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Datenschutz

31.10.2012

Vermartung von Kundendaten: Kritik an Plänen von O2-Mutter Telefónica

Die spanische Telefónica ist in Deutschland mit der Marke o2 vertreten.
Bild: dpa

Der Telefonriese Telefónica will die Bewegungsdaten seiner Kunden vermarkten und so neue Einnahmequellen erschließen. Neben Datenschützern kritisieren auch Politiker die Pläne.

Das Missbrauchspotenzial von "Smart Steps" - so der interne Arbeitstitel - des Projekts - sei viel zu hoch, erklärte der verbraucherschutzpolitische Sprecher der FDP im Bayerischen Landtag, Andreas Fischer. "Dieses Programm muss sofort gestoppt werden."

Kritik kam auch aus der Piratenpartei. "Big Data" sei zwar ein großes Trendthema der Wirtschaft, sagte der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Nerz. "Aber es ist gleichzeitig erschreckend. Menschen werden immer mehr zur Ware." Den Kunden müsse die Möglichkeit gegeben werden, die Nutzung der Bewegungsdaten abzulehnen.

Dabei sei O2 nur die Spitze des Eisbergs, sagte Nerz und forderte "ein grundsätzliches Umdenken in der Politik". Bislang würden bei Datenschutzgesetzen zu sehr die Interessen der Wirtschaft berücksichtigt. Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) twitterte: "Wenn O2 jetzt von Kunden ordentlich & öffentlich Feuer bekommt wg. Vermarktung von Standorten", würden sich die anderen Mobilfunkbetreiber das gut überlegen.

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Telefónica will Bestandsdaten mit Bewegungsdaten verbinden

Als erstes Telekommunikationskonzern in Europa will die O2-Mutter Telefónica sogenannte Bestandsdaten mit Bewegungsdaten verbinden. Möglich machen soll das ein Produkt namens "Smart Steps" (Schlaue Schritte). Es zeichnet die Bewegungen des Smartphone-Besitzer minuten- und metergenau auf - etwa welchen Weg die Person zur Arbeit nimmt, wo sie unterdessen ihren Kaffee kauft und vor welchen Schaufenstern sie stehenbleibt.

Gemeinsam mit den Bestanddaten - also etwa Alter und Geschlecht - ließen sich diese Informationen perfekt aufbereiten - für die Wirtschaft (und für die Telefónica) ein wahrer Goldschatz. "Smart Steps" soll das Verhalten von Kunden und die Einflüsse darauf für Unternehmen und Organisationen aus dem öffentlichen Sektor mess- und vergleichbar sowie verständlich machen, heißt es in einer Mitteilung der Telefónica.

Welche Rolle spielen die Daten der O2-Nutzer?

Dabei könnte der Konzern auch auf Daten von Kunden seiner deutschen Mobilfunktochter o2 zugreifen, wie die Digital-Tochter bereits Mitte Oktober mitteilte. Laut tagesschau.de soll "Smart Steps" zunächst in Großbritannien an den Start gehen, später dann in Deutschland. Ein O2-Sprecher in München sagte am Dienstag hingegen, es gebe noch keine konkreten Pläne für Deutschland.

Die Telefónica hat für das neue Großprojekt unlängst eigens die Abteilung "Telefónica Dynamic Insights" gegründet. Als kompetenter Partner in Sachen Marktforschung sitzt zudem die Nürnberger GfK mit im Boot.

Datenschützer haben juristische Zweifel an "Smart Steps"

Marit Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein bezweifelt, dass "Smart Steps" derzeit mit der Rechtslage in der EU und Deutschland vereinbar wäre. Laut dem Bundesdatenschutzbeauftragten setzt eine Auswertung der Ortsdaten von Mobilfunkteilnehmern entweder eine Einwilligung des Kunden oder eine vollständige Anonymisierung der Daten voraus.

Zwar betonte ein O2-Sprecher, dass der Datenschutz zu hundert Prozent gewährleistet sein müsse und die aggregierten Daten völlig anonym bleiben sollen. Datenschützer sind da jedoch skeptisch. Nach den derzeitigen Kentnissen zu den Telefónica-Plänen könne nicht von vollständig anonymisierten, sondern bestenfalls von pseudonymisierten Daten gesprochen werden, sagt Hansen im Gespräch mit augsburger-allgemeine.de. Standortdaten seien äußerst sensibel. "Wenn aufgezeichnet wird, wo jemand jeden Morgen losgeht, wo er sich seinen Kaffee kauft, wo er arbeitet und Mittag macht, ist das nicht sonderlich anonym."

Erfolgreicher Börsenstart von O2

O2 ist nach eigenen Angaben mit mehr als 25 Millionen Kunden der drittgrößte Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Am Dienstag legte das Unternehmen einen gelungenen Börsenstart mit Kursgewinn hin. Die spanische Mutter Telefónica kassiert für die Platzierung von gut 23 Prozent ihrer Anteile an der deutschen Tochter rund 1,45 Milliarden Euro - Geld, das der hoch verschuldete Mutterkonzern angesichts eines Schuldenbergs von 58 Milliarden Euro gut gebrauchen kann. Die Monetarisierung der Kundendaten könnte ein weiterer Schritt zur Entschuldung sein. mit dpa

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