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Bahnstreik aktuell

19.05.2015

Pressestimmen: "Vor Pfingstfeiertagen ist der Bahnstreik perfid"

Der bisher längste Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn geht auf die Zielgerade.
Bild: Patrick Pleul (dpa)

In den Pressestimmen zum bevorstehenden Bahnstreik herrscht Unverständnis. Ein Kommentator schreibt, dass Streiks ab einem bestimmten Zeitpunkt gar unmoralisch werden.

Hier sind die Pressestimmen zum neuen Mammutstreik der Lokomotivführer:

"Jetzt versaut uns Weselsky auch noch Pfingsten!" Bild

"Es geht ... primär um die Machtverteilung der Spartengewerkschaften innerhalb der Bahn. ... Je wahnhafter dieser Streik wird, desto heftiger werden die politischen und wirtschaftlichen Reaktionen ausfallen, die man später sehen wird. Nicht nur technikbegeisterte Nerds können sich eine Bahnfahrt ohne Lokführer vorstellen. Wenn Computer bald sogar Autos steuern, warum nicht auch den Zug?" Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Besonders zynisch: Ein Streik mit offenem Ende"

"Streikrecht ist in der Demokratie ein hohes Gut. Doch wie der Chef der Lokführergewerkschaft GDL meint, damit umgehen zu dürfen, wird zunehmend zum politischen Skandal. Weil er sich seriösen Verhandlungen, die immer auf Kompromiss ausgerichtet sind, widersetzt und einer Schlichtung verweigert. Weil er die Bahn-Kunden, die privaten wie die aus der Wirtschaft, in Geiselhaft nimmt. Und schließlich, weil es ihm weniger um Lohn und Arbeitszeiten für seine Mitglieder geht, sondern um Macht; auch um ganz persönliche. Besonders zynisch: Diesmal ein Streik mit offenem Ende. Auf dass ja kein Reisender und kein Unternehmen planen und sich einrichten kann, wie lange ihn die Bahn mal wieder im Stich lässt. Das ist Erpressung. Ein paar Tage vor dem Pfingstfeiertagsverkehr ist es zudem perfid." Berliner Morgenpost

"Was Weselskys Einlassungen wert sind, muss sich jetzt rasch zeigen. Mit der neuen Arbeitsniederlegung werden sich zugleich jene bestärkt fühlen, die das Tarifeinheitsgesetz als dringend notwendig erachten. Es soll am Freitag vom Bundestag verabschiedet werden. Wann es in Kraft treten wird, ist noch offen. Auch, ob es Auswirkungen auf den laufenden Tarifkonflikt bei der Bahn haben wird. Klar ist aber eines: Die GDL macht es einem inzwischen unmöglich, gegen das Gesetz zu sein." "Lausitzer Rundschau"

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), macht diesmal auf unbefristeten Streik.
Bild: Britta Pedersen dpa

"Die Emotionen im Konflikt sind groß. Hier zornige und wehrlose Pendler, auf deren Rücken der Bahn-Streik ausgetragen wird. Da ein unter Druck stehender Gewerkschaftschef, dem bei der Wahl der Mittel in einem legitimen Streik schlicht die Sicherung durchgebrannt ist. Der Grat für ein politisches Eingreifen in die Tarifautonomie ist sehr schmal, das Zauberwort heißt: Daseinsvorsorge. Für alle Arbeitskämpfe, die massiv in Infrastruktur und öffentliche Ordnung einschneiden, sollten schärfere Regeln gelten." "Münchner Merkur"

"Weselsky ist längst klar, dass er verloren hat"

"Tatsächlich lässt sich für die Bahn kaum noch anderes vorstellen als die Einschaltung von neutralen Persönlichkeiten. Eine Moderation würde zumindest mehr Transparenz und Sachlichkeit in den Konflikt bringen. Eine Zwangsschlichtung hingegen wäre ein sehr scharfes Schwert." "Stuttgarter Zeitung"

"Auch Weselsky ist längst klar, dass er verloren hat. Es spricht vieles dafür, dass er maßgeblich darauf achtet, wie er gesichtswahrend aus der Sache herauskommt. Er kann, und das ist das Perverse an dieser Situation, persönlich je mehr gewinnen, desto länger der Tarifkonflikt dauert. Alle lieben Asterix und seine Leute - auch und gerade in der Stunde einer drohenden Niederlage. Würden sie nach acht Angriffen ihren Widerstand aus freien Stücken aufgeben, blieben sie nicht als Gallier, sondern nur als Querulanten in Erinnerung. Die Streiks der Lokführer sind nervtötend und schädlich für die Volkswirtschaft: Das ist in Ordnung, diese Streiks sind legitim und rechtens. Streiks werden aber unmoralisch von dem Zeitpunkt an, an dem Streikende wissen, dass sie nicht mehr weiterkommen können." "Der Tagesspiegel"

"Auch wenn Pendler, Politik und Presse ihn am liebsten in einen Zug nach Nirgendwo setzen würden - Weselsky handelt völlig nachvollziehbar. Üppige 4,7 Prozent mehr Lohn und 1000 Euro Einmalzahlung hat die Bahn den Lokführern zuletzt angeboten. Was in aller Welt will der Mann denn noch, fragen sich da viele. Ganz einfach: Weselsky möchte auch für diejenigen GDL-Mitglieder verhandeln, die nicht im Führerstand arbeiten, etwa Schaffner. Damit würde die GDL endgültig auf das Territorium der größeren EVG vordringen. Zur Erinnerung: Es geht hier um gewerkschaftliche Grundrechte, die beschnitten werden sollen." "Neue Osnabrücker Zeitung" dpa/AZ

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