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  3. Neue AGB bei Whatsapp: Diese Datenschutz-Bestimmungen gelten ab Samstag, 15.5.2021

WhatsApp-Datenschutz
15.05.2021

Änderung am Samstag: Darum geht es in den neuen WhatsApp-Regeln

Datenschützer warnen vor den neuen WhatsApp-Regeln.
Foto: Daniel Reinhardt, dpa

Ab Samstag gelten die umstrittenen neuen Nutzungsbedingungen für den beliebten Messengerdienst WhatsApp. Warum Facebook den ganzen Ärger in Kauf nimmt.

Öffentliche Empörung beeindruckt sogar Facebook. Der US-Internetriese hat im Januar eine beschlossene Änderung der Datenschutzrichtlinie seines Messengerdienstes WhatsApp zurückgestellt, weil die Sorge, ausspioniert zu werden, viele Nutzer in die Arme der Konkurrenz getrieben hatte. Facebook hat zwar stets beteuert, die Befürchtungen seien unbegründet. Auf der Änderung bestehen wollte der Konzern zunächst auch nicht. Nun hat sich der Wind gedreht und WhatsApp wagt einen neuen Anlauf: An diesem Samstag setzt das Unternehmen die neuen Datenschutzbestimmungen in Kraft. Wer sie nicht akzeptiert, muss damit rechnen, den Dienst bald nicht mehr nutzen zu können.

Im Kern geht es bei den neuen Regeln um den Umgang mit Nutzerdaten. WhatsApp betont, dass mit der Aktualisierung keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen sei. Bei den Änderungen gehe es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. Auch an der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt.

Neue AGBs für WhatsApp: Facebook will mit dem Messenger Geld verdienen

In einem Post zu den Neuerungen schreibt WhatsApp: „Oft werden Unternehmen auf Facebook oder Instagram über ihre Werbeanzeigen entdeckt. Diese können einen Button enthalten, über den Interessierte dem Unternehmen eine Nachricht über WhatsApp senden können. Wenn du auf solch eine Werbeanzeige klickst, kann dies, genau wie bei anderen Anzeigen auf Facebook, dazu verwendet werden, die Anzeigen, die du auf Facebook siehst, zu personalisieren.“ Außerdem soll es Unternehmen ermöglicht werden, ihren Onlineshop direkt in ihr WhatsApp-Profil einzubinden. So können Kunden auch direkt über den Messengerdienst einkaufen.

Ohne Messenger geht es heute kaum noch. Doch Messenger muss nicht zwingend WhatsApp bedeuten.
Foto: Christin Klose, dpa

Für Facebook ist dies der nächste logische Schritt, um seinen stetig wachsenden Datenschatz zu Geld zu machen. Schließlich hat das größte Online-Netzwerk der Welt im Jahr 2014 nicht nur deshalb rund 22 Milliarden Dollar für WhatsApp ausgegeben, um einen Rivalen vom Markt verschwinden zu lassen. Doch von Anfang an gab es lautstarke Proteste und Befürchtungen von Datenschützern, der Konzern würde die Nutzerdaten der beiden Plattformen entgegen allen Beteuerungen zusammenführen. Auch jetzt hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar eine Anordnung in der Sache gegen Facebook erlassen. Diese gilt zwar nur für drei Monate. Aber Caspar will in dieser Zeit den Europäischen Datenschutzausschuss einschalten, um eine Entscheidung auf europäischer Ebene herbeizuführen, wie er ankündigte.

Seine Untersuchung der neuen Bestimmungen habe gezeigt, dass die enge Verbindung zwischen den beiden Unternehmen weiter ausgebaut werden soll, damit Facebook die Daten der WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer jederzeit zu eigenen Zwecken verwenden kann, heißt es in der Mitteilung. Zudem warnt Caspar angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl vor den Gefahren einer „massenhaften Profilbildung“: „Das betrifft nicht allein die Privatsphäre, sondern auch die Möglichkeit, Profile zur Beeinflussung von Wählerentscheidungen einzusetzen, um demokratische Entscheidungen zu manipulieren“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Änderungen bei WhatsApp: Datenschützer warnen vor politischer Profilbildung

Angesichts von fast 60 Millionen WhatsApp-Nutzern in Deutschland sei die Gefahr konkret, da Anzeigenkunden hohes Interesse an einer zielgenauen Ansprache der für sie relevanten Gruppen hätten. Caspar kann „unter außergewöhnlichen Umständen“ auch gegen Facebook, das seinen Europasitz in Irland hat, ein befristetes Verfahren eröffnen, da der Konzern eine deutsche Niederlassung in Hamburg hat. Ein Sprecher von WhatsApp sagte, die Behauptungen der Hamburger Datenschutzbehörde seien falsch. Daher würden sie die Einführung des Updates nicht beeinflussen.

WhatsApp ist der dominierende Messengerdienst auf dem europäischen Markt.
Foto: dpa

Wie die Nutzer auf die erzwungene Umstellung reagieren werden, bleibt abzuwarten. Alternativen zu WhatsApp gibt es jedenfalls viele. Das Verbraucherportal Mobilsicher.de empfiehlt etwa Signal, Threema oder Wire. Alle drei sind quelloffen, sicher Ende-zu-Ende-verschlüsselt und als Android-, iOS- sowie als Desktop-Anwendung verfügbar. Zudem lassen sich mehrere Messenger auch parallel nutzen.

Wer wechseln will, kann seine bei WhatsApp gespeicherten Nachrichten und Fotos, Videos und Sprachnachrichten exportieren, um sie auch nach der Deaktivierung des Kontos und dem Löschen der App verfügbar zu haben. Dazu öffnet man den Einzel- oder Gruppenchat, den man speichern möchte, tippt oben rechts aufs Dreipunkte-Menü (Android) beziehungsweise Einstellungen (iOS), wählt „Mehr/Chat exportieren“ und bestimmt im nächsten Fenster, dass auch die Medien gespeichert werden sollen. (mit dpa)

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