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Krise

20.03.2017

So wichtig ist die Türkei für Schwabens Wirtschaft

Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei hat auch Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei hat Folgen für den Handel. Große Investitionen schieben viele Unternehmen lieber auf.

Die anhaltende diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei beeinflusst auch die Geschäftsbeziehungen. Im Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker hatte der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zum verbalen Rundumschlag gegen europäische Staaten ausgeholt. Für Aufsehen sorgte vergangene Woche ein Verband der türkischen Fleischindustrie, als dessen Chef drohte, 40 niederländische Milchkühe nach Europa zurückzuschicken. Von derart konkreten symbolischen Drohgebärden ist Deutschland bislang verschont geblieben. Die Befürchtungen der Unternehmen sind dennoch groß.

Der Außenwirtschaftschef des deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, hat seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer einen Rückgang des deutsch-türkischen Handels beobachtet. Er führt dies auf die unsichere politische Lage zurück. „Einige Unternehmen, die die Türkei als Investitionsstandort ins Visier genommen haben, schrecken zurück und legen ihre Pläne erst einmal auf Eis“, sagt Treier. Auch einige hiesige Unternehmen warten erst einmal ab, sagt Peter Saalfrank, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben.

Welche Bedeutung hat die Türkei als Handelspartner für Bayern?

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Mit einem Exportvolumen von rund 3,3 Milliarden Euro war die Türkei im Jahr 2016 der fünftwichtigste Absatzmarkt außerhalb der EU für bayerische Produkte. Von allen Exporten aus dem Freistaat gingen nur 1,8 Prozent in das Land. Die Türkei steht auf Platz 17 der wichtigsten Handelspartner Bayerns – und damit weit hinter den USA oder China.

Wie gut ist der Kontakt von Unternehmen aus Schwaben zur Türkei?

Die schwäbische und die türkische Wirtschaft sind eng verflochten. Nach Angaben der IHK unterhalten 370 Unternehmen Beziehungen in die Türkei, unter anderem in den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie sowie Lebensmittel- und Verpackungsindustrie.

Auf welche Waren aus der Türkei ist die hiesige Industrie angewiesen?

Etwa 50 Unternehmen aus der Region importieren für ihre Produktion Waren aus der Türkei. Dabei handelt es sich vor allem um Textilien, Agrarprodukte und Baustoffe.

Welche Firmen aus der Region haben engen Kontakt zur Türkei?

Viele Unternehmen, die auf Güterimporte aus der Türkei angewiesen sind, lassen dort produzieren. So fertigt beispielsweise der Bekleidungshersteller Schöffel aus Schwabmünchen Blusen in dem Land. Der Lebensmittelproduzent Rapunzel aus Legau hat seit 1992 ein Werk in der Türkei und BSH Hausgeräte, die auch in Dillingen einen Standort haben, produziert in der Nähe von Istanbul Elektrogeräte für den türkischen Markt.

Leidet der Handel in Anbetracht der politischen Krise bereits?

Trotz der politischen Krise sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Saalfrank die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Schwaben und der Türkei auf festem Fundament. Dennoch beobachten die Unternehmen die Entwicklungen in der Türkei mit hoher Aufmerksamkeit und Sorge, sagt er: „Gerade bei größeren Investitionen herrscht eine abwartende Haltung.“ Das Verfassungsreferendum am 16. April werde für die schwäbischen Unternehmer ein wichtiger Termin sein.

Wie sehr trifft die Krise die Türkei?

Die Bundesrepublik ist dem türkischen Statistikamt Turkstat zufolge der größte Abnehmer türkischer Produkte. Im Jahr 2016 gingen Waren im Wert von rund 14 Milliarden Dollar nach Deutschland, weit mehr als nach Großbritannien (11,7) oder in den Irak (7,6). Deutschland importiert vor allem Textilien aus der Türkei. Käme es zu einem Wirtschaftsstreit mit Deutschland, würde die Türkei das gerade auch bei ihren Textilexporten spüren. Denn: Stoffe lassen sich leicht auch aus anderen Ländern wie etwa denen in Südostasien importieren. (mit dpa)

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20.03.2017

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