Weil von München aus alles gerade Richtung China blickt – wenn man nicht just eines der günstigen E-Autos aus dem Reich der Mitte bestaunt, die auf den IAA-Schauplätzen ins beste Licht gerückt werden. Wenn man sich also an China orientierte, die Wirtschaftssupermacht, mit den gigantischen Märkten, auf denen deutsche Autobauer früher mit ihren Verbrennern über Jahrzehnte Milliarden-Gewinne einfuhren, was wäre dann konsequent? Erstens: Ein Datum für das Verbrenner-Aus zu definieren, um so die hiesigen Hersteller unter Druck zu setzen, ihre unbestrittene Entwickler-Kunst ganz den neuen E-Modellen zu widmen. Zweitens: Dieses Datum nicht permanent zu hinterfragen, zu verzögern und daran herumzuwackeln, sondern vielmehr alles dafür zu tun, dass es steht, damit der Druck auf die heimischen Autobauer hoch bleibt. Drittens: Mit einer klugen, transparenten, langfristig greifenden Subventionspolitik (Kaufprämien inklusive, nicht einfach übers Wochenende absetzen) Anreize dafür zu setzen, dass Audi, VW, BMW und Mercedes zeitnah auch kleinere, massenkompatible, preisgünstige Modelle entwickeln, die dann – umso schneller – breiten Anklang fänden.
Was stattdessen passiert: Pünktlich zur Eröffnung der IAA diskutiert Schwarz-Rot ernsthaft auf der großen Bühne darüber, ob 2035 in der EU wirklich Schluss mit dem Verbrenner sein sollte. Den Anfang machte – Überraschung – ein CSU-Ministerpräsident, der in seinem Bundesland eine Menge Autoindustrie hat. Schon vorher waren von anderen üblichen Verdächtigen übliche Argumente vorgetragen worden: technologieoffen bleiben, nicht ohne Not die wichtigste deutsche Industrie (und viele tausende Arbeitsplätze) gefährden, mehrgleisig fahren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in München dann davon, dass einseitige politische Festlegungen grundsätzlich der falsche wirtschaftspolitische Weg seien. Nur: Man fährt seit Jahren mehrgleisig, allerdings nicht mehr mit dem gewünschten Erfolg. Und Arbeitsplätze gehen in Massen verloren.
Den Zickzack-Kurs bitte endgültig beenden
Es ist wie bei der Energiewende oder beim Atomausstieg – und damit zum Davonfahren. Denn vor allem die Verbraucher fragen sich doch: was denn jetzt? Sollen wir uns künftig ein E-Auto kaufen? Jetzt, wo es auch günstige deutsche Stromer wie den als neuen Kassenschlager gedachten ID.Polo gibt? Oder doch lieber nicht?
Man möchte denen, die sonst immer den freien Kräften des Marktes das Wort reden, zurufen: Setzt einmal, wohldurchdacht, verlässliche Rahmenbedingungen. Und dann lasst aber – irgendwann – den Markt gewähren: Lasst amerikanische, chinesische, deutsche, japanische Hersteller um die Gunst der Kunden konkurrieren. Reguliert (wenn es unbedingt sein muss, über Zölle) vielleicht die Preise, wenn staatskapitalistische Industriepolitik zu unlauterem Wettbewerb führen sollte. Aber vor allem: Verunsichert nicht Millionen von Kunden mit diesem unsäglichen Zickzack-Kurs!
Alle, die über den Kauf eines E-Autos nachdenken, drehen nun eine Extra-Runde
Alle jene, die gerade wieder darüber nachdenken, ob es nicht allmählich an der Zeit, im Sinne des Klimas und auch noch bezahlbar wäre, den alten Verbrenner auslaufen zu lassen, werden nun wieder eine gedankliche Extra-Runde drehen. Und das vollkommen zurecht. Wenn die eigene Regierung zögert, warum sollte man selbst tätig werden? Den E-Auto-Absatz kurbelt diese vollkommen überholte Debatte sicher nicht an. Es mag schon sein, dass chinesische Hersteller inzwischen auch Verbrenner-Modelle günstig und gut produzieren und damit weiteren Druck auf die hiesigen Autobauer ausüben. Es spricht auch nichts gegen kluge Übergangsfristen, aber wenn klar ist – und das bestreitet doch niemand ernsthaft –, dass die Zukunft dem E-Auto gehört, dann führt der nächste U-Turn ganz sicher in die Sackgasse.
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