meinem Kommentar wollte ich auf die hunderttausende andere Fälle hinweisen, die solche Situationen mit viel schlimmeren Verzögerungen in Kauf nehmen mussten und denen eine Entschädigung auch zustehen würde, jedoch auf Grund Insolvenz und strikte Weigerung der Airline (Small Planet Airlines, Ryanair) keine mediale Aufmerksamkeit bekommen.

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