Rüstungsaktien reagieren zunehmend nervös auf internationale Bemühungen, einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen. Weil selbst ein Ende des Krieges möglich erscheint, geben Papiere von Verteidigungsunternehmen auf extrem hohem Niveau immer dann spürbar nach, wenn neue Friedenshoffnungen aufkeimen. Das ist die Logik der Börse. Ihr kann sich die Aktie des Augsburger Panzer- und Marine-Getriebeherstellers Renk nicht entziehen: Mit zuletzt rund 56,5 Euro am Mittwochnachmittag notierte der Wert deutlich unter seinem Höchststand von nahezu 86 Euro von Anfang Juni. Bei dem Börsengang am 7. Februar 2024 lag die erste Notierung der Aktie bei 17,50 Euro und damit ein gutes Stück über dem Ausgabepreis von 15,00 Euro. Wer damals eingestiegen ist, hat prächtig verdient.
Auf alle Fälle können die Finanzergebnisse des Unternehmens überzeugen, befindet sich doch der Auftragsbestand mit rund 5,9 Milliarden Euro auf einem Rekord-Niveau. Renk konnte im ersten Halbjahr 2025 den Kurs gewinnträchtigen Wachstums ungebrochen fortsetzen: Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte deutlich auf 89 Millionen Euro nach 69 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum zu. Renk gehört zum Verein der Unternehmen mit zweistelligen Umsatzrenditen: So verbesserte sich die Ebit-Marge um 0,9 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent.
Renk plant Investition von knapp einer halben Milliarde Euro
Renk-Chef Alexander Sagel steuert das Unternehmen weiter auf Expansionskurs: „Wir planen in den nächsten vier bis fünf Jahren, knapp eine halbe Milliarde Euro in den fokussierten Ausbau von Kapazitäten sowie in Forschung und Entwicklung zu investieren.“ Und er sagte unserer Redaktion: „Wir müssen Kapazitäten weiter aufbauen. Die Rüstungsindustrie muss weiter aufrüsten. Und das tun wir.“ Am Augsburger Stammsitz wird auf Hochtouren gearbeitet. Werkshallen sind gefüllt mit Getrieben, die neu produziert oder überholt werden. Die Produktivität steigt spürbar an. Sagel betont: „In unserem Werk in Augsburg wird jede Ecke mit Anlagen-Kapazitäten vollgestellt.“ Renk könne aber an den Standorten im nordrhein-westfälischen Rheine und bei Renk France weiter wachsen. Da sei noch genügend Platz.
In Augsburg beschäftigt das Rüstungsunternehmen 1858 Frauen und Männer, während es 2023 noch 1550 waren. Der Firmen-Chef verwies indes darauf: „Wir haben die Effizienz in der Produktion so deutlich erhöht, dass wir nicht so viele Menschen einstellen müssen, wie wir das 2023 noch gedacht haben. Dennoch werden wir in den nächsten Jahren die Zahl der Mitarbeitenden in Augsburg weiter steigern.“ Bei Getrieben für Landsysteme, also etwa für Panzer, verfügen die Augsburger über einen Weltmarktanteil von rund 75 Prozent in Nato-Ländern und befreundeten Staaten. Renk-Getriebe werden von über 70 Armeen und 40 Kunden im Marine-Bereich eingesetzt.
Renk-Chef: Arbeiten hart an unseren Lieferketten
Sagel stellte erneut klar: „Renk kann die von der Bundesregierung gewünschten Mengen an Getrieben bereitstellen. Wir arbeiten hart an unserer Lieferkette.“ Dabei sind die Getriebe des Herstellers äußerst langlebig. „Sie halten quasi ewig und werden von uns regelmäßig überholt“, sagt Sebastian Schießler, Leiter Produktion in Augsburg: Er zeigt auf ein Getriebe: „Dieses Getriebe für den Panzer Leopard 2 ist Baujahr 1982 und damit neun Jahre älter als ich.“
Zuletzt hatten Pläne von Bundeskanzler Friedrich Merz, deutsche Waffenlieferungen nach Israel wegen des Krieges im Gaza-Streifen einzuschränken, für viele Fragezeichen auch bei Renk gesorgt. Schließlich liefert das Unternehmen Getriebe für Panzer nach Israel. Noch ist unklar, ob und wie lange die Augsburger Firma Israel bedienen kann. Sagel hatte zuletzt betont, Renk halte sich stets an die Gesetze in Deutschland. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn Deutschland Lieferungen von Panzergetrieben nach Israel untersagt, würde Renk das befolgen.
Das Geschäft mit Israel macht nach Angaben des Unternehmens zwei bis drei Prozent des Umsatzes aus. In der britischen Financial Times war Sagel mit Überlegungen für den Fall zitiert worden, dass Lieferungen von Panzergetrieben nach Israel nicht mehr möglich sind: „Es ist auch klar, dass wir einen Plan B diskutieren. Der Plan B sieht vor, dass wir die Produktion dieser speziellen Getriebe in die USA verlagern.“ Nach Informationen unserer Redaktion müsste es sich Renk von der Bundesregierung indes genehmigen lassen, wenn die Produktion der Getriebe für Israel und die dafür notwendigen Anlagen in die USA verlagert würden. Das Unternehmen könnte allerdings neue Getriebe-Modelle in den USA entwickeln und bauen, was erst langfristig Wirkung zeigen würde. Am Mittwoch hieß es bei Renk zu der Diskussion nur: „Wir äußern uns zu dem Israel-Thema nicht weiter.“
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