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Energie
22.12.2021

Stromio stellt Stromlieferungen ein: Wie es für die Kunden weitergeht

Kunden des Stromanbieters Stromio erhalten ihre Elektrizität nach Angaben der Netzbetreiber nun vom örtlichen Grundversorger.
Foto: Henning Kaiser, dpa

Erneut hat ein Stromanbieter von jetzt auf gleich die Lieferung eingestellt. Viele tausend Kunden sind vom Ende bei Stromio betroffen. Der Strom fließt trotzdem weiter.

Kunden des Stromdiscounters Stromio werden seit Mittwoch nicht mehr von dem Unternehmen beliefert. Wie die Stromio GmbH auf ihrer Homepage mitteilte, wurden alle Stromlieferverträge für die Marken "Stromio" und "Grünwelt Energie" mit Ablauf des 21. Dezember beendet. Als Grund gab der Stromanbieter eine "historisch einmalige Preisentwicklung im Strommarkt" an. Seit einigen Wochen sei man mit einer nie dagewesenen Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen konfrontiert, hieß es in dem Schreiben. Die Ereignisse und ihre Folgen seien nicht vorauszusehen gewesen.

Das Unternehmen aus dem rheinischen Kaarst teilte auf dpa-Anfrage schriftlich mit, dass es nicht insolvent sei. Branchenkenner gehen davon aus, dass mehrere hunderttausend Kunden von der Kündigung durch Stromio betroffen sind.

Verbraucherinnen und Verbraucher werden trotz Aus bei Stromio weiter versorgt

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen keinen Stromausfall befürchten. Es gibt in solchen Fällen keine Versorgungsunterbrechung, wie die Verbraucherzentrale betonte. Der örtliche Grundversorger übernimmt die Stromlieferung zunächst als sogenannte Ersatzversorgung. Der Grundversorger ist immer das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert. Meistens sind das die Stadtwerke, in der Region übernehmen etwa die Lechwerke die Belieferung. Die Vergleichsportale Check24 und Verivox richteten im Internet Seiten mit Hinweisen für Stromio-Kundinnen und -Kunden ein.

Stromio kündigte an, die Kundenbeziehung "sachgerecht" abwickeln zu wollen. "So werden wir im Rahmen der Endabrechnung Ihnen zustehende Guthaben sowie auch (zeitanteilig) Neukundenboni an Sie auszahlen", hieß es. Die Schlussrechnung soll innerhalb von sechs Wochen kommen. Das Unternehmen bat die Kunden, umgehend den Zählerstand zu notieren und dem Netzbetreiber mitzuteilen.

Anfang Dezember hatte ein Schwesterunternehmen von Stromio, das unter den Marken gas.de und Grünwelt Gas verkauft hatte, seine Gaslieferungen an Haushaltskunden eingestellt. Als Grund hatte die Firma ebenfalls eine "nie dagewesene Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen" angegeben.

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Die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), die für die Stabilität des Stromnetzes zuständig sind, hatten zuvor ihre Verträge mit Stromio kurzfristig gekündigt. Dies wird unternommen, wenn etwa ein Stromanbieter nicht mehr so viele Strommengen liefert, wie er liefern müsste. Grund dafür könnten zum Beispiel die derzeit hohen Einkaufspreise im Großhandel sein, sofern der Anbieter keine langfristigen Strom-Lieferverträge abgeschlossen hat.

Immer wieder beenden Energielieferanten ihre Belieferungen

Nach Angaben der Bundesnetzagentur haben im laufenden Jahr bislang 38 Energielieferanten (ohne Stromio) die Beendigung der Belieferung angezeigt. Zwölf davon haben ihre Lieferungen bereits eingestellt, darunter jüngst erst am Dienstag Neckermann Strom, das nach eigenen Angaben Insolvenz anmeldete. Bei den übrigen soll die Belieferung zum 31.12.2021 enden. Von den 38 Unternehmen lieferten sechs Strom und Gas, 28 nur Strom und 4 nur Gas. In den fünf Jahren zuvor haben insgesamt 97 Energielieferanten bei der Bundesnetzagentur die Beendigung der Belieferung angezeigt, die meisten (74) im Jahr 2017. 2020, 2019 und 2018 waren es jeweils fünf. Umgekehrt haben der Behörde seit 2016 insgesamt 471 Energielieferanten die Aufnahme von Lieferungen angezeigt. (dpa)

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22.12.2021

Na und; so what?? Sparfüchse, die ständig den Lieferanten für Gas und Strom wechseln, laufen eben jetzt Gefahr aus dem System zu fallen. Jeder seriöse Grundversorger bezieht seine Ware über mittel- bis langfristige Verträge , die auch eine gewisse Preisstabilität und Planbarkeit der Leistungen beinhalten. Sind zwar im ersten Ansatz nicht immer am günstigsten, aber langfristig verläßlich. Wie z..Bsp Ru, das Gas bevorzugt über Langzeitverträge liefert zu relativ moderaten Preisen, jetzt aber zu Zeiten von Mangel nicht bereit ist zu kurzfristige Verträge mit geringer Laufzeit selbst bei erzielbaren höheren Preisen. Und den Spotmarkt grundsätzlich nicht bedient. Geliefert wird wie bestellt - zuverlässig und termingerecht , aber auch nicht mehr. Oder Abnehmer müssen sich eben langfristig binden. Das mögen Sparfüchse und Schnäppchenjäger nun aber so gar nicht. Jetzt fallen sie eben auf die Nase.

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23.12.2021

Kann man nur zustimmen. Klar kann man jedes Jahr von Vertrag zu Vertrag hoppen, irgendwelche Neukundenboni mitnehmen und sich so Strom- und Gaspreis günstig rechnen. Aber dann muss man eben auch mit sowas rechnen. Nimmt man in Vergleichen die Boni mal raus, dann sind die jeweiligen Grundversorger oft gar nicht wirklich teurer, sind aber auch die, bei denen die Kohle in der Stadt bleibt, die lokale Unternehmen, Vereine und Veranstaltungen zu denen man so gerne geht unterstützen. Dazu jede Menge Arbeitsplätze in der eigenen Stadt sichern und je nach Holding sogar den ÖPNV mit seinen Preisen stützen.

Da werden noch viel mehr Billigheimer in Klo langen. Keine langfristigen Verträge insbesondere beim Gas geschlossen, Einkauf nur am Spotmarkt, gleichzeitig aber zum Anlocken Preisbindungen versprochen, wie lange soll sowas gut gehen?

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23.12.2021

Niemand fällt aus dem System, denn es übernimmt der Grundversorger und man hat dann eben nur kürzere Zeit die günstigeren Konditionen gehabt.
Eine Ausnahme gibt es, man darf sich eben nicht auf Vorauszahlungen einlassen.

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23.12.2021

So ein Quatsch.... es ist das gute Recht eines jeden Verbrauchers sich einen günstigeren Anbieter zu suchen! Und solange man die Finger von Verträgen mit Vorkasse lässt ist das schlimmste was passieren kann dass man halt einen neuen Anbieter suchen muss.

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