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Umweltschutz

10.02.2017

Wenn kleine Tiere gigantische Bauprojekte ausbremsen

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Die Zauneidechse behinderte Stuttgart 21.
Bild: Sabrina Schatz

Der Schierlings-Wasserfenchel verzögert die Vertiefung der Elbe. Auch bedrohte Tierarten gingen Bauherren bereits gehörig auf die Nerven. Eine Auswahl kostspieliger Fälle.

Was derzeit an der Elbe vor sich geht, erinnert an den Kampf David gegen Goliath: Auf der einen Seite stehen der seltene Schierlings-Wasserfenchel und seine menschlichen Verfechter. Auf der anderen Seite Hamburg und die Hafenwirtschaft. Letztere mussten sich vorerst geschlagen geben. Denn das millionenschwere Projekt Elbvertiefung verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Das hat am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Es fordert von den Planern Nachbesserungen in Sachen Umweltschutz.

Die Bauherren sind frustriert: Jahrelang hatten die Behörden des Bundes und des Landes Hamburg an den Plänen gefeilt und mit Umweltschützern, Fischern und Deichverbänden diskutiert. Denn: Will sich die Hansestadt nicht von Handels-Drehscheiben wie Rotterdam oder Antwerpen abhängen lassen, müssen die Bagger ran.

Doch nicht nur der Schierlings-Wasserfenchel hat Bauherren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch eine Reihe seltener Tierarten bremste Deutschlands Bauvorhaben aus.

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1. Zauneidechse gegen Bahnstrecke (Stuttgart/Ulm)

Das Milliarden-Projekt Stuttgart 21 verzögert sich wegen der Zauneidechse auf unbestimmte Zeit. Die Bahn entdeckte eine Population entlang einer geplanten Trasse zwischen Stuttgart und Ulm. Die Bagger durften die Kriechtiere jedoch nicht einfach platt walzen. Geschultes Personal muss sie umsiedeln - Tier für Tier. Die Spezialisten fangen die Tierchen mit einem Eidechsenlasso ein und bringen sie zu einer neuen Heimat. Kosten pro Tier: mehr als 8000 Euro.

2. Juchtenkäfer gegen Bahnhof (Stuttgart)

Auch dieses Tier  bereitete der Deutschen Bahn Kopfzerbrechen. Der Käfer lebte in Bäumen, die sich in unmittelbarer Nähe zum Stuttgarter Bahnhofsareal befunden haben. Die Bahn fällte die Bäume - es folgte ein kurzzeitiger Baustopp. Bis Ende 2012 lagen die Fällarbeiten auf Eis. Im vergangenen Jahr verpflanzte die Deutsche Bahn als Ersatz neue, zwölf Meter hohe Bäume. Da es dauert, bis die Juchtenkäfer sich dort einquartieren können, stehen Nistboxen bereit.

3. Wachtelkönig gegen Wohngebiet (Hamburg)

Weil der kleine Vogel in dem Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek nistete, wurde in den 1990er Jahren der Bau von rund 3000 Wohnungen gestrichen. Ein paar Jahre später durfte die Stadt doch loslegen - allerdings fiel das Wohngebiet deutlich kleiner aus. Zudem muss ein Zaun und Wassergraben die Siedlung von dem anliegenden Moor abgrenzen.

4. Kammmolch gegen Autobahn (Kassel)

Weil eine geplante Autobahntrasse in Hessen den Lebensraum tausender Kammmolche zerstört hätte, musste Hessen in den 1990er Jahren seine Verkehrsplanung ändern. Die Strecke der A49 zwischen Kassel und Gemünden wurde verlegt.

5. Kleine Hufeisennase gegen Brücke (Dresden)

Die Fledermaus behinderte den Bau der Waldschlösschenbrücke in Dresden. Das Verwaltungsgericht ordnete 2007 einen Baustopp an, um die seltene Population zu schützen. Die Kritiker ließen nicht lange auf sich warten: Der Umwelt- und Artenschutz werde instrumentalisiert, so der Vorwurf. Um die Brücke eröffnen zu können, traf Dresden kostspielige Maßnahmen - die Stadt verhängte ein nächtliches Tempolimit, pflanzte Hecken und installierte eine fledermausfreundliche Beleuchtung. Alles umsonst, sagen manche - denn seit der Eröffnung der Brücke 2013 wurde die Kleine Hufeisennase nicht mehr gesichtet.

6. Hirschkäfer gegen Flughafen (Frankfurt)

Der Hirschkäfer bereitete dem Flughafen Frankfurt am Main Probleme. Der Bau einer neuen, millionenschweren Flughafenhalle verzögerte sich. Der Grund: Bevor der Wald gerodet werden durfte, mussten die Bauherren 2005 etwa 50 Baumstämme ausgraben und samt Hirschkäferbrut versetzen.

7. Großtrappe gegen Bahnstrecke (Berlin/Hannover)

Zum Schutz der Großtrappe musste die Bahn in den 1990er Jahren auf der ICE-Strecke Berlin - Hannover Lärmschutzwände bauen. Das kostete knapp 20 Millionen Euro. Die Maßnahme fruchtete: Obwohl die Vögel lärmempfindlich sind, hat sich der Bestand im Havelland vervielfacht. 

8. Feldhamster gegen Konzerthalle (Mannheim)

Knapp 100 Feldhamster haben kurz nach der Jahrtausendwende die Planung der SAP Arena in Mannheim in die Länge gezogen. Die Halle musste wegen der Nager um 300 Meter versetzt werden.

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