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Getränke

10.01.2019

Warum Lemonaid sich nicht mehr Limonade nennen darf

Die Firma Lemonaid stellt Bio-Brause her. Eine Hamburger Behörde verlangt nun, dass das Unternehmen seine Getränke nicht mehr Limonade nennt.
Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Das Hamburger Unternehmen verkauft Brause aus Bio-Zutaten. Jetzt soll die Firma ihre Getränke umbenennen - oder mehr Zucker hinzufügen.

Wenn ein Getränkehersteller Post von einer Lebensmittelbehörde bekommt, heißt das meist nichts Gutes. Häufig geht es dann um unappetitliche Dinge, um Zutaten, die ein Verbraucher überall vermutet, nur nicht in seinem Lieblingsgetränk. Auch beim Hamburger Unternehmen „Lemonaid“, das Bio-Brause herstellt, ist jetzt ein solcher Behörden-Brief gelandet.

Der Inhalt ist allerdings eher skurril: Das örtliche Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt teilt der Firma darin mit, dass sie ihre Limetten-Limonade eigentlich gar nicht als solche bezeichnen dürfte. Denn das Getränk enthält nur sechs Prozent Zucker – und damit ein Gramm zu wenig, um in Deutschland den Namen Limonade zu tragen.

Lemonaid soll für seine Limonade mehr Zucker verwenden

Ganz konkret verstößt Lemonaid gegen die Leitsätze für Erfrischungsgetränke. Die stehen im Deutschen Lebensmittelbuch, in dem die Rezepturen für über 2000 Nahrungsmittel gesammelt sind. Diese Leitsätze legen fest, was Verbraucher erwarten können, wenn sie eine bestimmte Wurst, eine Semmel oder eben eine Limonade kaufen. So findet sich im Lebensmittelbuch etwa der Hinweis, dass ein Kilogramm Eier-Spätzle mindestens 200 Gramm Ei enthalten muss, dass ein Wiener Schnitzel aus Kalbfleisch zubereitet wird und im Erdbeereis mindestens 20 Prozent Früchte stecken sollten. Die Leitsätze haben zwar keine Gesetzeskraft, gelten in der Branche aber als bindend.

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Aus diesem Grund hatte die Hamburger Behörde Lemonaid den Vorschlag gemacht, die vermeintliche Limetten-Limonade entweder umzubenennen – oder einfach mehr Zucker in die Brause zu mischen. Eine erstaunliche Forderung in einer Zeit, in der die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner und ihre Mitarbeiter gerade erst einen Plan ausgearbeitet hat, wie die Menge von Zucker und Fett in Lebensmitteln deutlich heruntergeschraubt werden kann. Sie wolle, sagte Klöckner bei der Vorstellung der Strategie, „die gesunde Wahl zur leichten Wahl machen“.

Julia Klöckner will weniger Zucker in Lebensmitteln

Ähnlich sieht das der Hamburger Limonaden-Hersteller – und will deshalb nicht auf die Forderung der Behörde eingehen. „Seid so süß und ändert die Richtlinie“, schreibt das Unternehmen stattdessen in einer Stellungnahme. „Natürliche Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden – sondern der Normalfall sein.“

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