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Corona-Maßnahmen

19.01.2021

Nur Lebensmittel dürfen verkauft werden: Bayerische Supermärkte sperren Regale

Nicht zugreifen, bitte. Viele Supermärkte müssen derzeit Randsortimente sperren, wie hier Kaufmarkt in Kempten.
Foto: Ralf Lienert

Plus Lebensmittel dürfen trotz Corona-Lockdown weiter verkauft werden. Bei Kleidung, Schuhen oder Spielwaren sieht es anders aus. Was das in Märkten von V-Markt, Real oder Feneberg bedeutet.

Spielzeug, Küchenartikel, Sportwaren – wer derzeit in den Kaufmarkt im Fenepark in Kempten geht, findet dort ein größeres Sortiment an diesen Dingen vor. Nur kaufen kann man sie aktuell nicht. Seit Donnerstag vergangener Woche blockieren rot-weiße Absperrbänder die Regale. Zettel weisen auf einen Verkaufsstopp durch das Ordnungsamt der Stadt hin. Auch einige weitere große Geschäfte im Stadtgebiet haben Sortimente gesperrt.

Ähnlich sieht es im V-Markt in Füssen aus. Dort laufen die Kunden bereits seit Ende des vergangenen Jahres an Schuhregalen oder der Fernsehabteilung vorbei, die mit einem Absperrband vom restlichen Angebot abgetrennt ist. Das Textil- und Elektrosortiment des V-Marktes in Füssen steht derzeit nicht zum Verkauf.

Grund für die Absperrungen sind die staatlichen Maßnahmen gegen das Corona-Virus. Doch die Regeln scheinen nicht überall in gleichem Maße gehandhabt zu werden. So kann es sein, dass in einigen Städten die Supermärkte Waren absperren, die anderenorts zugänglich sind.

Infektionsschutz-Verordnung: Größere Supermärkte müssen bestimmte Sortimente sperren

Derzeit dürfen in Bayern aufgrund der Corona-Krise nur Geschäfte öffnen, die für die tägliche Versorgung unverzichtbar sind – beispielsweise Lebensmittelläden. Geregelt hat dies der Freistaat in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Viele Händler haben deshalb derzeit geschlossen – beispielsweise Textil- oder Schuhgeschäfte. Eine Erleichterung gibt es für Mischbetriebe: Wenn dort über 50 Prozent des Sortiments im erlaubten Bereich liegen, können sie alle ihre Waren weiterhin verkaufen. Davon profitieren zum Beispiel Kioske oder Lottoläden. Für größere Supermärkte allerdings gilt diese Ausnahme nicht.

Für Großbetriebe hat die bayerische Staatsregierung eine besondere Regel parat, berichtet das bayerische Wirtschaftsministerium. Sie ist den Erläuterungen zu der Verordnung zu entnehmen. Die letzte Fassung stammt hier vom 15. Januar. "Die dort beschriebene Sonderregelung sieht vor, dass Großbetriebsformen des Handels wie SB-Warenhäuser, Verbrauchermärkte oder großflächige Drogeriemärkte ihre Verkaufsbereiche, in denen nicht erlaubte Sortimente angeboten werden, schließen müssen", sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Hauptgeschäftsführer Wolfgang Puff vom Handelsverband Bayern.
Foto: Ulrich Wagner

Textil- oder Spielzeugabteilungen in den Supermärkten müssen insbesondere dann abgesperrt werden, wenn die Abteilungen "gut abgrenzbar" sind, also zum Beispiel ein eigenes Stockwerk darstellen oder sich auf einer zusammenhängen größeren Fläche befinden, heißt es in dem begleitenden Papier.

