Seit dem Diesel-Skandal tobte nicht mehr ein derartiges Chaos in der Welt des VW-Konzerns. Dass die Nervosität in den Spitzenetagen groß ist, geht auch auf die Gewinneinbrüche einer einst glänzenden Marke wie Porsche zurück, während sich Audi erstaunlich wacker schlägt. Insgesamt ist im Volkswagen-Konzern die Rendite auf knapp unter drei Prozent gesunken. So schlecht hat sich der Riese zuletzt in den Wirren der düsteren Dieselgate-Ära gezeigt.
So werden die Nerven der Beschäftigten im Übermaß strapaziert. Nachdem Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall schon längst dem Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen bei der Marke VW und bis zu 7500 Stellen bei Audi zugestimmt haben, kursieren neue Horror-Szenarien. Der Druck der Mehrheitsaktionäre aus den Reihen der lange prächtig an VW und Porsche verdienenden Familien Porsche und Piëch wirkt immens. Den Druck geben die Anteilseigner offensichtlich an den Vorstand weiter, der sich wiederum etwas Luft verschaffen will.
Radikale Vorschläge von Beratern für VW
Was machen Manager, die sich zu weiteren Einschnitten gezwungen sehen? Sie engagieren Berater. Im Fall von VW wurde wohl eine McKinsey-Truppe angeheuert. Jedenfalls dementiert der Auto-Konzern entsprechende Berichte nicht, dass die „Meckies“, wie die Spezialisten genannt werden, zu der Erkenntnis gekommen sein sollen, dass in Deutschland bis auf Wolfsburg und den Audi-Stammsitz in Ingolstadt alle reinen VW-Auto-Fabriken geschlossen werden sollen. Das wäre Wahnsinn, würden doch Standorte mit exzellent ausgebildeten und motivierten Beschäftigten in Neckarsulm (Audi), Stuttgart-Zuffenhausen (Porsche) und Emden (VW) dichtgemacht.
Brachialer haben McKinsey-Berater selten nachgedacht. Bei Audi gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2033, bei VW bis Ende 2030. Bis dahin sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Insofern wirken die Berater-Gedankenspiele als Provokation. Wer in der VW-Welt dergleichen Fantasien in die Öffentlichkeit lanciert hat, spielt mit dem Feuer.
VW-Eigentümer sollten Manager arbeiten lassen
Wo eine Politik der ruhigen Hand gefragt wäre, wird Unruhe geschürt. Das schadet dem Ansehen des Unternehmens. Dabei leisten Audi-Chef Gernot Döllner und auch VW-Marken-Lenker Thomas Schäfer nach Fehlern, die unter Vorgängern begangen wurden, sehr gute Arbeit. Sie bauen um und räumen auf. Bis sich Erfolge wie früher einstellen, kann das einige Jahre dauern. Am längsten braucht wohl Porsche, um Schnitzer der Vergangenheit auszubügeln. Die Eigentümer und die Konzern-Verantwortlichen wären gut beraten, Manager und Beschäftigte arbeiten zu lassen, ohne sie zu beunruhigen.
Wenn Wolfsburg hektisch in Ingolstadt und Stuttgart hineinregiert, vergrößert das die Frustration. Der VW-Konzern darf Audi und Porsche nicht an eine zu kurze Leine nehmen. Das bremst Kreativität und Enthusiasmus aus.
Es wurde schon genug Schaden angerichtet, droht doch im Mai die Bekanntgabe weiterer VW-Restrukturierungspläne. Bis dahin regiert erneut das Prinzip Angst. Die Familien Porsche und Piëch brauchen Geduld, schließlich tobt ein Sturm über die Weltwirtschaft: US-Präsident Trump ist außer Rand und Band. Er drangsaliert Autobauer mit Zöllen. In China herrscht ein aberwitziger Preiskampf am Fahrzeugmarkt. Derweil sind Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa verunsichert, ob sie einen Verbrenner oder ein E-Auto kaufen sollen. Die Turbulenzen werden sich legen. VW, Audi und Porsche können dann ein Comeback schaffen, wenn die Marken heute einen Vertrauens-Vorschuss bekommen.
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