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Warenhauskette

02.02.2015

Kommentar: Karstadt schafft sich selbst ab

Den Karstadt-Mitarbeitern drohen weitere schmerzhafte Einschnitte.
Bild: Martin Gerten, dpa

Um die kriselnde Warenhauskette Karstadt zu retten, dreht die neue Konzernspitze an vielen Schrauben. Sie spart an der falschen Stelle.

Verkäuferinnen und Verkäufer, die Kunden beraten, sind schon jetzt Mangelware bei Karstadt. Leider. Denn die fachkundige und freundliche Information ist Herzstück jedes guten Kaufhauses. Wer sie nicht bekommt, kann auch gleich per Klick im Internet bestellen. Sicher, viele Kunden missbrauchen den Service: Sie lassen sich im Fachhandel beraten und kaufen dann – billiger – online ein.

Doch wenn Karstadt nun noch mehr bei den Mitarbeitern im Verkauf kürzt, spart der Konzern nicht nur an der falschen Stelle, er droht sich totzusparen. Irgendwann braucht nämlich niemand mehr Karstadt. Weil es keinen Grund mehr gibt, dort hinzugehen. Mit ausgesuchter Ware und einem attraktiven Ambiente kann Karstadt bedauerlicherweise längst nicht mehr punkten. Und wenn auch die letzte gute Fachberatung fehlt, was bleibt dann noch?

Natürlich kann Karstadt-Besitzer Benko aus Immobilien in bester Innenstadtlage anderweitig mehr Geld machen als mit Kaufhäusern. Doch viele Innenstädte würden mit Karstadt eine ihrer traditionsreichsten Einkaufsadressen verlieren. Dass nicht einmal ernsthaft versucht wird, die Häuser in regionale Konsumtempel des 21. Jahrhunderts zu verwandeln, ist unverzeihlich und einzig dem Versagen des Karstadt-Managements anzulasten. Außer an der ohnehin überstrapazierten Belegschaft zu sparen, ist dort noch keinem etwas eingefallen. Dieses Trauerspiel erhält nun noch ein weiteres Kapitel.

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