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Bologna-Reform

24.04.2015

Viele Unternehmen sind unzufrieden mit Bachelor-Absolventen

Taugen Bachelor-Absolventen nichts? Dieser Auffassung sind laut einer Studie viele deutsche Unternehmer.
Bild: Aleksandra Bakmaz (dpa)

Die deutsche Wirtschaft ist wenig begeistert von den Bachelor-Absolventen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Kritiker vermuten jedoch noch einen weiteren Grund hinter der Abrechnung.

Mit der "Bologna-Reform" wurde vor 15 Jahren der Bachelor-Abschluss auch in Deutschland etabliert. Die Wirtschaft ging freudig davon aus, dass damit mehr gute junge Mitarbeiter bereitstehen. Doch die Euphorie hat sich stark abgekühlt, wie eine neue Umfrage zeigt.

In der deutschen Wirtschaft regt sich Unzufriedenheit mit der Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen. Bei einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben nur noch 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufseinsteiger mit diesem Hochschulabschluss ihre Erwartungen erfüllten. 2007 waren 67 Prozent aller Firmen mit den Absolventen zufrieden, 2011 noch 63 Prozent. Für die Erhebung, über die zunächst die Zeitung "Die Welt" (Donnerstag) berichtete, wurden 2000 Unternehmen befragt.

Firmen fordern stärkere Praxisorientierung an den Unis

Besonders kleine Firmen, Tourismus- und Service-Unternehmen wie Gesundheitsdienstleister sind demnach von den Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen enttäuscht. Etwa jedes dritte Unternehmen aus diesen Wirtschaftszweigen wünscht sich eine stärkere Praxisorientierung der Studiengänge. 

Der Bachelor ist ein mit der Bologna-Reform 1999 in mittlerweile 47 Ländern eingeführter akademischer Grad. Er soll der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss sein. In den meisten Fällen hat das Bachelor-Studium nur drei bis vier Jahre Regelstudienzeit.

Deutsche IHK will weniger Studienplätze

DIHK-Präsident Eric Schweitzer nannte die Entwicklung besorgniserregend. "Nur 15 Prozent der Betriebe sagen, dass die Bachelor-Absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind." Lediglich große Firmen könnten sich "eine Nachqualifizierung in der Regel auch zeitlich und finanziell leisten. Kleine Unternehmen stoßen da schnell an ihre Grenzen." Die Universitäten müssten "in erster Linie dafür sorgen, dass die Bewerber für den Arbeitsmarkt gerüstet sind", sie dürften das nicht auf die Wirtschaft abschieben.

Der DIHK-Chef forderte unter Hinweis auf hohe Abbruchquoten gerade auch bei Bachelor-Studenten Konsequenzen: "Die Zahl der Studienplätze kann nicht grenzenlos steigen. Ich bin sogar dafür, sie wieder zu verknappen." So sollten die Hochschulen "mit sinnvollen Zulassungsbeschränkungen, die sich nicht nur an Abiturnoten orientieren dürfen, geeignete Kandidaten für die richtigen Fächer finden". 

Er könne sich vorstellen, "dass die wachsende Unzufriedenheit mit den Bachelor-Kandidaten auch mit dem sinkenden Alter der Absolventen zusammenhängt", sagte Schweitzer. Dagegen seien nämlich die Betriebe mit - in der Regel älteren, weil länger studierenden - Master-Absolventen sehr zufrieden: "78 Prozent sehen ihre Erwartungen in sie erfüllt, 2011 waren es nur 65 Prozent", so die DIHK-Befragung.

Früher zu alt, heute zu jung - Kritiker halten Beschwerden für politisch motiviert

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung rät jedoch zur Vorsicht bei Pauschalurteilen über die Bachelorstudenten. Sie vermutet hinter der Kritik der Industrie- und Handelskammern eine politische Absicht. Immer mehr Studenten bedeuten weniger Lehrlinge, was nach Angaben der Zeitung vor allem dem Handwerk nicht gefallen könne. Auch die Westfalenpost findet die Beschwerden der Unternehmen überzogen: Kritik sollte da geübt werden, wo sie notwendig ist. Die Unternehmer schießen mit ihrer Generalabrechnung am  Bachelor-Abschluss über das Ziel hinaus. Denn sie schließt den  gesamten Bologna-Prozess ein, der nicht mehr rückgängig zu machen  ist.

Kommentator Stefan Pohl weist außerdem daraufhin, dass Menschen mit gutem Gedächtnis noch die Klage im Ohr hätten, deutsche Universitäts-Absolventen seien im internationalen Vergleich  zu alt - beim Bachelor-Abschluss sind sie deutlich jünger, aber das  ist jetzt offenbar auch nicht mehr richtig, weil naturgemäß  Lebenserfahrung und Praxisbezug fehlen.

Der wohl größte Nachteil der Bachelor-Absolventen sei laut der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung das Alter der Studenten.  "Fehlende Reife" wird ihnen vielfach attestiert. Dafür aber können  die jungen Menschen nichts. Das ist die logische Folge verkürzter  Schul- und Studienzeiten. Abi mit 18, Bachelor mit 21 - unter diesen  Bedingungen müssen Unternehmen selbst "nachjustieren", wenn sie  Nachwuchs-Führungskräfte haben wollen, so die WAZ. dpa/ots/AZ

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