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Influencer Academy

11.12.2018

Wo der Social-Media-Nachwuchs zu Influencern ausgebildet wird

Stefanie Giesinger ist eine erfolgreiche Influencerin.
Bild: Gillette Venus , dpa

Dagi Bee oder Stefanie Giesinger sind nur zwei Namen von vielen. Der Gründer der ersten Influencer-Akademie, erklärt, warum Instagram-Stars wichtiger werden.

Sie lächeln, posieren und halten Produkte in die Kamera. Influencer („Beeinflusser“) wie Dagi Bee oder Stefanie Giesinger sind längst zu Stars geworden und verdienen ihr Geld mit Werbung auf Instagram und Youtube – und das mit wachsendem Erfolg: Laut einer Studie der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia haben Influencer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im vergangenen Jahr etwa 560 Millionen Euro verdient. Goldmedia rechnet damit, dass der Markt für Influencer Marketing jährlich um rund 20 Prozent zulegen wird. Damit würde der Markt allein in Deutschland im Jahr 2020 auf über 800 Millionen Euro anwachsen.

„In Deutschland wird Influencer Marketing völlig falsch eingeschätzt und viel zu kritisch hinterfragt“, sagt Social-Media-Experte Sascha Schulz. Er ist Mitbegründer der ersten Influencer Marketing Academy in Berlin, an der er seinen Teilnehmern lehrt, wie sie genauso erfolgreich wie Dagi Bee oder Stefanie Giesinger werden können. „Für Unternehmen gibt es kaum Alternativen zu Influencer Marketing“, sagt Schulz; denn die junge Generation könne nur durch Social Media wirksam erreicht werden.

Social-Media-Experte Sascha Schulz bildet angehende Influencer aus.
Bild: Sascha Schulz

Rund 50 Coaches unterstützen die werdenden Influencer

Seit 2014 bietet Schulz Weiterbildungen im Bereich Social Media für Unternehmen an. Seit 2017 kontaktieren ihn immer mehr Existenzgründer und Selbstständige, weil sie als Influencer Erfolg haben wollen. Dabei sei die Idee für die Influencer Marketing Academy entstanden, sagt Schulz. „Wir bekommen mehr Anfragen, als wir Kapazitäten haben“, sagt Schulz. Von zehn Bewerbern lehnen er und seine zwei Mitgründer acht ab. Auch, weil viele Anwärter ihr Potenzial überschätzen.

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Für Teilnehmer der Akademie wird zunächst ein individueller Fahrplan erstellt. Der Grund: Der Weg zum Erfolg verläuft laut Schulz nur zu einem Drittel gleich. Fragen zur Selbstständigkeit und zur Gestaltung von Bildern für Instagram müssen alle Anwärter lernen. Die restlichen zwei Drittel seien abgestimmt auf den jeweiligen Schwerpunkt des werdenden Influencers. „Es gibt natürlich die Mainstream-Themen Beauty, Fashion und Lifestyle“, sagt Schulz. „Wir haben aber auch immer mehr Nischenthemen wie Veganismus oder Finanzeinlagen.“ Die rund 50 Coaches der Akademie helfen den neuen Influencern dabei ein Profil aufzubauen. „Wenn ein Influencer zum Beispiel Sänger ist, dann stellen wir ihm einen Stimmcoach zur Verfügung“, sagt Schulz.

Influencern geht es in den seltensten Fällen darum, Geld zu verdienen

Wie viel man zahlen muss, um Influencer zu werden, möchte Schulz nicht verraten. Das sei aufgrund der unterschiedlichen Coachings sehr unterschiedlich. Unter bestimmten Voraussetzungen sei eine Förderung durch die Agentur für Arbeit möglich. Dort liege der Regelsatz für 120 Coachings bei 10.000 Euro. Auch die Dauer sei verschieden. Meist erlernen die Anwärter ihren neuen Job jedoch in zwei bis vier Wochen, sagt Schulz. Egal ob an der Akademie ausgebildet oder nicht: Influencer haben in Deutschland keinen guten Stand. In der Studie des Marktforschungsinstituts M-Science gaben 57 Prozent der Befragten an, dass Influencer für sie in erster Linie Personen sind, die durch Social Media Geld verdienen.

Dagegen wehrt sich Schulz entschieden: In den seltensten Fällen gehe es den Influencern an seiner Akademie nur darum, Geld zu verdienen. „Sie wollen vielmehr ihre Standpunkte vermitteln und sich ausleben.“ Influencer zu sein sei ein Weg in die Selbstständigkeit und um sich kreativ auszudrücken. „Es ist für mich deshalb unverständlich, warum so über Influencer hergezogen wird.“ Wenn es gut läuft, postet ein Influencer laut Schulz 365 Tage im Jahr Bilder, aber nur an 70 Tagen davon bezahlte Kooperationen mit Firmen. Der Rest seien ganz normale Posts – ohne Werbung.

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