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Nach Vorwürfen

09.04.2015

Expertin hat Zweifel an massivem Schlafentzug bei Middelhoff

Thomas Middelhoff war im November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und sofort in Untersuchungshaft genommen worden.
Bild: Bernd Thissen (dpa)

Thomas Middelhoff soll in Haft über Wochen alle 15 Minuten geweckt worden sein. Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Gefängnis glaubt das nicht.

Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Gefängnis, Katharina Bennefeld-Kersten, hat erhebliche Zweifel an dem Vorwurf, dass der frühere Topmanager Thomas Middelhoff in Haft über Wochen alle 15 Minuten geweckt wurde.

Es sei die Rede davon gewesen, dass immer wieder die Tür zu Middelhoffs Zelle geöffnet, das Licht angemacht und überprüft worden sei, ob dieser noch lebend im Bett liege, sagte Bennefeld-Kersten am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. "Ich glaube, das wird nicht so gewesen sein."

Eine solche Überwachung brauche zu viel Personal. Ein Bediensteter dürfe eine Zellentür in der Nacht alleine nicht öffnen. Vermutlich sei die Überwachung von Middelhoff wegen Suizidgefahr über die sogenannte Kostklappe erfolgt. Durch die Kostklappe könne einfach gesehen werden, ob es einen Suizidversuch gegeben habe.

Die Anwälte Middelhoffs hatten den Vorwurf erhoben, dass diesem über Wochen Schlaf entzogen wurde. Sie beantragten Haftprüfung, weil Middelhoff ihrer Ansicht nach haftunfähig ist. Die Ärzte gingen demnach von einer seltenen Autoimmunkrankheit aus, die sich unter den Haftbedingungen verschlechterte.

Thomas Middelhoff zu drei Jahren Gefängnis verurteilt

Das Essener Landgericht hatte den einstigen Spitzenmanager Middelhoff im November 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Verhandlungssaal einen Haftbefehl gegen ihn verkündet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Mehrere Beschwerden gegen die Haft blieben wegen Fluchtgefahr erfolglos. Erst vor ein paar Tagen unternahm Middelhoff einen weiteren Versuch, aus dem Gefängnis freizukommen. Beim Landgericht Essen sei ein neuer Antrag der Middelhoff-Verteidiger auf Haftprüfung eingegangen, bestätigte ein Gerichtssprecher.

Der frühere Arcandor-Chef legte gegen das Landgerichtsurteil Revision ein, über die der Bundesgerichtshof noch nicht entschieden hat. Vor wenigen Tagen stellte Middelhoff außerdem Antrag auf Privatinsolvenz. afp

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