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Mehr als 200.000 ukrainische Kinder und Jugendliche an deutschen Schulen angemeldet
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  3. Erdgas Schwaben: Markus Last im Interview über Gasversorgung

Interview
04.10.2022

Chef von Erdgas Schwaben: "Wir können gut durch den Winter kommen"

„Russland wird für sein Gas keinen Abnehmer mehr finden“, sagt Markus Last, Chef von Erdgas Schwaben mit rund 70.000 Kunden in unserer Region. Deutschland könne aber auf andere Quellen setzen.
Foto: Falk Heller

Markus Last, Chef von Erdgas Schwaben, erklärt, weshalb er bei der Gasversorgung inzwischen zuversichtlich ist und ob nach den 200 Milliarden Euro der Bundesregierung der Gaspreis sinkt.

Herr Last, der deutschen Gasspeicher sind inzwischen zu über 91 Prozent gefüllt. Ist die Versorgung im Winter sicher?

Markus Last: Ich denke, wir kommen inzwischen sehr nahe dran, an normalen Wintertagen ganz Deutschland sicher mit Gas versorgen zu können.

Was macht Sie sicher?

Last: Viele Menschen denken nur daran, dass wir kein Gas mehr aus Russland bekommen. Sie vergessen aber, dass es auch andere Lieferanten gibt, vor allem Norwegen und die Niederlande. Dazu kommen steigende Mengen Flüssiggas, die Europa erreichen, unter anderem aus den USA. Inzwischen kommt rund die vierfache Menge Flüssiggas in Europa an als zum Beispiel noch im Jahr 2020. Das alles führt dazu, dass bei uns in Deutschland täglich rund drei Terawattstunden Gas ankommen. Dazu kommen dann auch noch die Gasspeicher, die aktuell bereits zu über 91 Prozent gefüllt sind, das sind weitere 223 Terawattstunden. Deutschland braucht übrigens rund 1000 Terawattstunden Gas im Jahr.

Würde dies alles reichen, den Gasbedarf zu decken, wenn der Frost kommt? Russland stand ja letztes Jahr für über 50 Prozent der Gasimporte. Und der angekündigte Gaspreisdeckel dürfte wenig Anreize bieten, Gas zu sparen...

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Last: Wie gesagt, wir bekommen ohne russisches Gas jeden Tag rund 3 Terawattstunden Gas geliefert. Aus den Gasspeichern lässt sich im gesamten Winter durchschnittlich jeden Tag rund eine Terawattstunde entnehmen, an Spitzentagen auch einmal.

1,5 Terawattstunden. Dazu kommen die geplanten Flüssiggas-Terminals, zwei davon sollen noch in diesem Winter den Betrieb aufnehmen. Das sind zusammen bis zu 5 Terawattstunden, die uns täglich zur Verfügung stehen. Für die allermeisten Wintertage reicht dies gut aus. Es hilft auch, dass das Gewerbe inzwischen den Gasverbrauch spürbar gesenkt hat. Ich möchte also Vertrauen aufbauen, dass wir gut gewappnet sind, alle Privat-, Gewerbe- und Industriekunden mit Gas versorgen zu können.

Ganz schließen Sie einen kurzfristigen Engpass aber nicht aus?

Last: Es gab sehr kalte Tage im Februar 2021, in denen in Deutschland 6 Terawattstunden Gas verbraucht worden sind. Sollten wir also trotz aller Einsparmaßnahmen überdurchschnittlich kalte Wintertag bekommen kann es sein, dass es an einzelnen Tage zu Eingriffen kommen kann. Die Maßnahmen würden dann aber nur einige wenige Industriekunden über einen begrenzten Zeitraum betreffen. Alle geschützten Wärmekunden wären davon definitiv nicht betroffen.

Kann es sein, dass Süddeutschland eher von Engpässen betroffen wäre, da die Gas-Terminals an den Küsten liegen?

Last: Das stimmt nicht. In bestimmten Szenarien könnte es an ganz kalten Tagen zu lokal begrenzten Versorgungsengpässen kommen. Dies betrifft dann ganz begrenzt lokale, industriestarke Standorte im Norden wie im Süden gleichermaßen.

