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Arbeit

11.02.2019

Was ist nur mit den Jungen los? So tickt die "Generation Z"

Die Generation Z ist vernetzt, global und digital. Gleichzeitig sind jungen Menschen aber traditionelle Werte wichtig, genauso ein geregelter Feierabend.
Bild: Fotolia

Sie können nicht richtig schreiben und bei der kleinsten Herausforderung werfen sie hin. So sehen viele Chefs junge Arbeitnehmer. Aber stimmt das?

„Keiner schreibt mehr Bewerbungen ohne Rechtschreibfehler.“ „Die Jugendlichen kommen in den Betrieb und sobald die Anforderungen höher werden, gehen sie.“ „Viele Jugendliche unterschreiben einen Arbeitsvertrag und sagen kurz vor Beginn ab.“ „Es gibt einfach keine guten Mitarbeiter mehr.“ So oder ähnlich lauten die Klagen vieler Firmen. Es scheint, als fragten sich alle: „Was ist bloß mit der Jugend los? Gibt es denn gar keine Guten mehr?“ Ja, was ist los? Und an wem liegt es? An den Jungen oder an den Unternehmen?

Die Menschen, die jetzt nach und nach auf den Arbeitsmarkt strömen, haben von Sozialwissenschaftlern schon etliche Namen bekommen: Generation Youtube, Generation Selfie oder einfach Generation Z. Sie sind zwischen 1994 und 2009 geboren. In einer Zeit, in der der Euro eingeführt wurde, zwei Flugzeuge in das World Trade Center rasten, mit Barack Obama der erste Afroamerikaner US-Präsident wurde und mit Angela Merkel die erste Frau Bundeskanzlerin.

Für diese Jugendlichen ist vieles, was früher undenkbar war, selbstverständlich: Männer, die Männer heiraten und gemeinsam Kinder großziehen. Frauen, die Unternehmen leiten, womöglich gar in Teilzeit. Sie sind in einer Welt groß geworden, in der vieles unsicherer wurde, alte Bündnisse zu zerbrechen drohen – etwa die EU – und der Klimawandel immer greifbarer wurde. In der allerdings auch der Wohlstand so groß war wie noch nie. Die Jungen sehnen sich nach Geborgenheit, nach Familie. Viele haben schon die halbe Welt bereist und wohnen immer noch zu Hause. Gleichzeitig sind sie vernetzt, global und digital.

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Die "Generation Z" will an die Hand genommen werden

„Die Jugendlichen sind sehr konservativ“, sagt Rüdiger Maas. Der Psychologe leitet die nach ihm benannte Augsburger Unternehmensberatung Maas Beratung und hat mit einigen Kollegen ein Forschungsinstitut gegründet, das sich mit der Frage befasst: Welche Generation tickt wie? „Generation Thinking“ heißt es. Denn auch den Unternehmensberatern ist aufgefallen: Die Chefs und die Jugend, die verstehen sich irgendwie nicht mehr. Deshalb hat das Institut mehr als 2000 Jugendliche befragt, die alle kurz vor dem Berufseinstieg stehen, und wollte wissen: Was wünscht ihr euch von eurer Arbeit? Was erwartet ihr? Ihr so gewonnenes Wissen vermitteln sie in Workshops, um die Zusammenarbeit im Unternehmen zu verbessern. Denn sie stellen fest: Für Betriebe ist es nicht nur schwer, junge Mitarbeiter anzuwerben, sie tun sich auch weniger leicht, zwischen den verschiedenen Altersgruppen zu vermitteln.

„Es gibt Ausbilder, die glauben, Lehrlinge muss man abhärten, ins kalte Wasser werfen. Die müssen erst einmal beweisen, was sie können. Schließlich wurde das schon immer so gemacht“, sagt Lorenz Schlotter. Er ist Wirtschaftssoziologe und arbeitet ebenfalls für das Institut. Doch bei der Generation Z ist das genau die falsche Herangehensweise. Sie will jemanden, der sie an der Hand nimmt, alles geduldig erklärt. Ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Wertschätzung entgegenbringt. „Die Jugendlichen sind sehr behütet aufgewachsen“, sagt Maas. Stichwort Helikopter-Eltern. „Sie haben in der Regel nie gelernt, sich um Dinge alleine zu kümmern und sich Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Die Eltern haben immer geholfen.“ Die Eltern sind beste Freunde, Vertraute und nicht wie früher Abgrenzungsobjekt. „Das meine ich mit konservativ“, sagt Maas. Die Jugend rebelliert nicht. Sie übernimmt einfach die Werte, die ihr vorgelebt werden.

Es gibt ein Verständnisproblem - auf beiden Seiten

Und auch wieder nicht: Vieles, was ihre Vorgänger-Generation, die Y-ler, noch unbedingt von ihren Arbeitgebern wollten, lehnen die Nachfolger ab: Home-Office zum Beispiel, ständige Erreichbarkeit oder Büros, in denen jeder überall sitzen kann. „Die Jungen wollen Struktur. Sie wollen eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben. Sie wollen keine Überstunden machen“, sagt Maas. Wichtiger als ein hohes Gehalt sei ihnen ausreichend Freizeit, sagt er. In den Generationen, zu denen viele Chefs zählen, also unter den 40- bis 70-Jährigen, sei jedoch genau das Gegenteil der Fall: „Da ist man stolz, wenn man 60 Stunden die Woche arbeitet und auch noch nachts oder früh morgens E-Mails beantwortet. Damit können die Jugendlichen der Generation Z nichts anfangen.“ Und daraus entsteht ein Verständnisproblem. Auf beiden Seiten.

Das geht weiter beim Thema Büro-Einrichtung oder Stellenausschreibungen. „Diese Dinge werden meist von Älteren für Jüngere entworfen“, sagt Schlotter. „Das Ergebnis ist häufig nicht zielgruppenorientiert“, sagt er. Und plädiert deshalb dafür, mit der Zielgruppe selbst zu reden, was sie sich wünscht. „Die wollen zum Beispiel keine verspielte Einrichtung. Die sagen dann: Ich soll doch hier arbeiten.“ Bemühen müssen sich die Arbeitgeber aber um die Jungen: Sie wollen einen Chef, der eine Art Familienersatz ist. Und sie wissen, wie begehrt sie sind. Viele Ältere gehen demnächst in Rente, dafür kommen aber weniger Jüngere nach. Viele Firmen versuchen die Jungen deshalb mit Geschenken zu ködern: „Die Personaler sagen: Komm, ich schenke dir ein Auto. Aber die Jugendlichen wollen das gar nicht. Die wollen lieber das Versprechen: Um 17 Uhr hast du Feierabend und keiner kontaktiert dich mehr“, sagt Maas. Vielen Entscheidern fehlt dafür aber das Verständnis, wenn es um die Anwerbung von neuen Mitarbeitern geht.

Braucht es also Samthandschuh-Chefs? „Nein, als Vorgesetzter muss man nicht auf jede Befindlichkeit Rücksicht nehmen“, sagt Maas. „Aber man muss es schaffen, die Einführung ins Unternehmen gut zu gestalten. Dann bleiben die Jungen auch.“

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