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Augsburg

23.07.2019

Steigen die Mietpreise in der Region weiter so rasant?

Die Mietpreise steigen weiter. Analysten wollen aber eine Abflachung erkennen. Gilt das auch für die Region?
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Die Kosten für Miete in Deutschlands Großstädten steigen nicht mehr so schnell wie bisher. Die Lage der Mieter entspannt sich trotzdem nicht. Ein Blick in die Region.

Mit dem rasanten Anstieg der Mietpreise in Deutschlands Großstädten könnte es bald vorbei sein. Zumindest, wenn es nach dem Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) geht. Laut einer Untersuchung des Unternehmens wurde das Mietpreiswachstum deutlich gebremst.

Das Unternehmen hat die Entwicklung in den "Big 8", also den acht Städten, die wegen Faktoren wie dem Bevölkerungswachstum für die Immobilienbranche am interessantesten sind, untersucht. Dazu zählen neben Berlin, Hamburg und München auch Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig. Das Ergebnis: Im Mittel betrug der Kostenzuwachs im ersten Halbjahr 2019 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Preise stiegen also weiter. Aber: verglichen mit der Auswertung aus 2018 nicht mehr so stark. Damals war der Preis im Mittel um 4,9 Prozent gestiegen. Der Fünfjahresschnitt liegt dem Unternehmen zufolge noch höher, nämlich bei fünf Prozent. Als Grundlage für die Untersuchung dienten 40.000 Mietangebote aus den untersuchten Städten.

Auch ein geringerer Preisanstieg ist eine Verschlechterung

Mögliche Gründe für den nur noch flachen Anstieg gibt es einige: Das Durchschnittseinkommen etwa stieg in den vergangenen Jahren nicht im gleichen Maße wie die Mietpreise. Dadurch wuchs die finanzielle Belastung durch Wohnkosten. Und: In den vergangenen Jahren wurden wieder mehr Wohnungen gebaut.

Steigen die Mietpreise in der Region weiter so rasant?

Eine Umkehrung des Aufwärtstrends sei aber trotzdem nicht zu erwarten, heißt es auf Nachfrage bei JLL. Es sei aber davon auszugehen, dass die Mietpreisentwicklung in den kommenden Jahren weiter abflache. Die Preise steigen nicht mehr so rasant wie bisher.

Beim deutschen Mieterschutzbund sieht man die Entwicklung dennoch mit Sorge: "Ein geringerer Preisanstieg ist trotzdem eine Verschlechterung. Aus Mietersicht ist das keine gute Nachricht", sagt etwa Geschäftsführer Claus Deese. Er spricht von einem Verdrängungswettbewerb, der in deutschen Städten stattfinde. "Wer mehr zahlt, bekommt die Wohnung. Vor allem Familien haben darunter zu leiden." Das Ende der Preisspirale sieht Deese noch nicht kommen. Er befürchtet Zustände wie in den USA, wo sich zum Teil wildfremde Menschen Einzimmerwohnungen teilen müssten, weil sie sich die Miete allein nicht leisten können. "In zehn Jahren haben wir solche Verhältnisse auch in Deutschland", warnt Deese.

In Augsburg entwickelten sich die Mieten rasant

Und in der Region? Da ist die Lage weniger eindeutig. Vor allem Augsburg hat in den vergangenen Jahren eine enorme Preissteigerung hingelegt. Die Stadt habe unter anderem wegen des starken Bevölkerungswachstums mit einer Verknappung des Mietangebots zu kämpfen - und damit mit hohen Wohnkosten, erklärt Florian Schreck, Immobilienmakler und Vorstandsmitglied des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Süd. Zahlen des IVD machen die Entwicklung noch deutlicher: Demnach kostete ein Quadratmeter Wohnfläche in Augsburg in einer Mietwohnung, die nach 1950 gebaut wurde, im Herbst 2017 im Schnitt 9,12 Euro. Im Frühjahr 2018 waren es bereits 28 Cent mehr. Auf längere Sicht wirkt die Entwicklung noch drastischer: 2013 kostete ein Quadratmeter unter den genannten Umständen lediglich 7,40 Euro.

Wie sich die Preise in Augsburg entwickeln werden, kann Schreck nicht sagen. Eine aktuelle Auswertung erscheint erst in einigen Wochen. "Ich würde das nicht pauschalisieren. Bei den Preisen kommt es immer auf die Lage und Art des Objekts an." Wohnungen in Göggingen oder Pfersee etwa seien in der Regel teurer als solche in Oberhausen.

In der Region ziehen die Mietpreise wahrscheinlich weiter an

Andere Makler wagen erste Prognosen. Marco Geis, Inhaber des Augsburger Maklerbüros Fritz-Immobilien, sagt: "Ich gehe davon aus, dass die Preise weiter steigen werden. Wahrscheinlich aber nicht mehr so rasant wie bisher." Der Grund: "Vor rund sechs bis sieben Jahren war Augsburg für seine Verhältnisse auf einem niedrigem Preisniveau, verglichen mit anderen Großstädten. Das hat sich in den letzten Jahren angepasst", sagt Dennis Marzahn vom Maklerbüro Wettengl + Marzahn. Die extreme Dynamik der vergangenen Jahre sei  abgeflacht, der Preisanstieg normalisiere sich langsam. Er sieht dafür vor allem einen Grund: "Bei vielen Mietern sind mittlerweile die Grenzen erreicht. Sie können und wollen nicht mehr so viel bezahlen und wandern deshalb zum Teil sogar aus den Städten ab."

Dass die Miet- und Kaufpreise weiter steigen werden, da sind sich die Makler einig. Das gilt für die ganze Region. Schreck: "Städte mit guter Verkehrsanbindung nach Augsburg oder München bleiben beliebt. Dort wird es künftig teurer." Andernorts aber könnten Mieter auf moderater steigende Preise hoffen.

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24.07.2019

>> Er befürchtet Zustände wie in den USA, wo sich zum Teil wildfremde Menschen Einzimmerwohnungen teilen müssten, weil sie sich die Miete allein nicht leisten können. <<

Mal etwas nachgedacht; wenn das wie aktuell mit starkem Wohnungsneubau einhergeht, kann doch nur ein extremer Bevölkerungszuwachs zu einer solchen Situation führen?

Was ist das Ziel bei solchen Äußerungen?

Gleichzeitig wird uns heute ja auch dieser Artikel serviert:

https://www.augsburger-allgemeine.de/newsticker/Studie-Wohnen-in-Deutschland-vergleichsweise-guenstig-id55002926.html

>>Ungeachtet des rasanten Anstiegs der Immobilienpreise in den Großstädten ist Wohnen in Deutschland immer noch weniger teuer als in vielen anderen europäischen Ländern. <<

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