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Gesundheit
23.09.2013

EHEC: Ansteckungsursache fast immer ungeklärt

Ein Hof in Niedersachsen hätte verseuchte Sprossen und damit EHEC in Umlauf gebracht, sagte die Bundesregierung 2011. Das könnte aber nur die halbe Wahrheit sein.

Die Regierung hat die Bevölkerung bei der EHEC-Epidemie getäuscht, kritisiert der Verein foodwatch. Bei vielen Fälle wurde nicht geklärt, wie sich die Patienten angesteckt hatten.

Im Mai 2011 wurden die ersten Fälle von EHEC gemeldet, täglich steckten sich mehr Menschen mit der Krankheit an. Doch kurze Zeit später folgte die Entwarnung. Man habe die Ursache des tödlichen EHEC-Ausbruchs identifizieren können, meldete Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Ein Betrieb in Niedersachsen sei für die Verbreitung von EHEC verantwortlich. Der Sprossenbetrieb habe Bockshornkleesamen aus Ägypten gekeimt und in den Umlauf gebracht. Alle Erkrankungen seien darauf zurückzuführen, so die Bundesregierung.

87 Prozent der EHEC-Fälle wurden nicht genauer untersucht

Doch das war offenbar nicht die ganze Wahrheit. "Die Behauptung der Bundesregierung, ein Hof in Niedersachsen sei die einzige Verbreitungsquelle des EHEC-Erregers gewesen, hält einer Überprüfung nicht stand", kritisierte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) nun gegenüber der Verbraucherorganisation zugab, wurden tatsächlich 87 Prozent der Fälle zu den Akten gelegt, ohne die Ansteckungsursache je geklärt zu haben.

Gesamtliste aller EHEC-Fälle existiert nicht

Im EHEC-Abschlussbericht hieß es, die Task-Force EHEC habe eine Gesamtliste aller Ausbruchsorte erstellt. Foodwatch forderte diese Liste nach eigenen Angaben an, um zu überprüfen, ob es für jeden Fall eine entsprechende Verbindung zu dem Sprossenbetrieb in Niedersachsen gibt. Das Robert-Koch-Institut und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit habe nun den Verdacht der Organisation bestätigt: Eine solche Gesamtliste mit allen insgesamt 3842 EHEC-Fälle hat nie existiert.

Das RKI räumte gegenüber foodwatch ein, dass es lediglich zwei Listen gebe, in denen 850 Fälle untersucht und aufgelistet wurden. Für die restlichen etwa 3300 Fälle wurde offenbar nicht überprüft, ob es eine Verbindung zu dem Betrieb in Niedersachsen gibt oder ob möglicherweise andere Ansteckungsursachen in Betracht gezogen werden müssen.

Nur bei 13 Prozent aller EHEC-Fälle wurde nach der Ansteckungsursache gesucht

Umgerechnet heißt das, dass die Bundesregierung bei lediglich 13 Prozent der EHEC-Fälle eine Verbindung zu dem Hof in Niedersachsen herstellen konnte. Bei 87 Prozent der Fälle hingegen wurde bis heute nicht geklärt, wie und wo sich die Patienten anstecken konnten. (AZ)

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