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Klima

22.01.2020

Großinvestoren setzen auf grüne Geldanlagen

Nachhaltige Investments sind im Kommen. Aber wird der Kapitalmarkt deshalb grün?
Bild: Richard Drew, dpa

UBS, Blackrock, Deutsche Bank – Geldinstitute und Vermögensverwalter wollen ihr Geld nachhaltiger anlegen. Das könnte erhebliche Auswirkungen haben.

Vielleicht hilft es in den Tagen von Davos, zwischen Trump’schem Offensiv-Optimismus und Thunberg’schem Panik-Postulat auf die nüchtern kalkulierende Finanzbranche zu blicken. Denn eine interessante Nachricht vom Weltwirtschaftsforum (WEF) lieferte die schweizerische Großbank UBS. Sie will ihren Kunden verstärkt grüne Geldanlagen anbieten. „Nachhaltige Investments sind die größte Investmentchance der nächsten zehn Jahre“, erklärte dort Mark Haefele, Investment-Chef der UBS-Vermögensverwaltung. Gesellschaften würden zunehmend bestrafen, wenn Unternehmen sich nicht an Regeln hielten, wie diejenige zur CO2-Reduktion.

Laut UBS fehlt Investoren bisher allerdings oft die Möglichkeit, in nachhaltige Anlagen zu investieren. Das hat zur Folge, dass bisher deutlich zu wenig Kapital in nachhaltige Investments fließt, um die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Um das zu ändern, will die UBS ihren Kunden bessere Daten zu Nachhaltigkeit und Klimarisiko von Investments an die Hand geben und diese auf mehr Anlageklassen ausweiten.

Blackrock, USB und Deutsche Bank: Großinvestoren suchen nach grünen Anlagen

Die UBS ist nicht alleine. Auch andere Branchengrößen wie die Deutsche Bank oder der Vermögensverwalter Blackrock setzen auf Grün. Nachhaltige Geldanlagen sind im Kommen. Sustainable Finance – Nachhaltigkeit im Finanzwesen wird ein immer größeres Thema. Die Schlagworte dazu laufen unter den drei Buchstaben ESG: „Environment, Social, Governance“. Gemeint damit ist, dass Finanz-Akteure klimarelevante und soziale Aspekte bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Und dass sie darauf achten, wie ein Unternehmen geführt wird. Sprich, neben Rentabilität, Liquidität und Sicherheit geht es auch um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte.

Großinvestoren setzen auf grüne Geldanlagen

Auch die EU hat sich Mitte Dezember auf ein Klassifizierungssystem für nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeiten verständigt. Dadurch soll laut EU-Kommission eine gemeinsame Sprache geschaffen werden, „die Investoren überall anwenden können, wenn es um Projekte und wirtschaftliche Aktivitäten geht, die erhebliche positive Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt haben“. Dies soll „private und öffentliche Investitionen für den Übergang zu einer klimaneutralen und umweltfreundlichen Wirtschaft erleichtern“.

Um 41 Milliarden Euro haben grüne Fonds 2018 zugelegt

Die Übereinkunft ist wichtig, denn die Summe nachhaltiger Geldanlagen hat 2018 allein in Deutschland mit 219 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht. Das hat das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ermittelt. Nachhaltige Fonds und Mandate verzeichneten „ihr größtes Wachstum seit Beginn der Erhebung“ und legten um insgesamt 41 Milliarden Euro zu. Sie erreichten laut FNG damit einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Und FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan, bestätigte auf Anfrage, dass der Trend anhält: „Nachhaltige Geldanlagen sind auch 2019 im Wachstum begriffen.“

Die Branchengrößen reagieren: Vergangene Woche sagte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, beim Hauptstadtempfang des Geldinstituts: „Ein substanzieller Teil unseres Kreditportfolios von rund 430 Milliarden Euro wird schon in drei bis fünf Jahren zur Finanzierung nachhaltiger Produkte bereitstehen. Und ich bin fest davon überzeugt: In fünf bis zehn Jahren wird das Nachhaltigkeitsrating für ein Unternehmen genauso wichtig sein wie das herkömmliche Bonitätsrating.“

Blackrock-Chef: Blackrock nimmt Nachhaltigkeit nicht ernst

Larry Fink ist Herr über eines der weltweit größten Anlagevermögen. Der Chef von Blackrock schrieb jüngst an seine Kunden: „Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden. ... Ein Risiko, das die Märkte bislang nur zögerlich zur Kenntnis nehmen. Aber das Bewusstsein ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen.“ Fink führte weiter aus, dass, wenn ein Unternehmen wesentliche Belange der Nachhaltigkeit nicht ernst nehme, „seine Führung nach unserer Überzeugung dafür zur Verantwortung gezogen“ werden sollte. Und: „Wir werden uns von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten. Wir werden neue Anlageprodukte auf den Markt bringen, die Investments in fossile Brennstoffe ausschließen.“

Grüner Finanzpolitiker: Blackrock muss Worte jetzt auch umsetzen

FNG-Geschäftsführerin McClellan schätzt das so ein: „Aus meiner Sicht ist es begrüßenswert, dass Mainstream-Akteure wie Blackrock das Thema nachhaltige Geldanlagen aufgreifen, denn auch sie leisten damit einen Beitrag zur Finanzierung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele. Allerdings muss für den Anleger transparent sein, wie ambitioniert der angewandte Nachhaltigkeitsansatz ist.“

Der Europaabgeordnete Sven Giegold, Obmann der grünen Fraktion im Ausschuss für Wirtschafts- und Finanzpolitik, sagt zum Engagement der großen Institute im Bereich nachhaltiger Geldanlagen: „Besser spät als nie. Die Debatte darüber, dass Klimaschutz Vermögensrisiken birgt, ist nun wirklich nicht neu. Wenn nun einige große Institute sagen, das ist schlagend, ist das gut. Gut ist auch, dass sich die Märkte bewegen, denn der Klimawandel wird ja zu großen Vermögensverlusten führen.“ „Allerdings“, so schränkt der Finanzpolitiker ein, „will ich auch sehen, dass Blackrock etwa wirklich umsetzt, was es ankündigt. “ Schafft also das Kapital, was der Politik bisher nicht gelang? Giegold sagt: „Nein. Das kann das Kapital nicht. Denn es gibt unter Investoren immer noch viele, die am Klimawandel zweifeln. Es ist fraglich, dass die Märkte – Stand jetzt – die finanziellen Risiken richtig einpreisen. Immer noch wird in Ölfirmen, in fossile Energien investiert.“ (mit dpa)

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22.01.2020

Ich glaube, dass das Statement
"Blackrock-Chef: Blackrock nimmt Nachhaltigkeit nicht ernst" eher nicht stimmt. Es sollte besser heißen:
"Blackrock-Chef: Unternehmen nehmen Nachhaltigkeit nicht ernst"

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