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Konsumklima

27.07.2010

Wie Wetter und Fußball die Kauflaune beeinflussen

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Bild: dpa

Gut gelaunte Menschen kaufen mehr. Und zurzeit sind wir wohl besonders gut gelaunt. Woher kommt diese Entwicklung? Melanie Hofmann sprach mit GfK-Marktforscher Rolf Bürkl.

Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist im Sommerhoch. Der Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist den zweiten Monat infolge gestiegen. Woher kommt diese Entwicklung? Wir sprachen mit GfK-Marktforscher Rolf Bürkl.

Die GfK begründet das gute Konsumklima mit der Lage auf dem Arbeitsmarkt, dem sommerlichen Wetter und der guten Leistung der deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft. Wie kommen Sie darauf?

Bürkl: Das sind teilweise eigene Schlussfolgerungen, teilweise wissen wir über die Wirkung der Faktoren, beim Arbeitsmarkt beispielsweise, aus anderen Untersuchungen.

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Warum sorgen Fußball-WM und Wetter für wirtschaftliche Zuversicht?

Bürkl: Neben harten Fakten wie dem Arbeitsmarkt gibt es eine psychologische Komponente - gute Laune. Das mag nicht immer rational sein, spielt aber eine wichtige Rolle für das Kaufverhalten. Das Fußballfieber hat viele Leute erreicht und ihre Stimmung aufgehellt. Auch das Wetter sorgt für gute Laune.

Kaufen gut gelaunte Menschen mehr?

Bürkl: In der Regel schon. Bedenken rücken eher in den Hintergrund, man ist weniger zurückhaltend.

Wieso ist die Anschaffungsneigung, die ja ein Teilindikator des Konsumklimas ist, dann gesunken?

Bürkl: Die Kauflaune ist leicht zurückgegangen, aber sie ist bereits auf sehr hohem Niveau. Ich sehe den Verlauf eher als Normalisierung. Gerade die Unterhaltungselektronik hatte zuvor eine Sonderkonjunktur, weil sich viele vor der WM einen Flachbildfernseher gekauft haben.

Auf welche Entwicklung können wir uns in Zukunft einstellen?

Bürkl: Die Rahmenbedingungen sind gut - auch die harten Fakten. Die Arbeitslosenzahl, die laut Expertenschätzungen im Herbst auf unter drei Millionen sinken soll, ist ein psychologisch nicht zu unterschätzender Faktor.

Welche Einflussfaktoren gibt es noch?

Bürkl: Nach dem Arbeitsmarkt bestimmen vor allem die Preise beziehungsweise die Preiserwartungen das Konsumklima. Verbraucher orientieren sich an Signalpreisen - an erster Stelle am Benzinpreis. Steigt dieser, haben viele das Gefühl, alles würde teurer. Auch individuelle Faktoren - eine anstehende Gehaltserhöhung beispielsweise - beeinflussen das Konsumklima. Und dann gibt es noch die weichen Faktoren.

Zum Beispiel?

Bürkl: Das sind psychologische Faktoren, die nicht immer auf rationalen Gründen fußen. Das kann das Wetter sein, die Fußball-WM oder Ereignisse in der Weltpolitik - Schocks wie der 11. September zum Beispiel. Auch die Ankündigung der Mehrwertsteuererhöhung hat zu einer Explosion der Konsumneigung geführt. Bei der Euro-Einführung war es genau andersherum: Die Verbraucher waren verunsichert, weil sie nicht wussten, wie es mit den Preisen weitergeht. Viele hatten den Eindruck, der Euro sei nicht so stabil. Die Konsumneigung ist in den Keller gerauscht.

Beeinflusst auch ein guter Konsumklimaindex die Laune von Verbrauchern?

Bürkl: Das diskutieren wir immer wieder. Ich glaube, dass die Rolle des Konsumklimas gering ist. Letztendlich bilden sich Verbraucher ihre eigene Meinung.

Interview: Melanie Hofmann

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