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Luftverkehr

18.08.2017

Was ohne Air Berlin aus BER wird

Die Fluggesellschaft Air Berlin wollte ein Drehkreuz für Umstiege im neuen Berliner Flughafen BER errichten. Nun ist die Airline pleite. Zwar dürften ihre Start- und Landerechte in der Hauptstadt begehrt sein, doch ob sich damit genug Geld verdienen lässt, ist fraglich.
Bild: Ralf Hirschberger, dpa

Die Fluggesellschaft sollte einer der größten Kunden des neuen Hauptstadtflughafens werden. Doch seine Probleme haben auch zur Pleite der Airline beigetragen

Die absehbare Zerschlagung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin ist ein weiterer Schlag für das skandalumwitterte Flughafenprojekt BER – doch die Problembaustelle hat ihren Anteil an der Krise von Air Berlin.

Wie wichtig ist Air Berlin für den Flughafen BER?

„Air Berlin ist ein sehr wichtiger Partner“, sagt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Die Airline ist der größte Kunde am Flughafen Tegel. Mehr als jeder vierte Passagier hebt dort mit den rot-weißen Maschinen ab. Air Berlin hat als einzige Airline ein nennenswertes Langstrecken-Angebot im stark wachsenden Markt an der Spree. Im Neubau sollte ein Drehkreuz für mehr Umsteigeverbindungen entstehen. Seit einigen Jahren aber sah die Flughafengesellschaft das Risiko, dass wegen des Wettbewerbs einzelne Airlines in die Knie gehen. „Aufgrund der derzeitigen starken Nachfrage am Standort Berlin können Umsatzverluste mittelfristig durch andere Airlines ausgeglichen werden“, heißt es in den Geschäftsberichten.

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Haben die Flughafen-Probleme Air Berlin geschadet?

„Natürlich ist Air Berlin auch ein Opfer der dauernden Verschiebungen um den neuen Flughafen BER“, sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann der Zeit. Der Neubau ist wegen Baumängeln und Planungsfehlern seit 2011 überfällig. Air Berlin schreibt aber seit 2008 Verluste. Die Probleme sind hausgemacht: planloses Wachstum, unklare Strategie. Nach der geplatzten Flughafeneröffnung 2012 klagte die Airline auf 48 Millionen Euro Schadenersatz – und bekam zwei Millionen.

Braucht jetzt noch jemand BER?

Ja, denn der Berliner Luftverkehr wächst kräftig. 33 Millionen Fluggäste waren es vergangenes Jahr, 2020 sollen es 37 Millionen sein, 2025 42 Millionen – so die Prognosen. Die Altflughäfen Tegel und Schönefeld stoßen an ihre Grenzen. Die Start- und Landerechte von Air Berlin dürften begehrt sein.

Wer wird im neuen Großflughafen die erste Geige spielen?

Zweitgrößter Kunde in Berlin ist der Lufthansa-Konzern, sowohl mit der Hauptmarke als auch mit seiner Billigtochter Eurowings. Lufthansa aber hat seine Drehkreuze in Frankfurt und München, ein weiteres ist nicht geplant. Das Flughafen-Management rechnet außerdem damit, dass die Billigflieger weiter zulegen.

Was bedeutet das für den Flughafen?

Es wird zwar nicht unmöglich werden, mit dem Airport Geld zu verdienen und die Schulden zu tilgen. Aber es könnte schwieriger werden als geplant, sollte das Schönefelder Terminal kein Drehkreuz werden und damit dort weniger Menschen umsteigen und einkaufen als gedacht – was die Erlöse aus dem Einzelhandel schmälern würde.

Und wie soll es mit Air Berlin weitergehen?

Sehr wahrscheinlich wird der Konzern zerschlagen. Airline-Chef Thomas Winkelmann sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass man mit drei Fluggesellschaften verhandle. Bisher ist aber nur bekannt, dass eine davon die Lufthansa ist. Sie will sich rund 90 der 144 Flugzeuge sichern, bestätigten Unternehmenskreise. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll es Gespräche mit Easyjet und Tuifly geben. Die Verhandlungen mit der Lufthansa sind nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung schon weit fortgeschritten und könnten noch in den kommenden Wochen abgeschlossen werden.

Was sagen die Kartellwächter zur bevorstehenden Zerschlagung?

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach sich für eine Übernahme „wesentlicher Teile“ Air Berlins durch die Lufthansa aus. „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, sagte er der Rheinischen Post. Kartellrechtler sehen das kritischer. Achim Wambach, Chef der Monopolkommission, sagte in der Zeitung, Lufthansa müsse mit strengen Auflagen rechnen. Die Airlines seien auf vielen Strecken Konkurrenten. Die Lufthansa müsse für eine Fusion deshalb auf weite Teile der Landerechte von Air Berlin verzichten. (dpa, afp)

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