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Tarifstreit

01.02.2018

Umstrittenes Mittel: Was bewirken 24-Stunden-Streiks?

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn sowie das Recht, die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Am Donnerstag wird bei Renk in Augsburg gestreikt.
Bild: Andrea Wenzel

Die IG Metall will in den laufenden Tarifverhandlungen mit den ganztägigen Streik-Aktionen Druck ausüben. Doch das Mittel ist umstritten. Was die Arbeitsniederlegungen bewirken.

Im tristen Grau des Donnerstags waren sie ein regelrechter Farbtupfer: Die Mitarbeiter des Augsburger Antriebsspezialisten Renk standen mit roten Westen und Mützen, Fahnen schwenkend vor den Werkstoren. Mit ihrem farbenfrohen und lauten Auftritt wollte die Renk-Belegschaft ein deutliches Signal an die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie senden: „Wir möchten einen Anteil am Erfolg der Unternehmen und sind mit dem bisherigen Angebot der Arbeitgeber nicht zufrieden“, waren sich die Redner der IG-Metall bei der zentralen Kundgebung einig.

Tarifverhandlungen: 24-Stunden-Warnstreiks sind umstrittenes Druckmittel

Der Streik war kein gewöhnlicher Warnstreik. Von sechs Uhr morgens an ruhte die Arbeit im Werk. Der 24-Stunden-Warnstreik hatte begonnen – an diesem Tag zum ersten Mal in Schwaben. Seit diesem Jahr setzt die Gewerkschaft das Instrument ein, das der Vorstand der IG Metall im vergangenen Jahr beschlossen hatte.

Das Neue an den 24-Stunden-Streiks: Obwohl es keine Urabstimmung gibt, legen die Beschäftigten ihre Arbeit für einen ganzen Tag nieder. Denn Warnstreiks dauern normalerweise lediglich zwei bis drei Stunden. Soll mehrere Tage gestreikt werden, müssen die Gewerkschaftsmitglieder darüber abstimmen, in der sogenannten Urabstimmung. Der 24-Stunden-Streik liegt dazwischen. Und das war auch der Grund, warum die Gewerkschaft das neue Kampfmittel eingeführt hat. Sie wollte eine Stufe zwischen den kurzen Warnstreiks und den unbefristeten Streiks schaffen. Der Vorteil aus Gewerkschaftssicht: Der Druck auf die Unternehmen lässt sich erhöhen, ohne zum schärftsten Mittel – einem unbefristeten Streik – zu greifen.

Dass die ganztägigen Streiks die Arbeitgeber verärgern, lässt sich an den zahlreichen Vorgängen an Arbeitsgerichten ablesen. Dort versuchen zum einen verschiedene Arbeitgeber, die Streiks per einstweiliger Verfügung zu verbieten. In Krefeld und Nürnberg scheiterten sie aber daran. Zum anderen versuchen die Arbeitgeberverbände, die Tagesstreiks gerichtlich verbieten zu lassen.

Streikende hoffen, dass sich Gewerkschaft und Arbeitgeber schnell einigen

So klagte etwa der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie beim Arbeitsgericht München auf Unterlassung und Schadensersatz. Und rechnete gleichzeitig vor, wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch die ganztätigen Streiks liege. Alleine durch die Aktionen am Mittwoch seien in Bayern Kosten von 18 Millionen Euro entstanden – gemeint sind damit ausgefallene Umsätze. Denn während des Streiks zahlen die Unternehmen keinen Lohn. Einen Ersatz für ihre Gehälter bekommen Gewerkschaftsmitglieder von der IG Metall. Auch dadurch unterscheiden sich die 24-Stunden-Aktionen von kurzfristigen Warnstreiks.

Für die Arbeitgeber werden die ganztätigen Arbeitsniederlegungen vor allem deswegen zum Problem, weil sie die Lieferketten unterbrechen. Die wenigsten Betriebe haben noch ein Lager. Deshalb führen die Streiks auch in Betrieben, die nicht bestreikt werden, zu Produktionsausfällen, sagen die Arbeitgeber.

Bei den Streikenden in Augsburg war die Laune am Donnerstag noch gut. Aber sie hofften, dass sich die Tarifparteien schnell einigen. Beide Seiten signalisierten gestern zumindest Gesprächsbereitschaft. Wann genau die Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg weitergehen werden, ist zwar noch unklar. Im Raum steht aber ein Termin zu Beginn der kommenden Woche.

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