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Konjunktur

13.11.2019

Unter der Flaute in China leiden auch bayerische Unternehmen

Die Produktion von Einkaufswagen bildet nach wie vor den Kern des Geschäfts bei Wanzl. Andere Felder sollen ausgebaut und neue Märkte erschlossen werden.
Foto: Wanzl Metallwarenfabrik

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger klagt über immer neue Handelshürden. Steigt die Unsicherheit deshalb? Auch Unternehmen aus Schwaben haben zu kämpfen.

Die fetten Jahre sind in China vorbei – und das spüren auch die bayerischen Unternehmen. Das Auftragsvolumen aus Fernost ist nach einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer im produzierenden Gewerbe in Schwaben in den letzten sechs Monaten um 32 Prozent gesunken. IHK-Sprecher Thomas Schörg analysiert: „Das ist ein sich verfestigender Trend, den wir beobachten können.“ Auch die Erwartungshaltung für 2020 bleibe eingetrübt.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: Unsicherheit ist gestiegen

Die sich verlangsamende Konjunktur und der Handelskrieg zwischen Washington und Peking schlagen auch auf die Stimmung deutscher Unternehmen in China. Das zeigt der Geschäftsklima-Umfrage der Außenhandelskammer in Peking. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonte gegenüber unserer Redaktion: „Die größte Herausforderung liegt zum einen in der extrem gestiegenen Unsicherheit über die weitere Entwicklung von Zöllen, Regulierungen und anderen Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen. Sie liegt zum anderen in den – trotz aller Bekenntnisse der chinesischen Regierung zu offenen Märkten – nach wie vor bestehenden Hindernissen beim Zugang zu bestimmten Branchen, in der mangelnden Transparenz bei Ausschreibungsprozessen, bei Genehmigungsprozessen oder gerichtlichen Auseinandersetzungen.“

Zudem seien neue Hürden hinzugekommen, wie zum Beispiel die Einführung des sogenannten Sozialpunktesystems auch für Unternehmen oder die Einschränkungen im Datenverkehr durch das Cybersecurity-Gesetz.

China ist für Bayern der wichtigste Handelspartner weltweit. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsvolumen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums rund 33 Milliarden Euro. Die Wirtschaft in China wuchs indes mit zuletzt sechs Prozent so gering wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr.

Schwabens Unternehmen haben auch mit der Flaute in China zu kämpfen

Eines der schwäbischen Unternehmen, das auch in China produziert, ist Wanzl aus Leipheim. In seinem Werk in Shanghai werden Ausstattungsgegenstände für den Einzelhandel produziert – vom Einkaufswagen bis zum Regal. Bernhard Renzofer, der Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, sagt: „Wie andere Unternehmen sehen auch wir die Entwicklungen skeptisch und planen vorsichtig für die nächsten zwei Jahre.“ Ohne die Sondereffekte – neue Kunden zum Beispiel oder neue Produkte – sehe man bei Wanzl das Wachstum für das Geschäft in China „verhalten“. Der Grundoptimismus, der in den vergangenen Jahren da gewesen sei, der habe sich jetzt „eingetrübt“.

Nach der Umfrage der Außenhandelskammer erwarten nur rund ein Viertel aller deutschen Betriebe, dass sie ihre Geschäftsziele für dieses Jahr noch erreichen. Und auch in dem kommenden Jahr wird sich an der Lage wohl nichts ändern: „2020 wird sehr wahrscheinlich durch die vom Handelskonflikt und der Abschwächung des globalen sowie chinesischen Wirtschaftswachstums bedingten Unsicherheiten geprägt sein“, sagte Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Handelskammer in Peking.

Der Leiter des China-Zentrums-Bayern in Ingolstadt, Hannes Schleeh, bleibt dennoch optimistisch: „Für deutsche Unternehmen bleiben die Chancen in China auch unter sich veränderenden weltwirtschaftlichen Bedingungen sehr gut.“ Der Markt habe mit 1,4 Milliarden Menschen ein großes Potenzial und sei zudem sehr homogen.

Lesen Sie dazu auch: Abschwung in China besorgt deutsche Firmen

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