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Konjunktur

20.02.2014

Hans-Werner Sinn misstraut dem „Zappelstrom“

IHK Schwaben 40. Konjunkturgespräch mit Prof. Hans-Werner Sinn Ifo-Institut und IHK-Präsident Andreas Kopton sowie Sabine Doering-Manteufel, Unipräsidentin.
Bild: Fred Schöllhorn

Der Chef des Ifo-Instituts nimmt bei der IHK Schwaben die Rolle des Warners ein. Doch er erntet auch Widerspruch.

Hans-Werner Sinn ist bekannt für seine warnenden Worte: Auch beim 40. Augsburger Konjunkturgespräch, das die Industrie- und Handelskammer Schwaben zusammen mit der Universität Augsburg veranstaltete, wurde der Chef des Ifo-Instituts seinem Ruf gerecht. Zwar erwarte Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent und von einer Rezession könne in der Euro-Zone auch nicht mehr gesprochen werden, doch die Risiken sind seiner Einschätzung nach noch gewaltig und drohen am Ende, den Steuerzahler zu belasten.

Sinn: Europas Krisenstaaten sind noch lange nicht über den Berg

Sinn rät seinen Zuhörern, sich auf das zu verlassen, was sie sehen – und untermauerte seine Ausführungen mit zahlreichen Folien, Kurven und Zahlen. Sie zeigen seiner Meinung nach, dass gerade Europas Krisenstaaten Griechenland und Spanien noch lange nicht über dem Berg sind. Ihnen mangele es an Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Befund treffe allerdings auch auf Italien und Frankreich zu. Übertüncht werden die Probleme Sinns Angaben zufolge nach wie vor mit Rettungsaktionen durch Europas Zentralbank. Auf den Rat der EZB ist Sinn gar nicht gut zu sprechen. Ihm hält er „regionale Fiskalpolitik“ vor und fühlt sich vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Dabei hat Sinn eine andere Lösung: „Den Euro können sie nur stabilisieren, wenn einzelne Länder Konkurs gehen können.“

Doch der streitbare Ökonom nahm sich nicht nur den Euro-Raum vor. Deutschland, das innerhalb der Euro-Zone mit seiner Arbeitslosenquote und seinem Export so mustergültig dastehe, laufe Gefahr, seine gute Position zu verspielen. Schließlich hat die große Koalition den Mindestlohn beschlossen. Für Sinn ist das eine „verheerende Entscheidung“. Denn seiner Meinung nach ist das deutsche Jobwunder erst durch den Niedriglohnsektor möglich geworden. Und die wachsende Ungleichheit? „Von einer Vergrößerung der Ungleichheit kann keine Rede sein“, sagt Sinn. Vielmehr sei die Agenda 2010 ein „wundervolles Programm“, „eine Win-Win-Situation“.

Hans-Werner Sinn misstraut dem „Zappelstrom“

Gustav Horn: Wirtschaftswissenschaftler erzählen Märchen

Doch dieser Meinung waren in Augsburg nicht alle: Zu Gast war neben Sinn und Wolfgang Franz, dem ehemaligen Präsidenten des ZEW und früheren Vorsitzenden des Sachverständigenrates, auch Gustav Horn. Der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung befürwortet nicht nur eine Lohnuntergrenze. Er machte auch deutlich, wie Wirtschaftswissenschaftler sich am besten Gehör verschaffen: „Indem sie Märchen erzählen.“ Sie müssten sich zwar an einen wahren Kern halten, aber wer Schurken, Drachen, Sex und Crime einbaue und alles zuspitze, habe mehr Zuhörer. Die Diskussion zwischen Sinn, Horn und Franz über die Chancen der Politikberatung in Deutschland unter der Moderation von Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, verlief entsprechend kontrovers.

Widerspruch erhielt Sinn nicht nur auf dem Podium. Vor der IHK protestierten Atomkraftgegner unter anderem vom Bund Naturschutz. Lautstark machten sie klar, was sie von Sinns Warnungen zum „Zappelstrom“ und seinem Satz hielten, den er gestern wiederholte: „Eine Energiewende ins Nichts.“ Sie forderten die IHK auf, mit ihrem „zerstörerischen Atomkurs“ aufzuhören – zumal einige ihrer Mitglieder wie Solarunternehmer Reinhard Stuhler direkt betroffen sind. Alexander Gundling von der IHK diskutierte mit den Demonstranten und betonte: „Der politische Wille wird von uns unterstützt.“

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