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Konjunkturumfrage

24.07.2020

Schwäbische Metall- und Elektroindustrie fürchtet Stellenabbau

Die Automobil- und Zuliefererindustrie – das Foto zeigt Getriebewellen – ist von der Krise besonders betroffen. Weitere Entlassungen werden befürchtet.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wie gewaltig die schwäbische Metall- und Elektroindustrie unter der Corona-Krise leidet, zeigt eine aktuelle Umfrage unter den Unternehmen. Der Verband fordert weitere Hilfen.

Die Sommer-Konjunkturumfrage in der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. „Das Jahr 2020 ist ein verlorenes Jahr“, sagt Jürgen Weiß, Vorsitzender der Region Nord-West Schwaben bei den bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbänden (bayme vbm). „Unsere Unternehmen bewerten die aktuelle Lage ähnlich schlecht wie im Sommer 2009 während der Finanz- und Wirtschaftskrise.“

Schon bei der Winterumfrage im Dezember vergangenen Jahres – also rund drei Monate, bevor die Corona-Krise hierzulande ihren Lauf nahm – war in der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie ein Abwärtstrend zu erkennen. Die Pandemie wirkt Weiß zufolge wie ein „Brandbeschleuniger“, der jegliche protektionistische Tendenzen oder planerische Unsicherheiten durch die Brexit-Debatte in den Schatten stellt. Knapp 69 Prozent der befragten Unternehmen bewerten das aktuelle Inlandsgeschäft als „schlecht“. Vor einem halben Jahr waren es mit gut 23 Prozent erheblich weniger. Das Auslandsgeschäft beurteilen sogar fast 72 Prozent negativ. Die Automobil- und Zuliefererbranche trifft die Krise besonders heftig: „Dort kommt ein grundsätzlicher Transformationsprozess erschwerend hinzu, sodass praktisch alle Betriebe in diesem Sektor die Lage als schlecht einschätzen“, sagt Weiß.

Viele Unternehmen in Schwaben rechnen 2020 mit Verlusten

Auch beim zu erwartenden Ertrag zeichnet sich ein düsteres Bild ab. Knapp 49 Prozent der schwäbischen Unternehmen rechnen 2020 mit Verlusten, 14,6 Prozent erwarten eine schwarze Null und nur knapp fünf Prozent gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus. Zumindest kurzfristig hätten es die Firmen und Betriebe aber geschafft, den Einbruch zu überbrücken, sagt Weiß. Auch dank der Kurzarbeit, von der bayernweit in der Metall- und Elektroindustrie massiv Gebrauch gemacht wird. Laut Weiß sind im Freistaat knapp 430.000 Arbeiter der Branche, also jeder zweite Beschäftigte, derzeit von Kurzarbeit betroffen. 52 Prozent der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie-Unternehmen befürchten jedoch, im Inland weitere Mitarbeiter entlassen zu müssen. Gerade einmal 1,3 Prozent wollen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

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„Wir gehen nicht davon aus, dass der Beschäftigungsrückgang im kommenden Jahr zu Ende sein wird“, sagt Weiß. Immerhin: 35 Prozent der Betriebe denken, dass es mit dem Inlandsgeschäft wieder bergauf gehen wird. Hinsichtlich der Exporte sind knapp 30 Prozent optimistisch gestimmt. Rund 20 Prozent wollen die Produktion in der zweiten Jahreshälfte wieder erhöhen. „So schlecht wie die aktuelle Situation ist, kann es nur besser werden“, ordnet Weiß die Zahlen ein. Auch der Verband geht von einer leichten Erholung im zweiten Halbjahr aus. Das Produktionsniveau von vor der Krise könne jedoch bestenfalls im Laufe des Jahres 2022 erreicht werden.

Vor allem mittelständische Industrie braucht weiter Unterstützung

Mit dem Handeln der Politik während der Pandemie ist Weiß unterdessen zufrieden. „Bundes- und Staatsregierung haben der Wirtschaft in der Krise schnell, pragmatisch und zielgerichtet geholfen.“ Nun gehe es darum, die Krise auch dauerhaft zu überwinden – was ob der fragilen Lage eine große Herausforderung sei. „Gerade unsere mittelständisch geprägte Industrie braucht weitere Unterstützung.“ Den Vorstoß der CSU im Bundestag, die aktuellen Kurzarbeitsregelungen über das Jahresende hinaus zu verlängern, begrüßt Weiß. Um die dauerhafte finanzielle Stabilität der Unternehmen zu sichern, seien aber auch langfristig finanzierbare Kredite notwendig. Zudem sollten Branchen, die besonders heftig von der Corona-Krise betroffen sind, in den Fokus rücken.

 

Weiß wünscht sich, dass der Industriestandort Schwaben auch generell wieder gestärkt wird. „Technologie und Digitalisierung sind entscheidende Aspekte. Verschiedene Programme wurden auf Bundes- und Landesebene aufgesetzt und auch mit Geld hinterlegt. Jetzt müssen sie aber auch umgesetzt werden.“ Zudem fordert der Diplom-Kaufmann Bürokratieabbau und mehr Flexibilität für die Unternehmen. „Noch weniger können sie zusätzliche Belastungen verkraften. Leider beginnt die Politik in Berlin bereits wieder, in die andere, die falsche Richtung zu laufen. Ich denke hier zum Beispiel an das geplante Sorgfaltspflichtengesetz.“ Jenes Gesetz würde die Firmen etwa dazu verpflichten, menschenrechtliche Risiken bei ihren Zulieferern zu ermitteln.

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