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Ulm
25.07.2014

Auto fährt wie von Geisterhand

Forscher der Universität Ulm und Entwickler des Autobauers Daimler arbeiten an einem Auto, das von selbst fährt.
Foto: Alexander Kaya

Auf dem Ulmer Eselsberg fährt ein Auto völlig selbstständig umher. Wie die Universität Ulm und der Autobauer Daimler an der Zukunft einer ganzen Industrie basteln.

Die Hände des Fahrers liegen auf dem Schoß. Nun ja, Fahrer ist Felix Kunz in diesem Moment nicht wirklich. Wie von Geisterhand gesteuert lenkt der Mercedes 500 E durch den Kreisverkehr. Gibt selbstständig Gas und bremst an roten Ampeln. Auch an Zebrastreifen bremst das autonom fahrende Auto ohne menschliches Zutun und lässt die Frau passieren. Theoretisch. Denn wenn Fußgänger ins Spiel kommen, hört das Vertrauen in die Technik auf, dann ergreift der 33-jährige Doktorand des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik an der Ulmer Uni lieber selbst die Initiative.

Viel fortschrittlicher als das "Google-Fahrzeug"

Gestern stellte Institutsdirektor Professor Klaus Dietmayer erstmals das an der Ulmer Uni entwickelte Testfahrzeug vor. Selbstbewusst ist der Ingenieur. „Wir spielen weit vorne mit“, sagt er über den Vergleich mit anderen Akteuren auf diesem Feld. Das publikumswirksam präsentierte „Google-Fahrzeug“ etwa verwende keine seriennahe Sensorik, die so leicht integriert werden könne. Das in der Ulmer Uni entwickelte automatisierte Fahrszenario sei technologisch so herausfordernd, dass es weltweit nur von wenigen Forschungsgruppen realisierbar ist.

Dietmayer hat ein Ziel vor Augen: Am 31. September 2031, dem Tag seiner Pensionierung, möchte er das erste wirklich autonome Fahrzeug vorstellen. Eine Serieneinführung einer Automatisierungsfunktion für bestimmte Autobahnabschnitte erwartet Dietmayer schon in fünf bis sechs Jahren. Die Präsentation seines wissenschaftlichen Mitarbeiters Felix Kunz zeigte, dass der Weg dahin eigentlich nicht mehr weit ist. Aber nur eigentlich. „Der Mensch ist in einigen Dingen so verdammt gut, dass wir noch viel forschen müssen“, sagt der Institutsdirektor. Insbesondere meint der Ingenieur den Umgang mit unvorhersehbaren Ereignissen.

Die deutschen Autoproduzenten arbeiten an der Mobilität der Zukunft

Zwar erkennen die im Auto verbauten Radargeräte und Laser-Scanner locker einen Ball, der auf die Straße rollt. Doch bei einem drohenden Zusammenprall mit dem nachfolgenden Kind will man Entscheidungen noch nicht dem Computer überlassen. Vor zwei Jahren entschied sich Dietmayer, ein automatisiertes Fahrzeug zu entwickeln. Ihm war klar, dass der Ulmer Eselsberg sehr fruchtbar ist, was Entwicklungen im Automobilbereich angeht: In mehr oder weniger direkter Nachbarschaft forschen alle deutschen Hersteller an der Mobilität der Zukunft.

BMW entwickelt Software für Fahrzeugvernetzung, Audi erforscht die Einbindung des Internets sowie Navigation und Sprachsteuerung. Und im Daimler-Forschungszentrum wurde nicht zuletzt Car2go, das Mietwagensystem, erfunden. Dietmayer ist zudem Leiter von „Drive U“, einem gemeinsamen Innovationszentrum von Daimler und der Universität Ulm. Zusammen mit dem Stuttgarter Weltkonzern arbeitet der Forscher insbesondere an einer großen Schwäche aller bekannten Systeme des automatisierten Fahrens: der mangelnden Robustheit. Für eine Serieneinführung ist eine Funktionsfähigkeit bei Tag und Nacht unter allen Witterungsbedingungen erforderlich. Konkretes Ziel der Forscher ist, dass das System selbst seine Leistungsfähigkeit einschätzen kann. Also etwa bei schlechter Sicht langsamer fährt. Wie der Mensch also. Zumindest in der Theorie.

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