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Konjunktur
17.10.2019

Autoindustrie strauchelt - Bayern spürt den Abschwung

Autobauer wie BMW verzeichnen heftige Einbrüche beim Export.
Foto: dpa

Die Exporte der bayerischen Automobilindustrie brechen ein. Warum Wirtschaftsminister Aiwanger allerdings vor Schwarzmalerei warnt.

Die negativen Vorboten einer drohenden Krise nehmen auch im erfolgsverwöhnten Bayern zu: Die Bundesregierung erwartet nur noch ein Prozent Wachstum kommendes Jahr. Zugleich meldete der Arbeitgeberverband der Bayerischen Wirtschaft vbw, dass allein die bayerische Automobilindustrie einen Exporteinbruch von 8,4 Prozent hinnehmen muss. Auch die Ausfuhren der gesamten bayerischen Wirtschaft nach China – nach den USA der zweitwichtigste Exportmarkt Bayerns – gingen um 3,5 Prozent zurück. Und die Geschäfte mit dem EU-Ausland liegen unter dem Vorjahr. Der bayerische Autozulieferer Brose kündigte zeitgleich den Abbau von 2000 Stellen an. Auch der Zulieferer Scheffler will die Mitarbeiterzahl reduzieren.

Bei den Arbeitsagenturen in der Region gehen teils zu Dutzenden Anmeldungen für Kurzarbeit ein – meist noch präventiv: „Da ohne Anzeige kein konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt wird, können Anzeigen auch vorsorglich gestellt werden“, sagt der Sprecher der Ingolstädter Agentur für Arbeit, Peter Kundinger. „Unternehmen bereiten sich rechtzeitig darauf vor, was im Falle von Auftragsrückgängen zu tun ist“, sagt er. Aus diesem Grunde sei es nicht verwunderlich, dass in den letzten Monaten der Beratungsbedarf nach Kurzarbeit gestiegen sei. Allein in der Region Memmingen haben bei der Agentur für Arbeit derzeit 15 Firmen Kurzarbeit angemeldet. Zwei Unternehmen, die mit ihren Spezialprodukten unter den internationalen Handelskonflikten besonders leiden, machen bereits von der Regelung für mehrere hundert Mitarbeiter Gebrauch.

Der Geschäftsklimaindex ist abgestürzt

Das Münchner Ifo-Institut erhebt jeden Monat auch für Bayern ein Konjunkturbarometer über die Stimmung in den Unternehmen und Branchen. Seit dem Sommer ist der sogenannte Geschäftsklimaindex regelrecht abgestürzt: Lag der Index für Bayern vor einem Jahr noch bei kraftstrotzenden plus 21,8 Punkten, ist er diesen September auf minus 4,8 gefallen. Bei der lange vom Exportboom verwöhnten bayerischen Industrie fiel das Stimmungsbarometer noch steiler ab: Die Erwartungen für die künftige Geschäftslage sind dem Ifo-Index zufolge mit minus 20,6 Punkten sogar schlechter als im Bundesdurchschnitt.

Der Konjunkturforscher Klaus Wohlrabe erstellt die Ifo-Zahlen jeden Monat aus den Meldungen 9000 befragter Unternehmen. „Die bayrische Wirtschaft kann sich dem generellen Abwärtstrend in Deutschland nicht entziehen“, sagt der Experte. „Auch in Bayern ist es vor allem die Industrie, die die Sorgenfalten verursacht“, erklärt Wohlrabe. Hauptauslöser sei die steigende Unsicherheit durch den Brexit, die unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump und der von ihm angezettelte Handelskrieg der USA mit China.

„Ein Lichtblick könnte die Einigung beim Brexit sein, die nun in Aussicht ist“, sagt Wohlrabe. Der Handelskrieg sorge jedoch weiter dafür, dass die Stimmung unter den bayrischen Exporteuren ziemlich schlecht sei. „Mittelfristig ist für die bayrische Wirtschaft wichtig, wie die Automobilhersteller den Strukturwandel zu neuen Antrieben hinbekommen“, fügt Wohlrabe hinzu. Dies sei eine wichtige Grundlage für die bayrische Wirtschaft insgesamt.

Aiwanger: „Ohne Autoindustrie gehen in Bayern die Lichter aus“

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger formuliert dies drastischer: „Ohne Autoindustrie gehen in Bayern und Deutschland die Lichter aus, deshalb müssen wir alles tun, um Arbeitsplätze und Produktion hier zu halten.“ Die Automobilbranche stehe vor einem grundlegenden Transformationsprozess, betont der Freie-Wähler-Chef: „Der klimaschutzbedingte Wandel der Antriebstechnologie, die Digitalisierung in ihren vielen Facetten und die pauschale Verurteilung von Verbrennungsmotoren – Stichwort: Dieselkrise – bringen große Veränderungen für die Automobilwirtschaft mit sich.“

Die Bayerische Staatsregierung helfe, wo sie könne. Etwa mit dem „Pakt zur Zukunft der Fahrzeugindustrie“ aus Herstellern, Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern. Ebenso mit der Förderung von Forschung neuer Produkte und Technologien. „Dadurch soll Bayern auch in der neuen Mobilitätswelt Technologieführer bleiben“, betont Aiwanger. Gleichwohl mahnt er die Unternehmen, es sei ihre Aufgabe, „die vorhandenen Produkte und Geschäftsmodelle zu überprüfen, zukunftsfähige Bereiche zu erschließen und damit Arbeitsplätze und Beschäftigung zu sichern“.

Dem Freistaat fehlen noch immer 260.000 Fachkräfte

Doch reicht das, um das erfolgsverwöhnte Bayern wirklich vor dem Abschwung zu schützen? „Die stark exportorientierte bayerische Industrie ist natürlich von weltweiten Absatzproblemen härter betroffen als industrieschwache Branchen und Regionen“, sagt Aiwanger. „Ich sehe aber keinen Grund zu konjunktureller Schwarzmalerei.“ Insgesamt sei Bayerns Wirtschaft nach wie vor auf Wachstumskurs. „Der Arbeitsmarkt und Investitionen sind stabil, ebenso wichtige Branchen wie Bau, Dienstleistungen und Einzelhandel. Fachkräfte werden weiterhin händeringend gesucht.“ In Bayern fehlten über alle Branchen rund 260.000 Fachkräfte. „Das ist unser Lichtblick in Zeiten des Arbeitsplatzabbaus bei den Automobilzulieferern“, sagt der Minister.

Lesen Sie das Interview im Wortlaut: Hubert Aiwanger: „Ohne Autoindustrie gehen in Bayern die Lichter aus“

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