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Katastrophe
02.10.2022

Eine Million Menschen sind vom Hungertod bedroht

Millionen von Menschen in der Region am Horn von Afrika hungern aufgrund der Dürre, Tausende sind bereits gestorben.
Foto: Farah Abdi Warsameh, dpa

Die Krisen unserer Zeit haben Fortschritte im Kampf gegen Hunger zunichtegemacht. Zehn Prozent der Weltbevölkerung sind massiv unterernährt – viele davon Kinder.

Den Hunger auf der Welt bis 2030 vollständig zu beseitigen – das ist nur eines der hehren Ziele, das sich die Staaten unter dem Dach der UN gegeben haben. Seine Realisierung erscheint mittlerweile so unrealistisch wie nie. Der Hunger kommt mit Macht zurück. Nach den jüngsten Zahlen der Vereinten Nationen sind derzeit fast 830 Millionen Menschen auf der Welt von Hunger betroffen – rund 150 Millionen mehr als 2019. Das entspricht beinahe zehn Prozent der Weltbevölkerung. Schätzungsweise 45 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an Auszehrung, der tödlichsten Form der Unterernährung. Ihr Sterberisiko ist massiv erhöht. Weitere 149 Millionen Kinder haben Wachstums- und Entwicklungsstörungen aufgrund chronischen Nährstoffmangels.

Mathias Mogge, Generalsekretär und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Welthungerhilfe, bekräftigt dies im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Ernährungssituation ist so dramatisch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Vereinten Nationen haben gerade mitgeteilt, dass sie dieses Jahr für 970.000 Menschen eine lebensbedrohliche Hungersnot erwarten, das sind so viele wie nie zuvor. Etwa ein Drittel davon in Somalia, wo in diesem Moment schon Menschen verhungern, Kinder an Mangelernährung sterben.“

Allein aus der Ukraine sind Millionen von Menschen geflohen

Die Auslöser dieser globalen Katastrophe sind vielfältig. Kriege und Konflikte gehören dazu. Laut dem Bericht über die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen ist die Zahl der Konflikte mittlerweile so hoch wie noch nie seit Gründung der Vereinten Nationen. Etwa zwei Milliarden Menschen leben demnach in von Konflikten betroffenen Ländern. Mit der Folge, dass auch die Zahl der Geflüchteten so hoch ist wie noch nie. Bis Ende Mai 2022 sind demnach allein aus der Ukraine rund 6,5 Millionen Menschen geflohen, zumeist Frauen und Kinder.

Der Klimawandel ist ein weiterer Treiber der Entwicklung. Die Zahl der Umweltkatastrophen steigt, Dürren oder Überschwemmungen vernichten Ernten oder machen weite Landstriche für die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar. Ralf Südhoff arbeitete zwölf Jahre für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Seit 2019 leitet er den unabhängigen Thinktank Centre for Humanitarian Action mit Sitz in Berlin. Er sagt: „Die Lage in Ostafrika ist dramatisch. In Äthiopien ist die Regenzeit im fünften Jahr hintereinander beinahe ausgefallen. In Somalia hat es drei Jahre nicht mehr geregnet. Was wir erleben, ist eine historische Veränderung. Der Notfall droht zum Normalfall zu werden.“

Die Krisen überlagern und verstärken sich

Doch das Umsteuern beim Klimaschutz fällt der Weltgemeinschaft immer noch schwer. Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, müssten die globalen Treibhausgasemissionen laut den Klimavereinbarungen von Paris vor 2025 ihren Höchststand erreichen, bis 2030 um 43 Prozent und bis 2050 auf Null absinken. Bei den aktuellen freiwilligen Klimazusagen der Staaten werden die Emissionen bis 2030 aber noch um fast 14 Prozent steigen, stellte jüngst UN-Generalsekretär António Guterres fest.

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Hinzu kommt: Die vielen Ursachen überlagern und verstärken sich gegenseitig. „Wir sehen das zum Beispiel in Afghanistan, wo mehr als 23 Millionen Menschen Hunger leiden, Tendenz steigend. Hier bilden politische Instabilität nach jahrelangem Bürgerkrieg, eine schwere Dürre, gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen für Nahrungsmittel und Energie, eine fatale Mischung“, erklärt Mogge. Auch in Pakistan sei derzeit zu beobachten, welche dramatischen Folgen Wetterextreme infolge der Klimakrise haben: „33 Millionen Menschen sind dort von den sintflutartigen Überschwemmungen betroffen – in einem Land, das selbst kaum zum Klimawandel beiträgt“, betont der Welthungerhilfe-Vorsitzende.

Der Hunger hat auch strukturelle Gründe

Doch der Hunger hat auch strukturelle Gründe. Gerade in Afrika ist die Landwirtschaft in vielen Ländern sehr kleinteilig strukturiert. Die Produktivität ist gering und viele Nahrungsmittel verderben, bevor sie die Märkte erreichen, da Lager und Transportmöglichkeiten fehlen. Viele Länder haben sich auf den Anbau weniger Ackerfrüchte für den Export spezialisiert – etwa Kaffee, Baumwolle oder Obst. Die Förderung der Nahrungsmittelsicherheit für die eigene Bevölkerung wurde vernachlässigt. „Auch die Weltbank hat erst nach einer umfassenden Marktöffnungspolitik erkannt, dass diese von den Ländern des globalen Nordens unterstützte Praxis die Stabilität der Ernährungssysteme im Süden gefährdet“, sagt Südhoff.

Viele Bemühungen, die Landwirtschaft vor Ort wieder zu stärken, Landwirte zu schulen und ihnen Kredite zum Kauf von Produktionsmitteln und Saatgut zu verschaffen, sind durch die Corona-Pandemie konterkariert worden. Geschätzt 15 Millionen zusätzliche Todesfälle gehen laut UN global auf ihr Konto. Viele Menschen – gerade Tagelöhner – hätten ihre Beschäftigung verloren, ohne dass sie von sozialen Sicherungssystemen aufgefangen wurden wie in Deutschland, erklärt Mogge.

Die reichen Länder halten ihre Zusagen nicht ein

Der Krieg in der Ukraine hat die Preise für Nahrungsmittel, Brennstoffe und Dünger nun weiter in die Höhe schnellen lassen. Allein im Jahr 2020 importierten afrikanische Länder Agrargüter im Wert von rund vier Milliarden Euro nur aus Russland, 90 Prozent dieser Summe wurden in Weizen investiert. Essen wird so vielerorts unbezahlbar, das Risiko sozialer und politischer Unruhen steigt. Die reichen Länder wie Deutschland müssten mehr tun, um den Hunger zu bekämpfen, fordert Südhoff: „Es passiert das Gegenteil. Die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sind im Haushaltsentwurf für 2023 deutlich zusammengestrichen worden.“ Auch auf Ebene der G7-Staaten würden Hilfszusagen nicht eingehalten.

Das kritisiert auch Mogge: „Im Jahr 2022 gibt es kein Erkenntnisproblem über den Kampf gegen den Hunger in der Welt. Lösungsansätze und der Umfang erforderlicher Investitionen sind bekannt und beziffert. Das Problem besteht vielmehr in der politischen Umsetzung und im fehlenden politischen Willen in der Welt.“

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