Was wenn wir zwar gut durch den Winter kommen, die Speicher dann aber leer sind? Ist nicht der Winter 2023/24 das größere Problem?

Last: Nicht vergessen dürfen wir, dass in Deutschland fünf Flüssiggas-Terminals geplant sind. Terminals in Lubmin und Wilhelmshaven sollen noch diesen Winter in Betrieb gehen. Damit dürften wir genug Gas in den Markt bekommen, damit die Speicher im April noch gut gefüllt sind und wir auch 2023/2024 gut durch den Winter kommen.

Merkt man die Bemühungen eigentlich zum Gassparen? Die Bundesnetzagentur bemängelt, dass die Heizungen sogar früher als letztes Jahr aufgedreht wurden!

Last: Die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck geforderte Gaseinsparung von 20 Prozent halte ich für ehrgeizig. Ich halte rund 15 Prozent für realistisch. Unsere Gewerbe- und Industriekunden haben im zweiten Quartal zum Beispiel 18 Prozent Gas einsparen können. Für die Haushalte beginnt ja jetzt erst die Heizperiode. Ja, auch die Haushalte werden ihren Beitrag erbringen müssen. Ich denke, dass kleine Haushalte mit einem sowieso schon geringen Verbrauch von vielleicht 12.000 Kilowattstunden im Jahr ein eher geringes Energiesparpotenzial haben. Wir haben aber auch Kunden mit Einfamilienhäusern älterer Bauart, die 35.000 Kilowattstunden Gas im Jahr benötigen. Diese Kunden können leichter sparen. Wird hier ein Raum weniger beheizt, spart dies schon viel Gas.

Ihr heißester Tipp zum Gas-Sparen?

Last: Die Temperatur runterdrehen. Senkt man bei einem Verbrauch von 35.000 Kilowattstunden und einem noch günstigen Gaspreis von 13 Cent pro Kilowattstunde die Temperatur um ein Grad, spart man 270 Euro im Jahr. Im Internet bieten wir einen Rechner, mit dem jeder seine individuelle Sparmöglichkeiten leicht ausrechnen kann.

Die Bundesregierung hat die Gasumlage zurückgenommen, ein Gaspreis-Deckel wird eingeführt. Wird Gas angesichts der 200 Milliarden Euro im neuen Energie-Paket jetzt wieder günstiger?

Last: Aus Kundensicht ist es gut, dass die Gasumlage wegfällt. Vor drei Wochen haben wir unsere 70.000 Kundinnen und Kunden anschreiben müssen, dass sie mit deutlichen Mehrkosten rechnen müssen. Wer im Jahr 20.000 Kilowattstunden Gas braucht, für den wären rund 600 Euro im Jahr fällig geworden. Die staatliche Ankündigung hat viel Verunsicherung hervorgerufen! In unserem Kundencenter sind danach die Telefone heiß gelaufen, die Menschen waren teils hochemotional! Die drohenden Mehrkosten durch die Gasumlage fallen nun weg. Dazu sind weitere Maßnahmen geplant wie die Absenkung der Mehrwertsteuer und ein Gaspreis-Deckel, die ebenfalls dämpfend wirken. Es ist aber gut und richtig, dass der Staat Unternehmen wie Uniper schützt und rettet, die derzeit ein Zig-Faches ausgeben müssen, um das russische Gas zu ersetzen.

Ganz ohne Gasumlage hat aber Erdgas Schwaben wie viele andere Versorger auch den Gaspreis schrittweise angehoben. Was kommt da noch?

Last: Zu einem ehrlichen Bild gehört auch, dass wir lange Zeit - zehn Jahre lang - sehr günstige Gaspreise hatten. Der Preis war praktisch konstant. Jetzt sind wird aus einer Zeit sehr günstiger Preise abrupt in die Preis-Eskalation gerauscht. Für unsere Bestandskunden haben sich die Tarife im Laufe der letzten Monate um rund 50 bis 90 Prozent erhöht. Ich denke, wenn die Flüssiggas-Terminals in Betrieb sind, werden wir bei den Einkaufspreisen aber wieder eine Normalisierung sehen. Wir werden nicht mehr die ganz hohen Preise sehen wie jetzt, aber ganz billige Preise wird es auch nicht mehr geben. Das gilt allerdings für alle anderen Energieträger ebenso.

