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Umfrage

15.08.2019

Verbraucher wünschen sich Lebensmittelampel

In Frankreich wurde der schon eingeführt: der Nutri-Score. Eine Kennzeichnung, die auf der Lebensmittelverpackung angibt, wie gesund etwas ist.
Bild: dpa

Schon bald soll auf Lebensmittelverpackungen stehen, wie gesund oder ungesund der Inhalt ist. Doch Kunden können damit nichts anfangen

Wie gesund ist unser Essen? Um diese Frage auf einen Blick zu beantworten, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein System entworfen, das zukünftig auf allen Lebensmittelverpackungen abgedruckt werden soll. Das Problem ist nur: Der von Klöckner konzipierte Wegweiser verwirrt die Verbraucher. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Konsumenten. Nur fünf Prozent halten die Lebensmittelampel der CDU-Politikerin für schnell erfassbar, 65 Prozent hingegen für kompliziert. In Auftrag gegeben hat die Untersuchung ein Bündnis, das sich mit Klöckner seit langem über die richtige Kennzeichnung von Lebensmitteln streitet. Ihm gehören unter anderem die Deutsche Diabetes Gesellschaft, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und die Verbraucherorganisation Foodwatch an.

Klöckners Gegner trommeln für ein anderes Modell. Es heißt Nutri-Score und wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt. Nutrition ist das französische Wort für Ernährung. Score wiederum ist englisch und lässt sich mit Wertung übersetzen. Der Ansatz arbeitet mit den Ampelfarben – grün ist gesund, gelb vertretbar und rot bedeutet ungesund. Ergänzt wird es durch Buchstaben von A für gut bis E für bedenklich. Verwendet wird die Farbskala bereits in Frankreich und Belgien. Spanien hat angekündigt, sie einzuführen. In der Befragung sprachen sich 69 Prozent der Teilnehmer für diese Kennzeichnung aus, 25 Prozent für den Wegweiser der Landwirtschaftsministerin. Unentschieden waren sechs Prozent.

Klöckner hat viel Druck von der Lebensmittelindustrie erhalten. Teile der Unternehmen fürchten, dass sich ungesunde Nahrungsmittel schlechter verkaufen. Dazu zählen zum Beispiel Limonade, Süßigkeiten, Chips, aber auch fett- und salzhaltige Wurst. Die zuständige Ministerin hat deshalb ein Wabenmodell entwickeln lassen. Es arbeitet nicht mit den Ampelfarben. Die Industrie lehnt rot ab, weil es aus ihrer Sicht ein Verbot signalisiert. Die Waben enthalten detaillierte Informationen über den Nährwert, sind aber aus diesem Grunde schwerer zu verstehen. Ein Sternesystem soll Verbrauchern ihre Entscheidung erleichtern. Ein Stern heißt ungesund, fünf Sterne meinen gesund.

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Lebensmittelampel: Ärzte kritisieren ungesunde Ernährung der Deutschen

Allerdings tobt auch im Lager der Lebensmittelfirmen ein Kampf. Iglo wollte vorangehen und den Nutri-Score auf seine Verpackungen von Fischstäbchen und Fisch-Filets drucken. Daraufhin wurde das Unternehmen verklagt. Der Rechtsstreit dauert an. Auch Bofrost hat sich dazu entschlossen, die Lebensmittelampel auf seine Packungen zu nehmen. Der Lebensmittelgigant Nestlé will im Herbst folgen.

Ärzte mahnen seit Jahren, dass die Deutschen schlecht essen. Zu viel Zucker, zu viel Salz, zu viel Fleisch kommen auf den Tisch. „15 Prozent der Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Ein entscheidender Risikofaktor für Übergewicht sind ungesunde Lebensmittel“, warnte Professor Berthold Koletzko vom Klinikum der Uni München bei der Vorstellung der Umfrage. Der Kinderarzt leitet die Ernährungskommission der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Vor allem in sozial schwächeren Familien werde sich ungesund ernährt. „Wenn Eltern einen geringen Bildungsstand haben oder übergewichtig sind, dann haben die Kinder ein deutlich höheres Risiko, auch dick zu werden“, erklärte der Mediziner. Die Zustimmung zum Nutri-Score liegt in dieser Bevölkerungsgruppe wegen der vertrauten Ampelfarben höher als bei Studierten. Übergewichtige leiden häufiger unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2.

Die Landwirtschaftsministerin lässt gerade in einer eigenen Umfrage erheben, welche Symbole bei den Verbrauchern am besten ankommen. Vier Modelle werden von Verbrauchern noch bis Ende August bewertet. Im September sollen dann die Ergebnisse vorgestellt werden. Danach soll entschieden werden, welche Kennzeichnung hierzulande vorgeschrieben wird. Klöckners eigene Experten vom staatlichen Max-Rubner-Institut für Ernährung kamen zu dem Schluss, dass der Nutri-Score „grundsätzlich vorteilhaft“ für die Nährwert-Kennzeichnung ist. Allerdings hat auch die Lebensmittelampel ihre Tücken, wenn zum Beispiel das allgemein als gesund betrachtete Olivenöl wegen seines hohen Fettgehalts mit rot bewertet würde.

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