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Ryanair

04.12.2018

Streiks vom Tisch: Deutsche Piloten bei Ryanair fast am Tarifziel

Ryanair-Maschine auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens.
Bild: Silas Stein, dpa (Archiv)

Ryanair muss sich ändern - mit dieser Parole sind Piloten und Flugbegleiter in den Tarifstreit gegangen. Tatsächlich tut sich was.

Beim Billigflieger Ryanair müssen die Passagiere zunächst keine weiteren Streiks an den deutschen Basen fürchten. Das Unternehmen hat sich mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) auf wesentliche Eckpunkte eines umfassenden Tarifwerks geeinigt, das nun näher verhandelt werden soll. Bis Ende Februar sollen Gehaltstarif und Manteltarif stehen, die dann bis März 2023 gelten sollen, wie beide Seiten am Dienstag mitteilten.

VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher zeigte sich optimistisch, die angestrebte Einigung erreichen zu können. "Ich bin da sehr positiv", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die grundsätzliche Einigung wurde mit Hilfe der beiden Schlichter Stefan Simon und Holger Dahl bereits am Freitag getroffen. Für das Kabinenpersonal hatte Verdi schon im November eine ähnliche Grundsatzvereinbarung mit Ryanair abgeschlossen. Auch hier stehen noch die nähere Ausarbeitung sowie die abschließende Urabstimmung der Beschäftigten aus.

Der größte europäische Billigflieger wurde im gesamten Jahr 2018 von wechselnden Streiks der Flugbegleiter und Piloten in verschiedenen europäischen Ländern getroffen. Das früher strikt anti-gewerkschaftlich orientierte Unternehmen hatte 2017 nach erheblichen Personalengpässen erklärt, künftig mit den Arbeitnehmervertretungen zusammenarbeiten zu wollen. Zuvor waren die Iren wegen fragwürdiger Beschäftigungsmodelle und schlechter Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten.

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Die nun erreichten grundsätzlichen Vereinbarungen mit den deutschen Gewerkschaften reihen sich ein in Verträge in Portugal, Spanien, Irland, Großbritannien, Griechenland, Schweden, Belgien und Italien.

Die gut 400 in Deutschland stationierten Piloten hatten vor knapp einem Jahr erstmals gestreikt und im laufenden Jahr noch drei Mal die Arbeit niedergelegt. Hunderte Flüge fielen aus.

Ryanair-Piloten bekommen mehr Geld

Nun sollen unter anderem die Grundgehälter deutlich steigen, teils zulasten der variablen Gehaltsbestandteile. Ganz junge Co-Piloten könnten mit einer Verdoppelung ihres Fixgehalts auf 50.000 Euro pro Jahr rechnen, heißt es in Papieren der Tarifkommission. Für Kapitäne soll es um bis zu 33 Prozent auf zunächst 100.000 Euro hochgehen. Unter dem Strich gebe es leichte Steigerungen des Gesamtgehalts, die aber nicht näher beziffert wurden. Weitere jährliche Steigerungen bis zum Ende der Laufzeit wurden bereits vereinbart.

Ryanair habe seine Ankündigung bereits umgesetzt, die in Deutschland eingesetzten Piloten selbst anzustellen, sagte Schumacher. Früher hatte es viele prekäre Arbeitsverhältnisse als Scheinselbstständige gegeben, die dann von Personaldienstleistern an Ryanair verliehen wurden. Ab Ende Februar 2019 sollen die Arbeitsverträge zudem auf deutsches Recht umgestellt werden, ab April werde deutsches Steuerrecht angewendet. Wegen der geringeren Steuersätze im Vergleich zu Irland steige damit das Nettogehalt der Piloten.

Auch für den Fall von Stationsschließungen und Versetzungen seien soziale Regelungen gefunden worden, bestätigten beide Seiten. Dies soll auch rückwirkend für die geschlossene Station Bremen und die reduzierte Mannschaft in Weeze am Niederrhein gelten. Auch über die Bildung eines Cockpit-Betriebsrats nach Tarifrecht sei man sich einig, erklärte die VC. Die vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzesänderung zur leichteren Bildung von Betriebsräten für das fliegende Personal wolle man nicht abwarten.

Die insgesamt vier Tarifverträge sollen bis Ende Februar (Gehalt und Mantel) beziehungsweise zum 1. April unter Dach und Fach sein. Bis dahin wird es wegen der vereinbarten Friedenspflicht auch keine weiteren Streiks der in Deutschland stationierten Piloten mehr geben.

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Er fliegt mit seinen einheitlichen Boeing 737-Maschinen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an und operiert von 86 Basen in Europa und Nordafrika. Das hochprofitable Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 14 500 Menschen. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machten die Iren bei 7,15 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro. Für den November vermeldeten die Iren mit 10,4 Millionen Passagieren einen neuen Rekord. Die Auslastung habe bei 96 Prozent gelegen. (dpa)

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