Wie sieht es bei den Tarifen von Erdgas Schwaben aus?

Last: Für das Jahr 2023 haben wir uns bereits gut mit Gas eingedeckt. Danach müssen wir aber auch noch zu günstigen Konditionen bestellte Gasmengen ersetzen. Die Preisentwicklung hängt davon ab, ob der Markt 2024 und 2025 aufgeregt bleibt oder ob er sich beruhigt hat. Letztlich hängt alles an der Frage, wie lange der Krieg noch dauert und wie wir russisches Gas ersetzen.

Wie sehen Sie die Anschläge auf die Ostsee-Pipelines Nordstream 1 und 2?

Last: Die Lecks in Nordstream 1 und 2 zeigen, dass das Gasnetz für jedes Infrastruktursystem anfällig ist. Es scheint ja, dass die Leitungen manipuliert worden sind. Durch Nord Stream 1 und 2 fließt kein Gas mehr nach Europa, die Leitungen standen aber noch unter Druck. Jetzt wird Erdgas in die Umwelt gepustet. Es ist auch eine große Umweltkatastrophe!

Spätestens mit diesen Löchern in der Pipeline dürfte klar sein, dass russisches Gas auf Jahre für Deutschland nicht mehr in Frage kommt, oder?

Last: Selbst wenn Nordstream 1 und 2 wieder funktionieren würden, wird Russland für sein Gas in Deutschland keinen Abnehmer mehr finden. Es geht keiner mehr davon aus, dass wir 2023 oder 2024 nennenswerte Mengen russischen Gases nach Europa bekommen.

Wo kommt unser Gas in Zukunft her?

Last: Norwegen und die Niederlande werden wichtige Lieferländer bleiben. Wir werden auch stärker abhängig von Flüssiggas werden. Die USA werden hier ein wichtiger Partner sein, ergänzt um andere Handelspartner zum Beispiel im Nahen Osten oder Kanada. Ich denke, dass wir dauerhaft aber nicht nur über Erdgas reden sollten. Die neuen LNG-Terminals sind zum Beispiel auch bereit für Wasserstoff, also H2-ready. Wenn wir grünen Wasserstoff geliefert bekommen, ist dies für die Energiewende ein gutes Signal. Grüne Gase - Wasserstoff, aber auch Biogas - werden zu einem deutlich wachsenden Anteil ins Netz eingespeist werden.

Hat die Gasheizung angesichts der Entwicklungen eigentlich Zukunft? Wie reagieren Ihre Kunden?

Last: Es ist nicht sinnvoll, jetzt hektisch zu reagieren. Kunden, die eben erst einen Netzanschluss für Gas beantragt hatten und jetzt verunsichert sind, bieten wir an, in einem halben Jahr nochmals auf das Thema zu schauen. Wir müssen den Klimaschutz aber auch im Gebäudebestand angehen, hier sehen wir auch zukünftig sehr viele Gasheizungen als wirtschaftlich und umweltfreundliche Lösung. Die können zukünftig mit Biogas und grünem Wasserstoff klimaneutral betrieben werden. Neue Gaskessel sind bereits bereit für Wasserstoff, also H2-ready.

Wie anfällig ist das Erdgas-Schwaben-Netz eigentlich für Hacker? Zuletzt gab es Angriffe auf mehrere Firmen und Organisationen, darunter den Traktorenbauer AGCO/Fendt genauso wie die deutschen IHK.

Last: Hier kann ich guten Gewissens Entwarnung geben. Uns sind als systemkritischen Anbieter genaue Regeln vorgegeben, wie wir unser IT-System zu schützen haben. Wir sind gut vor solchen Fremdeingriffen geschützt.

Zur Person: Markus Last, 53, ist seit 2018 Sprecher der Geschäftsführung von Erdgas Schwaben, dem Gas-Grundversorger in großen Teilen der Region. Studiert hat er Energie- und Verfahrenstechnik.

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05.10.2022

Wie kann man so etwas sagen, wenn der Füllstand der Gasspeicher keinerlei Aussagekraft besitzt.