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Lehrstellenoffensive: Dieser Chemikant hat bei BASF große Verantwortung

Lehrstellenoffensive

Dieser Chemikant hat bei BASF große Verantwortung

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    Andreas Briegel arbeitet seit zehn Jahren bei BASF in Illertissen. Er hat eine Ausbildung zum Chemikanten gemacht und ist heute für Stoffe verantwortlich, die so teuer sind wie ein Ferrari.
    Andreas Briegel arbeitet seit zehn Jahren bei BASF in Illertissen. Er hat eine Ausbildung zum Chemikanten gemacht und ist heute für Stoffe verantwortlich, die so teuer sind wie ein Ferrari. Foto: Alexander Kaya

    Als Andreas Briegel die Tür zur Anlage öffnet, wird es schlagartig ein paar Grad wärmer. Ein Motor surrt in einer Ecke. Und die Augen des Chemikanten wandern sofort mehrere Stellen ab. Tropft es irgendwo? Steht Wasser an einer Stelle? Hört sich der Motor so an, wie er soll? Pfeift etwas? All das überprüft der 27-Jährige beim Betreten des Raumes ganz automatisch. „Das ist schon so in einem drin“, sagt er.

    Seit zehn Jahren arbeitet Briegel bei BASF in Illertissen. Damals mit 17 Jahren hat er seine Ausbildung zum Chemikanten begonnen. Ein Beruf, unter dem sich viele Menschen erst einmal nichts vorstellen können. Briegel beschreibt es so: „Es ist eine Mischung aus Chemie und Technik.“ Genau das habe ihn damals an der Ausbildung auch so fasziniert. Während ein Chemielaborant vor allem im Labor tätig ist, betreuen Chemikanten riesige Industrieanlagen.

    Chemikant Andreas Briegel überwacht den gesamten Prozess

    Die Anlage, in der Briegel arbeitet, stellt Ester her. Ein chemischer Prozess, bei dem Fettsäure mit Fettalkohol – oder wie Laien sagen würden Öl – zu einem neuen Stoff, nämlich einem Ester, verbunden werden. Diese Ester werden von der Lebensmittelindustrie gekauft und sind häufig in Nachspeisen beigesetzt. Sie tragen zum Beispiel dazu bei, dass der Cholesterinspiegel im Blut sinkt. Das ist also die chemische Seite des Berufs. Verstehen, was sich bei der Reaktion abspielt.

    Damit diese chemische Reaktion stattfindet, müssen die Rahmenbedingungen aber stimmen: Dafür darf es zum Beispiel weder zu heiß noch zu kalt sein, auch der Druck muss passen. Und das ist die technische Seite des Berufs: Die Reaktion passiert in einer riesigen Anlage, unter der Briegel nun steht. Hier werden die beiden Ausgangsbestandteile des Esters in einem großen Edelstahltank zusammengebracht, über mehrere verschiedene Rohre laufen Dampf und Wasser und am Ende auch das fertige Produkt, erklärt Briegel.

    Seine Aufgabe ist es, den gesamten Prozess zu überwachen und wenn etwas nicht stimmt einzugreifen. „Dafür muss man wissen, an welcher Stelle die Reaktion gerade steht. Was passiert, wenn ich ein Ventil öffne? Was, wenn die Temperatur sinkt?“

    Er will jeden Tag etwas Neues lernen

    Die Kontrolle erfolgt fast automatisch in einer Messstation, ein Raum mit mehreren Computern. Auf den Rechnern wird jeder Tank, jedes Rohr, jedes Ventil digital dargestellt. Per Mausklick, lassen sich die Prozesse steuern. „Geklickt ist leicht mal. Aber in unserem Beruf sollte man nur klicken, wenn man genau weiß, was da passiert“, sagt Briegel. Ansonsten steht ziemlich viel auf dem Spiel. Die Rohstoffe, mit denen die Mitarbeiter bei BASF arbeiten, sind teuer. Wenn etwas schiefgeht, ist es, als führe man einen Ferrari an die Wand, sagt Briegel. „Eine ziemlich große Verantwortung.“ Eine gewisse Genauigkeit sollte ein werdender Chemikant also mitbringen.

    Obwohl der 27-jährige Babenhauser also schon in seinem ganz normalen Arbeitsalltag viel leisten muss, war ihm das nicht genug. Immer wenn es in den vergangenen zehn Jahren eine Zusatzaufgabe gab, hat Briegel sich freiwillig gemeldet: So hat er zum Beispiel eine Zusatzqualifikation gemacht, um die Produkte, die er herstellt, auch sensorisch zu testen – also auf den Geschmack. Außerdem hat er ein Konzept entwickelt, wie neuen Mitarbeitern der Umgang mit der Anlage beigebracht werden kann.

    Seit kurzem sitzt der 27-Jährige außerdem im Betriebsrat. Warum das alles? „Weil ich mich weiterbilden will, weil ich den Anspruch habe, jeden Tag etwas Neues zu lernen.“ Sonst würde es langweilig. Und das will er um jeden Preis vermeiden.

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