Erst müssen die Smartphones abgegeben werden, dann öffnen sich Türen. Audi-Chef Gernot Döllner geht voraus. Das ist der Moment, auf den er und viele Audi-Beschäftigte hingearbeitet haben. Der Manager stellt sich vor dem deutlich kleineren der beiden Wagen auf und zieht das schwarze Tuch runter. Zum Vorschein kommt ein Elektroauto, das einen bekannten Vorgänger hat: Der Audi A2 war einst seiner Zeit voraus und ist jetzt wieder da. Das Auto bekam den Zusatznamen e-tron verpasst und wirkt etwas fülliger als sein schmal geschnittener Vorgänger. Der Autobauer inszeniert die Wiedergeburt des Fahrzeugs und gibt am Montagabend in Ingolstadt nur so viel preis: Die Produktion des Autos läuft noch dieses Jahr an – und das in Ingolstadt. Mehr verrät Audi nicht. An diesem Abend ist Probesitzen in dem Wagen tabu.
Die Experten von Auto Motor und Sport, die schon einen abgeklebten Erlkönig des A2 e-tron näher begutachten konnten, schreiben: „Der neue Audi A2 siedelt sich formal irgendwo zwischen dem Ur-A2 und der auf der Shanghai Auto Show im Jahr 2019 gezeigten Studie Audi AI:ME an.“ Hier werde, heißt es in bester Auto-Prosa, ein langer Radstand mit kurzen Überhängen an Front und Heck gepaart. Die hohe Front trage schlitzförmige LED-Scheinwerfer und dazwischen einen geschlossenen Grill.
Alte A2-Autos werden gehegt und gepflegt
Auffällig ist ein spoilerartiges Element am Heck, augenscheinlich eine Reminiszenz an den alten Audi A2. Das kleine Raumwunder wird seit 2005 nicht mehr gebaut. Umso intensiver hegen und pflegen Besitzerinnen und Besitzer den Kompaktwagen mit seiner innovativen Aluminiumkarosserie: Der alte A2 passt perfekt in die aktuellen Zeiten schmerzlich hoher Spritpreise, ist er doch leicht, aerodynamisch und sparsam im Verbrauch. In der Variante A2 1.2 TDI wurde das Auto einst als „erstes viertüriges Drei-Liter-Auto der Welt“ angepriesen.
Es war wie verhext: Trotz aller Vorzüge fand der Wagen nicht ausreichend Käuferinnen und Käufer, seit er ab Ende 1999 gebaut wurde. Viele Menschen bevorzugen eben wuchtigere Karossen. So musste Audi nach mehr als fünf Jahren und 176.377 gebauten Exemplaren 2005 die Fertigung einstellen, ein Umstand, den die zahlreichen A2-Anhänger bis heute beklagen. In den Online-Foren des Audi-A2-Club Deutschland berichten stolze Besitzer, wie viel ihre alten Autos auf dem Buckel haben. So wird ein Audi A2 auf dem Online-Marktplatz Mobile.de trotz einer Laufleistung von 290.659 Kilometern noch für 7000 Euro angeboten. Ein anderes Modell mit nur 20.950 Kilometern auf dem Tacho will der Besitzer für 16.990 Euro losschlagen.
Noch ist nicht klar, was der Elektro-A2 kostet
Wie viel der neue Elektro-A2 kosten soll, verrät Audi noch nicht. Auch Fotos werden bislang nicht herausgegeben. Döllner sagt nur, das Auto werde im Herbst dieses Jahres vorgestellt. Er geht in dem Präsentationsraum einige Schritte weiter. Das Auto unter dem schwarzen Tuch muss riesig sein. Der Audi-Chef setzt zur Enthüllung an, ein Job, der ihm sichtlich Spaß macht. Das zum Vorschein kommende Fahrzeug ist „echt fett“, wie jüngere Menschen durchaus anerkennend sagen würden. Das neue SUV Q9 ist ein Brummer, der vorrangig für den US-Markt gedacht sei, wird den Beobachtern beruhigend mit auf den Weg gegeben.
Dabei haben die Zölle von US-Präsident Donald Trump Audi eine bessere Bilanz verhagelt. Finanzchef Jürgen Rittersberger verrät bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag: „Die Zölle haben unser Ergebnis mit 1,2 Milliarden Euro belastet, was fast zwei Prozentpunkten Umsatzrendite entspricht.“ Im vergangenen Geschäftsjahr ging die operative Umsatzrendite des Audi-Konzerns von 6,0 Prozent in 2024 auf 5,1 Prozent zurück. Das entsprechende Ergebnis gab von 3,90 auf 3,37 Milliarden Euro nach. Damit schneidet Audi deutlich besser ab als die ebenfalls zu Volkswagen gehörende Marke Porsche. Bei dem Stuttgarter Sportwagenbauer brach die Rendite drastisch von 14,1 auf nur noch 1,1 Prozent ein.
Audi kämpft sich beharrlich nach oben
Audi kämpft sich beharrlich nach oben. Langfristig strebt das Unternehmen wieder eine zweistellige Umsatzrendite an, in diesem Jahr sollen es sechs bis acht Prozent werden. Dabei spürt der Autobauer elektrischen Rückenwind: Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen schon 223.032 Stromer ausliefern, ein Rekord und ein Plus von satten 36 Prozent gegenüber 2024. Beliebt waren hier vor allem die Modelle Audi Q6 e-tron und Audi A6 e-tron. Was auffällt: Audi hat sich auf dem durch Hyper-Wettbewerb und Preiskämpfe belasteten chinesischen Markt wacker geschlagen und ist beim Absatz mit einem Minus von fünf Prozent auf 617.514 Fahrzeuge noch einigermaßen glimpflich davongekommen. Zum Vergleich: Die Rivalen Mercedes (minus 19 Prozent) und BMW (minus 12,5 Prozent) müssen in China herbere prozentuale Einschnitte hinnehmen.
Für den Audi-Chef war 2025 „das Jahr des Aufbruchs“, jetzt folge die Umsetzung. Angesichts großer Herausforderungen auf den Weltmärkten gilt für ihn die Devise: „Jetzt erst recht.“ Es gehe voran. Audi erfinde sich neu. Beim elektrischen Audi A2 schreitet die Neuerfindung mit der Besinnung auf die Werte des früh ausgemusterten Verbrenner-Vorreiters einher. Nachdem Audi ein „anspruchsvolles Jahr finanziell robust abgeschlossen hat“, weckt das Begehrlichkeiten bei den Arbeitnehmer-Vertretern.
Der Audi-Betriebsrat hat noch einen Wunsch
Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Audi-Betriebsrats in Ingolstadt, stellt klar: „Die Zahlen verdeutlichen, dass Audi nach wie vor die Renditeperle innerhalb des Volkswagen-Verbunds ist.“ Deshalb fordert er, dass die Beschäftigten ergänzend zur Audi- Ergebnisbeteiligung eine Anerkennungsprämie für ihre besondere Leistung bekommen sollten. Am Ergebnis beteiligt Audi die Mitarbeitenden schon: Facharbeiterinnen oder Facharbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm erhalten je 1740 Euro. Zusätzlich werden pro Beschäftigten 1100 Euro für die betriebliche Altersvorsorge beigesteuert. Der Betriebsrat will mehr.
Zufrieden sind die Arbeitnehmer-Vertreter sicher mit der Neuauflage des A2, haben sie doch immer ein solches Elektro-Einstiegsmodell gefordert.
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