Wolfgang Puff, Einzelhandelsverband: "Aufschrei der Händler, die vom Lockdown betroffen sind"

Trotzdem bergen solche Regeln eine gewisse Unschärfe. Supermärkte sind verschieden. Die Regel wird anscheinend auch von Ort zu Ort unterschiedlich gehandhabt, berichtet Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern aus der Praxis. Es gebe jedenfalls immer wieder Streit oder Beschwerden bei staatlichen Behörden, weil die Verordnung mancherorts nicht oder nur zögerlich umgesetzt werde. "Die Nonfood-Sortimente in den Supermärkten sind ein Thema, weil hier eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet", sagt Puff. Reine Textilhändler müssen zumachen, in Supermärkten findet aber teilweise weiter ein Verkauf statt. "Dies führt zu einem Aufschrei der Händler, die vom Lockdown betroffen sind", sagt Puff.

Im Handel herrscht derzeit Maskenpflicht.
Foto: Michael Hochgemuth

Zuständig für die Einhaltung der Verordnung sind die Ordnungsämter in den Kommunen, berichtet das Wirtschaftsministerium. "Die Sperrung von Abteilungen mit Nonfood-Artikeln im Lebensmitteleinzelhandel und größeren Drogerien dient sowohl dem Infektionsschutz als auch der Wettbewerbsfairness gegenüber kleineren Fachgeschäften", sagt der Sprecher des Ministeriums. "Das bayerische Wirtschaftsministerium appelliert an die Ordnungsämter hierbei mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand vorzugehen", ergänzt er. Kleinere Nonfood-Randangebote seien weiterhin zulässig.

In Kempten betreffen die Absperrungen neben dem Kaufmarkt auch die Filiale der Supermarktkette Real und den großflächigen Drogeriemarkt Müller in der Fußgängerzone. "Bei Müller sind die betroffenen Bereiche bereits seit längerem abgesperrt, Kaufmarkt und Real haben wir kontrolliert und die Absperrungen mündlich angeordnet", sagt Thomas Klett vom Rechts- und Standesamt der Stadt Kempten. Die Stadt Augsburg berichtet, sie orientiere sich an der "Positivliste" der Verordnung – also der Aufzählung, welche Betriebe weiter öffnen dürfen. Die einzelnen Märkte seien zudem über die jeweiligen Neuerungen und Aktualisierungen der staatlichen Infektionsschutzvorgaben informiert worden.

Werbegemeinschaft Füssen fordert Gleichbehandlung

Eine Rolle könnte auch spielen, ob es vor Ort Aktionsgemeinschaften oder Händler gibt, die Druck machen. In Kempten berichtet die Stadt davon, dass Bürger dort nachgefragt hätten, wie es sein könne, dass große Märkte entsprechende Ware verkaufen dürfen, während kleine Läden ihre Türen geschlossen halten müssen. In Füssen hatte bereits im vergangenen Jahr die Werbegemeinschaft Füssen – ein Zusammenschluss von Einzelhändlern – das Landratsamt Ostallgäu darauf hingewiesen, dass bestimmte Abteilungen bei großen Händlern geöffnet seien. "Kleinere Händler haben sich bei uns beschwert", sagte damals Alexander Mayerhofer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Füssen. Ihnen sei es um Gleichbehandlung gegangen.

Nicht betroffen von dem Verkaufsverbot sind bisher Wühltische, wie man sie zum Beispiel bei Discountern findet, berichtet zudem die Stadt Kempten. Hier gehen auch weiterhin Textilien oder Spielwaren über den Tisch.

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Die Diskussion ist geschlossen.

20.01.2021

Naiv wie ich bin, habe ich immer geglaubt, dass Maßnahmen zum Eindämmen des Virus da sind. Ok, das war äußerst naiv. Da möchte ich - so lange ich hoffentlich noch mit gesundem Menschenverstand gesegnet bin - nicht beim Ordnungsamt arbeiten und solchen Quatsch vertreten und umsetzen. Die Einzelhändler werden nicht von Real, V-Markt etc. in den Ruin getrieben, sondern von unserer Politik. Und damit die Einzelhändler nicht noch mehr aufschreien, sollen die Supermärkte auch noch eins übergebraten bekommen. Und die einkaufende Bevölkerung gleich mit. Absperrbänder gegen den Virus - wenn es nicht so traurig wäre, wäre es eingelungenes Stück Real (man beachte das Wortspiel)-Satire. Wir sollten auf jeden Fall eines tun, was uns nicht verboten werden kann: uns den Unsinn merken und bei der nächsten Wahl unseren kleinen Gegenhebel ansetzen.

