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Skandal
28.10.2019

Protokoll des Versagens: Diese Mängel führten bei Wurstfirma Wilke zur Schließung

Der Betrieb des Fleischherstellers Wilke ist mittlerweile geschlossen.
Foto: Uwe Zucchi, dpa

Ein vertraulicher Bericht listet penibel die bei der Skandalfirma entdeckten Mängel auf – und lässt die Behörden in schlechtem Licht erscheinen.

Schimmel, Biofilme, Rost und Kalk an vielen Stellen der Produktionsräume; stehendes Wasser, Kläranlagen- und Verwesungsgeruch – die Liste der unappetitlichen und teils gesundheitsgefährdenden Mängel, die bei der Kontrolle des hessischen Fleischbetriebs Wilke am Tag nach seiner Schließung festgestellt worden sind, ist lang. Aufgelistet sind sie in einem vertraulichen Bericht der Task-Force Lebensmittelsicherheit am Regierungspräsidium Darmstadt. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat das Dokument am Montag öffentlich gemacht – und schwere Anschuldigungen gegen die zuständigen Behörden erhoben.

Am 2. Oktober kontrollierten die Experten der Task-Force den schon in der Vergangenheit mehrfach negativ aufgefallenen Betrieb. Der Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg hatte tags zuvor die Schließung angeordnet. Die Kontrolle erfolgte nach der Reinigung des Betriebs am Vorabend. Umso erschreckender sind die festgestellten Mängel. Wörtlich schreiben die Kontrolleure von „idealen Bedingungen für eine persistierende Ansiedlung, Vermehrung Verbreitung von Listerien“. Nach Ansicht der Experten gab es wohl nicht die eine Quelle der Verunreinigung, vielmehr „muss der gesamte Produktionsbereich als großflächig kontaminiert angesehen werden.“

37 Menschen sind an den Bakterien erkrankt

Zudem stellten die Kontrolleure auch Mängel bei der Schulung des Personals fest. Erforderliche Hygieneschulungen konnten demnach nicht nachgewiesen werden. Rückstellproben aus den diversen Produktionschargen wurden offenbar nicht standardmäßig genommen. Aus einer eigenen Auflistung von Wilke geht zudem hervor, dass bei Eigenkontrollen im Jahr 2018 die Hälfte aller mikrobiologisch untersuchten Fertigprodukte nicht in Ordnung waren. Konsequenzen wurden aus der Erkenntnis aber offenbar keine gezogen.

In dem Bericht ist außerdem die Rede davon, dass 37 Menschen an einer Infektion mit Listerien erkrankten, die genetisch mit dem Stamm übereinstimmen, der bei Wilke nachgewiesen wurde. Sieben der Patienten seien mittlerweile verstorben, zwei davon gesichert an Listeriose. Mitte Oktober hatte die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) unter Hinweis auf das Robert-Koch-Institut noch von drei Toten gesprochen.

Das hessische Regierungspräsidium hat die Echtheit des Berichts inzwischen bestätigt. Die Summe der aufgelisteten Details und die Menge an Hintergrundinformationen ließen ohnehin kaum Zweifel an der Echtheit des Dokuments zu. Besondere Brisanz erhält der Bericht durch eine Chronologie der Kontrollen und festgestellten Mängel bei Wilke, die bis in das Jahr 2012 zurückreicht. Demnach wurden bei dem Unternehmen schon zwischen Mai 2018 und Mai 2019 im Rahmen von Eigenkontrollen Listerien in verschiedenen Konzentrationen gefunden. Alle Maßnahmen den Befall abzustellen zeigten aber offensichtlich keine Wirkung.

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