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Region

22.11.2017

Schwabens Stromkunden droht eine Extra-Belastung

Die schwäbischen Stromkunden drohen zum Verlierer einer kleinen Gesetzesänderung auf Bundesebene zu werden.
Bild: Bernd Thissen, dpa (Symbolbild)

Eine bundesweite Angleichung der Netzentgelte soll in unserer Region mit rund 50 Millionen Euro zu Buche schlagen. Das trifft auch die Haushalte.

Auf die Stromkunden in Schwaben könnte in den nächsten Jahren eine Extra-Belastung zukommen. Zu dem Ergebnis kommt ein neues Gutachten, das die Industrie- und Handelskammer Schwaben in Auftrag gegeben hat. Nicht nur Unternehmen, auch die Haushalte sind betroffen.

Hintergrund ist ein Gesetz, das die schwarz-rote Bundesregierung Ende Juni noch kurz vor der Bundestagswahl beschlossen hat. Es sieht vor, dass ein Faktor bundesweit vereinheitlicht wird, der auf die Stromrechnung durchschlägt – nämlich die Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber. Die Angleichung hat bereits zu Diskussionen zwischen IHK und schwäbischen Abgeordneten geführt. Nun legt die IHK Zahlen vor, wie teuer die Angleichung die schwäbischen Stromverbraucher kommen könnte.

Andreas Kopton: „Wir Schwaben zahlen als Einzige in Bayern mehr“

Schwabens IHK-Präsident Andreas Kopton weist darauf hin, dass Schwaben auf der Verliererseite stehen wird: „Die Angleichung heißt, dass wir in Schwaben als Einzige in Bayern mehr bezahlen“, sagt er. Hintergrund: Schwaben gehört zum Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der bisher recht niedrige Übertragungsnetzentgelte erhob. Der Rest Bayerns gehört zu Tennet, das höhere Entgelte verlangte. Dementsprechend verliere Schwaben von der Angleichung, der Rest Bayerns dagegen profitiere. „Die Angleichung wird uns im Jahr 2023 rund 50 Millionen Euro pro Jahr mehr kosten“, fasst Kopton eine wesentliche Erkenntnis der Studie zusammen. Betroffen sind Großverbraucher aus der Wirtschaft genauso wie Privathaushalte. Da die Angleichung schrittweise erfolge, steige die Belastung ab 2019 über die Jahre hinaus an und wird im Jahr 2023 voll wirksam, erklärt IHK-Energieexpertin Nina Reitsam.

Energieintensive Betriebe, zum Beispiel große Hersteller chemischer Erzeugnisse, Papierfabriken oder Metallerzeuger, müssen ab 2023 mit einer Mehrbelastung zwischen 138.800 und 178.900 Euro pro Jahr rechnen. Dies sind Betriebe, die als energieintensive Unternehmen von einer Reduzierung der EEG-Umlage profitieren. Für größere Energieverbraucher wie mittlere Maschinenbaubetriebe, Molkereien oder kunststoffverarbeitende Betriebe sind es rund 41.000 Euro im Jahr. Auf kleinere Energieverbraucher wie Supermärkte, Banken oder Bürokomplexe kämen Mehrkosten von rund 2000 Euro im Jahr zu.

Rund 13 Euro mehr für einen Haushalt

Und auf die rund 830.000 Privathaushalte in unserer Region rund 13 Euro im Jahr.

In der Summe ergibt sich aus der Studie eine Mehrbelastung für Schwaben zwischen 48,3 bis 51,4 Millionen Euro pro Jahr ab 2023. „Diese zusätzlichen Mehrbelastungen, neben den ohnehin hohen Strompreisen, sind ein großes Ärgernis für uns“, sagt Kopton. „Dieses Geld fehlt für mögliche Investitionen und belastet die Wettbewerbsfähigkeit der schwäbischen Wirtschaft.“

Die Studie ist von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München im Auftrag der IHK Schwaben ausgeführt worden. Sie beleuchtet die Auswirkungen des Ende Juni beschlossenen sogenannten „Netzentgelt-Modernisierungsgesetzes“. Die Autoren betonen, dass es sich bei den Kosten um „erste Schätzungen“ handelt.

Unterschriftenkampagne der IHK gegen Netzentgelt-Modernisierungsgesetz

Das Gesetz hatte im Sommer zu größeren Verstimmungen zwischen der IHK Schwaben und den schwäbischen Abgeordneten in Berlin geführt. An einer Unterschriftenkampagne der IHK beteiligten sich rund 800 Unternehmer. Vor allem die Verstimmung mit der CSU war dem Vernehmen nach groß.

„Wir haben den Konflikt gemeinsam beigelegt und stehen im konstruktiven Dialog mit der schwäbischen Politik – auch wie wir diese Mehrbelastung eventuell themenübergreifend abmildern können“, erklärt heute Kopton.

Die Übertragungsnetzentgelte sind nur ein Bestandteil des Strompreises. IHK-Präsident Kopton erwartet aber, dass gerade die Netzkosten zu einem Preistreiber für den Strom werden. Schließlich ist der Bau großer Stromtrassen von Nord nach Süd in Planung. „Der Ausbau des Übertragungsnetzes kostet noch 35 Milliarden Euro. Das sind Kosten, die sicherlich zu weiteren Belastungen führen werden“, erklärt er.

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.11.2017
Strom, ein absolutes Grundbedürfnis, gehört in die Hände des Staates und nicht in die von geldgeilen Unternehmen!!
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22.11.2017

Ja, die Regierung hat den Netzbetreibern eine satte Redite zugesichert, so um die 9 % , damit lässt sich gut leben, den Stromkunden bleibt nichts anderes als jammern und zahlen.

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22.11.2017

Völlig richtig. Das gleiche gilt für das aus dem Ruder laufende Gesundheitswesen. Schuld sind die Deutschen selbst, wenn sie so blöd sind, sich immer Regierungen aus marktradikalen Ideologen (Staat ist schlecht, privat immer gut!) zusammenzuwählen.

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