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19.01.2021

Sicher, sie haben recht und auch die anderen.
Lesen und verstehen ist zwar etwas das man den Schülern verwehrt, da ja die Regierung uns mit Microidioten impft, was aber die lebenden Idioten in ihren Fantasien nicht davon abhält, den vernünftigen Menschen und Schülern zu erzählen dass nicht sie die mit einem Brett vor dem Kopf sind, sondern alle anderen. Ich bin so froh, dass es euch gibt. Wie sonst könnte ich den Alkoholkosum rechtfertigen wenn ich Schwachsinn lese.

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19.01.2021

Sorry Leute, die Debatte hier ist etwas surreal. Wir führen hier eine Diskussion über das persönliche Einkaufsverhalten. Ging es nicht ursprünglich mal um etwas anderes. Ne Pandemie oder so?

Ob jemand sein Rasierwasser in der Parfümerie, im Drogeriemarkt oder im Supermarkt kauft oder doch lieber bei Amazon bestellt ist doch jedem selbst überlassen. Es geht darum das der Staat sagt: die Parfümerie wird aufgrund Seuchenschutzgesetz geschlossen bei allen anderen geht es normal weiter. Woher soll den so ein kleines Virus wissen, dass es nur vor der Parfümerie auf Opfer lauern darf?
Warum werden den Supermärkte auf der grünen Wiese vor der Stadt gebaut? Na doch weil da viele Leute innerhalb kürzerer Zeit aus größerem Umkreis kommen. Wenn ich ein Virus wäre, ich wüsste wo ich eine Spreader-Party veranstalten würde!

Glaubt ihr denn, jemand der im Amazon-Vertriebscenter arbeitet ist immun gegen Fußpilz, Herpes oder Grippe? Eben, warum sollten diese Menschen dann immun sein gegen Corona? Wäre ich ein Virus, wo würde ich mehr Beute machen? Im Tante-Emma Laden wo ein paar Menschen zu unterschiedlichen Zeiten anwesend sind oder im Vertriebszentrum wo hundert Personen ständig zusammen sind.

Leute, schaut euch mal genau die dunklen Flecke auf der Corona-Landkarte an. Das sind sehr oft ländliche strukturschwache Gegenden. Da gibt es längst keinen kleinen Einzelhandel mehr und die Dorfkneipe ist auch schon seit zehn Jahren geschlossen. Hier kann der Lockdown verlängert werden bis zu dem Tag an dem die Hölle einfriert. Da ist ja nichts da zum dicht machen außer dem Supermarkt - und der bleibt auf!

Ein tollwütiger Wolf treibt sein Unwesen und reißt ein Schaf nach dem anderen. Der Jäger erwischt den Wolf einfach nicht und erschießt stattdessen ein paar streunende Katzen. Der Jäger soll nun mit einer Pumpgun ausgerüstet werden um noch mehr Katzen zu schießen. Ist es jetzt so falsch wenn die Katzen sich auf die Hinterbeine stellen und sagen: He Leute, hier läuft was schief!

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19.01.2021

(Ausfälligkeiten gelöscht/NUB 7.3)

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19.01.2021

Wozu brauchen wir eigentlich Lebensmittel im lokalen Einzelhandel? Wenn schon Verbotsorgie - dann aber richtig. Menschen können so um die 30 Tage ohne Essen auskommen. Muß aber nicht sein. Es gibt ja noch das Internet.

