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Schwaben

04.02.2019

Mindestlohn für Azubis? So viel verdienen Lehrlinge in der Region

Wie viel sollten Auszubildende mindestens verdienen?
Bild: Alexander Prautzsch, dpa (Symbolfoto)

Plus Mindestens 504 Euro sollen Azubis im ersten Jahr bekommen, sagt Bildungsministerin Karliczek. Die SPD fordert mehr. Wie es in der Region um das Lehrgeld steht.

Schon im Herbst sorgte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mancherorts für Kopfschütteln. Zwar schlug sie im Kern das vor, was viele schon lange forderten. Nämlich einen Mindestlohn für Auszubildende. Nur war ihre monatliche Summe vielen nicht hoch genug: Mindestens 504 Euro sollten Azubis nach Karliczek im ersten Jahr bekommen - in den Folgejahren dann fünf, zehn und 15 Prozent mehr. Das sei viel zu wenig, sagt nun auch die SPD.

Der Parteivorstand verlangt einen deutlich höheren Mindestlohn von 660 Euro und schließt sich damit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an. Der Gedanke dahinter: 660 Euro entsprechen in etwa 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen. Währenddessen sind die 504 Euro an den Schüler-BaföG-Satz angelehnt. "Das ist nicht mehr als ein Taschengeld. Mit 504 Euro kann kein Auszubildender ein eigenständiges Leben bestreiten“, kritisierte Simon Habermaaß, der Bundesjugendsekretär von Verdi damals.

Ausbildungsvergütung ist nicht mit Lohn oder Gehalt zu vergleichen

Nur, ist das überhaupt gewollt? "Ausbildungsvergütung heißt nicht unbedingt, dass man sich seinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann", sagt Wolfgang Haschner von der Industrie-und Handelskammer (IHK) Schwaben. Dem stimmt Ulrich Wagner zu. „Bei der Ausbildungsvergütung handelt es sich weder um Lohn noch um Gehalt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Schwaben. Um was dann? „Sinn und Zweck ist ausschließlich, einen Zuschuss zur Deckung der Lebenshaltungskosten zu gewähren.“

Gerade, weil viele ihre Lehre im Alter zwischen 15 und 17 Jahren beginnen und folglich noch bei ihren Eltern wohnen, bräuchten sie zu Beginn kein allzu hohes Gehalt, meint Haschner. Es gehe vor allem darum, auf den späteren Beruf vorzubereiten. Also auch darum, verantwortungsbewusst mit Geld umzugehen.

Dennoch sollte der Lohn angemessen sein. Das bedeutet für den IHK-Ausbildungsberater: Das Lehrgeld sollte danach bemessen werden, wie viel jemand später in diesem Beruf verdienen kann. Müsste er einen Mindestlohn für die Industrie-und Handelsbranche vorgeben, würde er sich an knapp 800 Euro orientieren, einem Durchschnittswert aller tariflichen Ausbildungsvergütungen. Ein Mindestlohn von 504 Euro sei in Schwaben keinerlei Problem. "Die Zahlen liegen schon jetzt weit darüber", sagt Haschner.

 

Regional und bundesweit finden sich die schlechter bezahlten Ausbildungsberufe meist im Handwerk wieder. In einem handwerklichen Beruf bekommen viele junge Menschen während ihres ersten Ausbildungsjahres unter 500 Euro, vor allem im Osten Deutschlands. Dort müssen Friseur-Azubis beispielsweise mit 325 Euro auskommen, Metzgerlehrlinge sogar nur mit 310 Euro. Innerhalb der Bundesländer gebe es dagegen keine großen regionalen Unterschiede, sagt Haschner. Da komme es vielmehr auf die jeweilige Branche an.

Ob 504 oder 660 Euro, die Handwerkskammer Schwaben ist grundsätzlich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Er passe schlicht nicht zum „bewährten und gewachsenen System der beruflichen Ausbildung“, erklärt Wagner. Über die Vergütungen zu verhandeln, müsse Aufgabe der Tarifpartner bleiben, der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften.

Wird nun der verpflichtende Mindestlohn eingeführt, würde das gerade den kleinen Handwerksbetrieben schaden, glaubt Wagner - zumal sie schon jetzt über ihren eigenen Bedarf hinaus ausbildeten. Im schlimmsten Fall könnten sie sich ganz zurückziehen und gar keine Lehrlinge mehr aufnehmen, meint der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben.

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