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Hauptversammlung

04.05.2019

Schüler gegen Strom-Chef

Luisa Neubauer (links) kritisierte die RWE-Lenker für fehlenden Klimaschutz. In Essen demonstrierten auch viele Schüler.
Bild: Caroline Seidel; Roland Weihrauch, dpa

Proteste von Umweltschützern gehören seit Jahren zum Aktionärstreffen von RWE. Diesmal meldet sich die Protestbewegung „Fridays for Future“ zu Wort

Die Hauptversammlung des Energieversorgers RWE hat sich am Freitag zu einem Schlagabtausch zwischen der Schüler-Protestbewegung „Fridays for Future“ und dem Stromkonzern entwickelt. Auf der einen Seite: Rolf Martin Schmitz, 61, Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers. Seine Gegenspielerin: Luisa Neubauer, 23, Studentin, talkshowerfahrenes Gesicht der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ und Organisatorin der Proteste in Berlin.

Schmitz versuchte es mit Lob für die Schüler, die aus mehreren Städten nach Essen gekommen waren und vor der Halle für mehr Klimaschutz demonstrierten. Klima- und Umweltschutz seien Herausforderungen für alle Generationen, sagte Schmitz. „Ich finde es daher gut, dass sich viele Schülerinnen und Schüler dafür interessieren.“ Es lohne sich, für den Klimaschutz „seine Stimme zu erheben“. Und das tat Neubauer, die mithilfe der bei RWE vertretenen, kritischen Aktionäre Rederecht bei der Hauptversammlung erhalten hatte.

„Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE“, hielt Luisa Neubauer den Aktionären im Saal vor. Die RWE-Anteilseigner verkauften „ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite“. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen. Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, „hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind“, kritisierte Neubauer. „Wie können Sie das vor mir und meiner Generation verantworten.“ Fridays for Future fordert, ein Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres abzuschalten und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte das Kohle-Aus für 2038 empfohlen.

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Schmitz zeichnete ein ganz anderes Bild der „neuen RWE“. Von 2012 bis 2018 habe RWE den Kohlendioxidausstoß um 34 Prozent reduziert. „Das ist in einem viel kürzeren Zeitraum mehr, als Deutschland seit 1990 erreicht hat.“ Die Kohlekommission habe neben dem Klimaschutz auch die Versorgungssicherheit und soziale Aspekte berücksichtigen müssen. Dabei sei es um Arbeitsplätze gegangen, die auch Neubauers Generation brauche. Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten Eon.

Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt – vor allem durch konventionelle Kraftwerke. Was erneuerbare Energien betrifft, wird RWE nach der geplanten Zerschlagung der Tochter Innogy und der Übernahme des Grünstroms von Eon erst über eine Kapazität von neun Gigawatt verfügen. Pro Jahr sollen künftig weitere zwei bis drei Gigawatt hinzukommen.

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Einen Aufstand der Aktionäre musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte. Auch die Dividende stieg. Claus Haffert, dpa

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