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19.01.2021

@Wolfgang B.
Hoffentlich war das Ironisch gemeint und ich habe es nicht verstanden.

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19.01.2021

Und der Einzelhandel meint, damit was zu gewinnen? Wenn Läden wie V-Markt etc. solche Abteilungen schliessen müssen / sollen, dann verlagert sich das ganze halt richtung Internet. Gewonnen wird dadurch nichts. Im Gegenteil: der Einzelhändler schneidet sich damit ins eigene Fleisch.

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19.01.2021

Der Einzelhandel kann sich auch auf die "Hinterbeine" stellen und Amazon und Co. den Mittelfinger zeigen. Allerdings nur dann wenn alle mitmachen. Die Preise im Internet werden auch untereinander abgesprochen bzw. abgeglichen. Wenn der Unterschied zwischen Lokalem Händler und Internet nicht gerade Exorbitant auseinanderweicht, sehe ich keinen Grund bei Amazon kaufen zu müssen. Nur, wie bereits beschrieben, sind die Händler auch gefordert sich mit ihrem Angebot im Internet zu Präsentieren. Und als kleinen Gedankenschupps: Viele Rentner würden sich freuen einen 400 Euro Job zu haben bei dem man auch noch mit Freunden und / oder Bekannten zusammenkommen kann oder neue Kundschaft gewinnt.

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19.01.2021

Der Gewinner muss ja nicht unbedingt Amazon & Co. sein, sondern kann auch der lokale Einzelhandel sein. Allerdings nur dann wenn das Jammern über diese Versand-Unternehmen aufhört und Einzelhändler sich auf das konzentrieren was sie ausmacht und was sie können. Das Persönliche und nicht das Anonyme. Einen Internetauftritt, der auch das Wort verdient und nicht nur als "Hauptsache ich hab da was" gesehen wird. Ikea macht es vor. Auswählen, Hinfahren und Ware übergeben lassen. Lokale Einzelhändler können das auch, wenn sie etwas nachdenken. Und, etwas überspitzt ausgedrückt, Briefe, Zeitungen und Pakete muss ich nicht selbst abholen, sondern werden mir zugestellt. Der Einzelhandel muss sich neu erfinden um überleben zu können. Lamentieren über den IST-Zustand hilft niemanden weiter, auch wenn es mehr als ärgerlich ist, dass Discounter z.B. Sportkleidung und Zubehör verkaufen können, der lokale Spartartikel-Händler aber schließen muss.

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19.01.2021

Wenn ein Einzelhändler sein gesamtes Sortiment ins Internet stellt braucht er eine dazu funktionierende Software. Jeder Artikel muss mit Foto angeboten und beschrieben werden. Was kostet so eine Software ? Und in welcher Zeit ist so was zu realisieren?



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19.01.2021

Wenn die "kleinen" Einzelhändler meinen, sie könnten meine Sympathie gewinnen, indem sie mir das Einkaufen bei V-Markt & Co madig machen, haben sie sich geschnitten.

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19.01.2021

In Augsburg und Umgebung scheint wohl niemand zu kontrollieren.

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19.01.2021

Seien Sie doch froh darum, so bleibt wenigstens etwas Gewerbesteuer in Augsburg und landet nicht bei Amazon & Co. Denken hilft manchmal!

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19.01.2021

Dem Kommentar von Herrn Peter M. kann ich zu 100 % zustimmen! Leider gibt es immer noch Menschen, die nur darauf warten, dass alles, was bisher Deutschland aufgebaut hat, ganz zerstört wird. Kritisches Denken ist bei vielen leider immer noch Fehlanzeige!

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19.01.2021

@Peter M und Claudia G.: gut, dass Sie denken können. Ich wusste bisher nicht, dass man bei Gesetzgebungen oder Verordnungen das Hirn ausschalten darf.

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19.01.2021

@Rolf K: Die frage ist, ob der Gesetzgeber bei dieser Regelung sein Hirn eingeschaltet hatte.

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